Erkrankungen der Herzklappen können über Jahre ohne Symptome bleiben oder sich durch sehr häufige Beschwerden wie Atemnot, verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit, Palpitationen, Brustschmerzen, Schwindel oder geschwollene Knöchel bemerkbar machen. Wichtig ist vor allem, auf Beschwerden zu achten, die neu sind, bei zuvor gut vertragenen Aktivitäten auftreten oder sich im Lauf der Zeit verschlechtern.
Das Vorliegen eines dieser Symptome bedeutet nicht automatisch, dass eine Herzklappenerkrankung besteht. Umgekehrt schließt subjektives Wohlbefinden eine bedeutsame Herzklappenerkrankung nicht aus. Ist eine Herzklappenerkrankung bereits diagnostiziert, kann das Auftreten neuer Beschwerden den Zeitpunkt von Kontrollen oder therapeutischen Entscheidungen verändern.
Herzklappenerkrankungen umfassen Stenosen, bei denen sich eine Klappe nur erschwert öffnet, sowie Insuffizienzen beziehungsweise Regurgitationen, bei denen die Klappe nicht richtig schließt. Dieser Ratgeber ersetzt nicht die Seiten zu den einzelnen Erkrankungen, sondern soll helfen zu verstehen, welche Warnzeichen im Alltag Aufmerksamkeit verdienen.
Das häufigste Symptom ist oft Atemnot, zunächst vor allem bei Belastung. Sie kann beim Treppensteigen, bergauf Gehen oder bei Tätigkeiten auffallen, die bis vor Kurzem noch problemlos möglich waren. Manche Menschen beschreiben keine eigentliche Dyspnoe, sondern bemerken lediglich, dass sie langsamer werden, häufiger Pausen brauchen oder gewohnte Aktivitäten vermeiden.
Auch Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit sind häufig, jedoch wenig spezifisch: Sie können durch sehr viele nichtkardiale Erkrankungen verursacht werden. Aussagekräftiger werden sie, wenn sie eine Veränderung gegenüber dem üblichen Leistungsniveau darstellen und insbesondere zusammen mit Atemnot, Palpitationen oder anderen kardiovaskulären Zeichen auftreten.
Manche Herzklappenerkrankungen können Palpitationen verursachen oder Arrhythmien begünstigen. Bei Erkrankungen der Mitralklappe kann beispielsweise eine Erweiterung des linken Vorhofs mit Vorhofflimmern einhergehen. Bei fortgeschritteneren Formen können Schwellungen an Knöcheln und Beinen, eine Zunahme der venösen Stauung oder ein Druckgefühl im Bauch auftreten.
Bei einer ausgeprägten Aortenklappenstenose können Belastungsdyspnoe, Brustschmerzen, Schwindel oder Synkope auftreten. Bei Mitralklappeninsuffizienz können dagegen Atemnot, verminderte Belastbarkeit und Palpitationen im Vordergrund stehen. Diese Beispiele können die Orientierung erleichtern, doch allein anhand der Symptome lässt sich nicht feststellen, welche Klappe erkrankt ist.
Das Herz kann eine schlecht funktionierende Klappe lange kompensieren. Eine Person kann sich daher scheinbar gut fühlen, während sich Ventrikel oder Vorhöfe schrittweise an die Druck- oder Volumenbelastung anpassen. Wenn die Veränderung langsam verläuft, reduzieren Menschen außerdem häufig unbewusst ihre Alltagsaktivitäten und schreiben die geringere Belastbarkeit dem Alter oder der körperlichen Fitness zu.
Deshalb wird der Schweregrad einer Herzklappenerkrankung nicht allein danach beurteilt, ob Symptome vorhanden sind. Die Echokardiografie untersucht die Klappe, den Blutfluss und die Auswirkungen auf die Herzkammern; in ausgewählten Situationen können Belastungstests, Computertomografie, Magnetresonanztomografie oder andere Untersuchungen erforderlich sein.
Ebenso wichtig ist der umgekehrte Fall: Eine leichte Herzklappenerkrankung kann bei einer Person vorliegen, deren ausgeprägte Atemnot eine völlig andere Ursache hat. Der Zusammenhang zwischen Beschwerden und Klappenerkrankung muss daher im gesamten klinischen Kontext beurteilt werden. Begriffe wie „leicht“ oder „mittelgradig“ in einem Befund sollten nicht allein dazu verwendet werden, sämtliche Symptome zu erklären.
