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Trikuspidalstenose

Die Trikuspidalstenose ist eine Klappenerkrankung, die durch eine Verengung der Trikuspidalöffnung, also der Klappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer, gekennzeichnet ist. Diese Verengung führt zu einem Hindernis für den anterograden Blutfluss während der Diastole und bewirkt die Entstehung eines Druckgradienten zwischen den beiden rechten Herzkammern. Bei signifikanter Stenose steigt der Druck im rechten Vorhof allmählich an und es entwickelt sich ein Bild der systemischen Venengestauung.


Die Trikuspidalstenose ist eine relativ seltene Erkrankung und tritt meist in Verbindung mit anderen Klappenerkrankungen auf, insbesondere mit der Mitralstenose. Isoliert ist sie äußerst selten. Klinisch wird sie vor allem bei Patienten mit rheumatischer Multiklappenerkrankung oder im Rahmen von angeborenen Herzfehlern (z. B. Trikuspidalatresie) sowie chronisch-entzündlichen systemischen Erkrankungen festgestellt.

Ätiologie, Pathogenese und Physiopathologie

Die häufigste Ursache der erworbenen Trikuspidalstenose ist die rheumatische Erkrankung, häufig im Rahmen einer Multiklappenerkrankung. Die chronische rheumatische Entzündung führt zu Fibrose und Verkalkung der Klappensegel, zur Fusion der Kommissuren und zur Verdickung der Sehnenfäden.

Weitere weniger häufige Ursachen sind: die infektiöse Endokarditis, besonders bei Patienten mit zentralvenösen Kathetern oder intravenösem Drogenkonsum, wobei die Trikuspidalklappe häufig betroffen ist; Herztumore (z. B. Myxome, Karzinoide) mit direkter Infiltration oder Produktion fibrogenetischer Substanzen; das Karzinoid-Syndrom mit serotoninvermittelter Klappenfibrose, die typischerweise die rechten Klappen betrifft; iatrogene Ursachen: postoperativ, nach mediastinaler Bestrahlung oder im Zusammenhang mit intracardialen Devices; angeborene Erkrankungen: selten, aber isolierte Stenosen können bei komplexen Fehlbildungen (Trikuspidalatresie, Ringdisplasie) vorkommen.


Unter physiologischen Bedingungen beträgt die Fläche der Trikuspidalöffnung zwischen 6 und 9 cm2. Klinisch relevant wird die Stenose, wenn die Klappenfläche unter 2 cm2 fällt, während unter 1,5 cm2 erste hämodynamische Veränderungen auftreten mit Anstieg des rechten Vorhofdrucks, Bildung eines diastolischen transvalvulären Gradienten und verminderter Füllung des rechten Ventrikels.

Da der rechte Ventrikel weniger Blut erhält, ist das Schlagvolumen reduziert, was zu einer progressiven systemischen Venengestauung führt. Der rechte Vorhof erhöht den Druck und dilatiert, entwickelt jedoch keine Hypertrophie aufgrund seiner begrenzten Kontraktilität. Wenn der Vorhofdruck 10-15 mmHg überschreitet, treten Symptome der Stauung auf: pulsatile Hepatomegalie, Aszites und periphere Ödeme.

Im fortgeschrittenen Stadium kann die Vorhofdilatation das Auftreten von Vorhofflimmern begünstigen, was die diastolische Funktion weiter verschlechtert und das Herzzeitvolumen vermindert.

Bei isolierter Trikuspidalstenose ist der pulmonale arteriellen Druck meist normal. Bei assoziierten Klappenerkrankungen (insbesondere der Mitralklappe) kann eine pulmonale Hypertonie hinzukommen, die das Krankheitsbild verschlechtert.

Klinische Manifestationen

Die klinischen Zeichen der Trikuspidalstenose sind meist unspezifisch und oft von den Symptomen der assoziierten Mitralklappenerkrankung überdeckt. Das vorherrschende Bild ist das eines niedrigen Herzzeitvolumens und einer systemischen Venengestauung.


Die häufigsten Symptome sind:


Zu den spezifischen Zeichen zählen häufig:

In schweren Fällen kann die Erkrankung zur Kachexie, Malabsorption und intestinaler Lymphstase führen – typische Komplikationen chronischer Venengestauung.

Diagnose

Die Diagnose der Trikuspidalstenose beruht auf einer sorgfältigen Integration von Anamnese, klinischer Untersuchung und diagnostischen Verfahren. In den meisten Fällen wird die Erkrankung im Kontext multipler Klappenerkrankungen, insbesondere der Mitralklappe, oder bei Patienten mit unerklärlicher systemischer Venengestauung vermutet.


Im EKG finden sich Zeichen der Rechter Vorhofdilatation: hohe, spitze P-Wellen (P pulmonale) in Ableitungen DII und V1. Bei Vorhofflimmern können diese Zeichen fehlen. Die Präcordialableitungen zeigen gelegentlich eine Rechtsachsenabweichung und selten Zeichen einer Rechtsherzhypertrophie, sofern keine pulmonale Hypertonie vorliegt.


Im Thoraxröntgen zeigt sich oft eine Vergrößerung des rechten Herzprofils mit Prominenz des rechten Bogens in der posteroanterioren Projektion und Vergrößerung des rechten Vorhofs. In fortgeschrittenen Stadien sind Zeichen der systemischen Venengestauung sichtbar: Zwerchfellerhöhung durch Hepatomegalie, vergrößerte Leberkontur, Pleuraerguss rechts und Vergrößerung der oberen Hohlvene.


Die transthorakale Echokardiographie ist der Goldstandard zur Diagnosestellung der Trikuspidalstenose. Die zweidimensionale Darstellung erlaubt die Beurteilung der morphologischen Klappeneigenschaften, während die Doppler-Studie die hämodynamische Schwere der Stenose quantifiziert.


Wichtige echokardiographische Befunde sind:


Die Rechtsherzkatheterisierung liefert direkte Druckmessungen und ermöglicht die genaue Bestimmung des diastolischen Druckgradienten zwischen rechtem Vorhof und Ventrikel. Sie wird bei unklaren echokardiographischen Befunden oder vor einem chirurgischen Eingriff durchgeführt.


Die Trikuspidalstenose muss von anderen Ursachen systemischer Venengestauung unterschieden werden, wie:

Therapie und Prognose

Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, die Venengestauung zu reduzieren und eventuell auftretende Arrhythmien zu kontrollieren. Diuretika werden zur Senkung des systemischen Venendrucks eingesetzt, Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern, sowie eine Endokarditisprophylaxe bei signifikanter Klappenschädigung oder intracardialen Geräten.


Die chirurgische Behandlung ist bei symptomatischen Patienten mit schwerer Trikuspidalstenose (Klappenfläche < 1,5 cm2) indiziert und umfasst:


Die Behandlung der Trikuspidalstenose erfolgt häufig in Kombination mit anderen Klappenoperationen, insbesondere an der Mitralklappe. Der Zeitpunkt der Operation ist entscheidend: eine frühe Intervention verbessert auch bei milden Symptomen die Prognose.


Die Prognose hängt vom Schweregrad der Stenose, dem Vorhandensein assoziierter Klappenerkrankungen und der Behandlungszeitpunkt ab. Ohne Therapie kann die progressive Venengestauung zu Malabsorption, kongestiver Leberinsuffizienz und erheblicher Lebensqualitätseinbuße führen.

Eine rechtzeitige chirurgische Behandlung ermöglicht eine gute hämodynamische Erholung, insbesondere wenn sie vor irreversiblen Leberschäden oder Kachexie erfolgt.

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