Ist eine Herzklappenerkrankung bereits bekannt, sollte eine Kontrolle vorgezogen werden, wenn ein neues Symptom auftritt oder sich eine bestehende Beschwerde verschlechtert. Besondere Aufmerksamkeit verdienen eine deutliche Abnahme der Geh- oder Treppensteigfähigkeit, neu aufgetretene Atemnot, anhaltende Palpitationen, Schwindel- oder Präsynkopenepisoden und zunehmende Beinschwellungen.
Bei Menschen ohne bisherige Diagnose können dieselben Symptome ebenfalls eine ärztliche Abklärung rechtfertigen, vor allem wenn bereits ein Herzgeräusch festgestellt wurde, eine Herzklappenerkrankung bekannt ist oder die Beschwerden bei Belastung auftreten.
Eine starke oder plötzlich einsetzende Atemnot, eine Ohnmacht, deutliche Brustschmerzen oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands sollten nicht bis zur nächsten geplanten Kontrolle abgewartet werden. In solchen Situationen ist eine zeitnahe Beurteilung erforderlich; bei schweren oder plötzlich auftretenden Symptomen sollte die Notfallversorgung in Anspruch genommen werden.
Auch manche akuten Klappeninsuffizienzen können sich plötzlich mit ausgeprägter Atemnot und Kreislaufinstabilität äußern. Diese Situationen unterscheiden sich von langsam fortschreitenden chronischen Formen und erfordern dringende medizinische Versorgung.
Die Beurteilung beginnt mit der Krankengeschichte und dem Abhören des Herzens. Ein Herzgeräusch kann auf eine Herzklappenerkrankung hinweisen, bestimmt aber weder Ursache noch Schweregrad. Die zentrale Untersuchung ist in der Regel die transthorakale Echokardiografie, mit der die Klappen dargestellt und die Auswirkungen von Stenose oder Regurgitation auf Blutfluss und Herz gemessen werden können.
Wenn Beschwerden und Ruheechokardiografie nicht übereinstimmen, kann der Kardiologe mit Belastungstests oder zusätzlicher Bildgebung weiter untersuchen. Ziel ist nicht nur, der Klappe eine Diagnose zuzuordnen, sondern zu klären, ob die Erkrankung tatsächlich für die Symptome verantwortlich ist und ob sie Folgen für Ventrikel, Vorhöfe oder den Lungenkreislauf verursacht.
Wer bereits eine Diagnose hat, sollte bei den Kontrollen möglichst konkret beschreiben können, was sich verändert hat: wie viele Treppen noch bewältigt werden können, ob bei einem gewohnten Spaziergang Pausen nötig sind, ob Ohnmachts- oder Palpitationsepisoden aufgetreten sind und ob Beschwerden nur unter Belastung oder auch in Ruhe bestehen. Diese Angaben können klinisch hilfreicher sein als allgemeine Formulierungen wie „ich bin müder“.
Was sind die häufigsten Symptome von Herzklappenerkrankungen?
Atemnot, verminderte Belastbarkeit, Müdigkeit, Palpitationen, Schmerzen oder Beschwerden im Brustkorb, Schwindel oder Ohnmacht und Schwellungen an den Knöcheln gehören zu den häufigsten Beschwerden. Keine davon ist jedoch spezifisch für eine Herzklappenerkrankung.
Kann eine Herzklappenerkrankung auch ohne Symptome schwer sein?
Ja. Manche bedeutsamen Formen können über längere Zeit asymptomatisch bleiben. Deshalb darf die Verlaufskontrolle bei einer bekannten Herzklappenerkrankung nicht allein davon abhängen, wie man sich fühlt.
Wann erfordern Symptome eine dringende Beurteilung?
Neu aufgetretene ausgeprägte Atemnot, eine Ohnmacht, deutliche Brustschmerzen oder eine rasche Verschlechterung erfordern eine zeitnahe Beurteilung. Bei starken oder plötzlich auftretenden Symptomen sollte die Notfallversorgung in Anspruch genommen werden.
Weisen Palpitationen immer auf eine Herzklappenerkrankung hin?
Nein. Sie können viele Ursachen haben. Bei einer bekannten Herzklappenerkrankung verdienen neu aufgetretene oder anhaltende Palpitationen jedoch Aufmerksamkeit, weil sie mit einer Arrhythmie zusammenhängen können.
Muss ich bei einer leichten Herzklappenerkrankung mit Symptomen rechnen?
Häufig nicht. Leichte Formen sind oft asymptomatisch und werden zufällig bei einer Untersuchung oder Echokardiografie entdeckt.
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