Ein Herzgeräusch ist keine Diagnose. Es ist ein Geräusch, das der Arzt mit dem Stethoskop wahrnimmt, wenn der Blutfluss hörbare Schwingungen erzeugt. Es kann harmlos sein, bei vorübergehenden Zuständen mit erhöhtem Blutfluss auftreten oder ein Hinweis auf eine Erkrankung der Herzklappen sein.
Um seine Bedeutung zu verstehen, müssen der klinische Kontext und die Eigenschaften des Herzgeräuschs berücksichtigt werden. Wenn der Befund den Verdacht auf eine strukturelle Herzerkrankung weckt, ist die Echokardiografie die wichtigste Untersuchung, um festzustellen, ob eine Klappe verengt oder undicht ist oder andere Veränderungen aufweist.
Herzklappenerkrankungen sind eine mögliche Ursache eines Herzgeräuschs, aber nicht die einzige. Deshalb ist es nicht richtig, allein aus der Aussage „man hört ein Herzgeräusch“ selbst eine Diagnose ableiten zu wollen.
Der normale Blutfluss durch das Herz erzeugt Töne, die vor allem durch das Schließen der Herzklappen entstehen. Wenn der Blutfluss schneller wird, durch eine verengte Öffnung strömt oder durch eine nicht richtig schließende Klappe zurückfließt, können zusätzliche Geräusche entstehen, die als Herzgeräusche bezeichnet werden.
Es gibt jedoch auch harmlose oder funktionelle Herzgeräusche, bei denen Herz und Herzklappen strukturell normal sind. Sie können durch Zustände begünstigt werden, die die Strömungsgeschwindigkeit erhöhen, etwa Fieber, Anämie, Schwangerschaft oder ein hohes Herzzeitvolumen. Die Bedeutung hängt daher stark vom Alter und vom jeweiligen Kontext ab.
Der Arzt beschreibt ein Herzgeräusch danach, zu welchem Zeitpunkt im Herzzyklus es auftritt, an welcher Stelle es am besten hörbar ist, in welche Richtung es fortgeleitet wird sowie nach Klangcharakter und Lautstärke. Diese Merkmale können auf eine bestimmte Läsion hinweisen, die Auskultation ersetzt jedoch keine Bildgebung, wenn Anatomie und Schweregrad präzise bestimmt werden müssen.
Eine verengte Herzklappe führt zu einer Beschleunigung des Blutflusses durch eine verkleinerte Öffnung. Dies geschieht zum Beispiel bei der Aortenklappenstenose oder der Mitralklappenstenose. Eine Herzklappe, die nicht richtig schließt, lässt dagegen Blut in die entgegengesetzte Richtung zurückfließen, wie bei der Mitralklappeninsuffizienz oder der Aortenklappeninsuffizienz.
Die Art des Herzgeräuschs kann Hinweise darauf geben, welche Klappe betroffen ist, es gibt jedoch Überschneidungen und individuelle Unterschiede. Außerdem kann das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Herzklappenläsionen die Auskultation erschweren.
Ein wichtiger Punkt ist, dass die Lautstärke des Herzgeräuschs den Schweregrad nicht zuverlässig misst. Ein sehr lautes Herzgeräusch bedeutet nicht zwangsläufig eine schwere Erkrankung, und bei manchen Zuständen kann eine bedeutende Läsion nur ein relativ leises Herzgeräusch verursachen. Der Schweregrad wird vor allem durch die Echokardiografie und die Gesamtschau der klinischen Daten bestimmt.
Die Entscheidung hängt nicht allein davon ab, dass ein Herzgeräusch vorhanden ist. Der Arzt berücksichtigt, ob es neu ist, ob seine Eigenschaften mit einer strukturellen Läsion vereinbar sind, ob Symptome bestehen, ob Veränderungen im Elektrokardiogramm oder andere Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung vorliegen und ob bereits eine Herzerkrankung bekannt ist.
Ein diastolisches Herzgeräusch wird bei Erwachsenen im Allgemeinen als pathologisch angesehen und erfordert eine weitere Abklärung. Bei systolischen Herzgeräuschen, die wesentlich häufiger sind, variiert die Bedeutung: Einige sind harmlos, andere weisen auf eine Aortenklappenstenose, Mitralklappeninsuffizienz oder andere Erkrankungen hin.
Die transthorakale Echokardiografie ermöglicht es, die Struktur der Herzklappen zu beurteilen, Flussgeschwindigkeiten und Gradienten zu messen, mögliche Regurgitationen zu quantifizieren und die Auswirkungen auf die Herzkammern zu erfassen. Sie dient nicht nur dazu zu bestätigen, dass eine Klappe verändert ist: Sie hilft auch, eine leichte Läsion von einer Form zu unterscheiden, die engmaschigere Verlaufskontrollen oder eine Behandlung erfordert.
Ein Herzgeräusch in Verbindung mit Atemnot, verminderter Belastbarkeit, Brustschmerzen, Schwindel oder Ohnmacht, anhaltenden Palpitationen oder Ödemen sollte klinisch beurteilt werden. Nicht weil diese Symptome automatisch eine Herzklappenerkrankung beweisen, sondern weil sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Auskultationsbefund klinisch bedeutsam ist.
Wenn eine Person mit bekanntem Herzgeräusch plötzlich ausgeprägte Atemnot, eine Ohnmacht oder starke Brustschmerzen entwickelt, sollte nicht einfach bis zum nächsten geplanten Kontrolltermin gewartet werden.
Bei Kindern und jungen Erwachsenen sind harmlose Herzgeräusche relativ häufig, während mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit degenerativer Veränderungen der Herzklappen steigt. Das bedeutet nicht, dass jedes Herzgeräusch bei älteren Menschen einer schweren Herzklappenerkrankung entspricht, macht aber die Einordnung in den klinischen und, wenn angezeigt, echokardiografischen Kontext besonders wichtig.
Bedeutet ein Herzgeräusch, dass eine Herzklappenerkrankung vorliegt?
Nein. Ein Herzgeräusch kann harmlos oder funktionell sein. In anderen Fällen kann es durch eine Klappenstenose oder -insuffizienz verursacht werden.
Wie erkennt man, ob ein Herzgeräusch krankhaft ist?
Beurteilt werden die Eigenschaften des Herzgeräuschs, das Alter, Symptome, die Krankengeschichte und weitere Befunde. Bei Verdacht auf eine strukturelle Herzerkrankung klärt die Echokardiografie die Ursache.
Bedeutet ein lautes Herzgeräusch immer eine schwere Herzklappenerkrankung?
Nein. Die auskultatorische Lautstärke entspricht nicht zuverlässig dem Schweregrad der Läsion.
Ist bei einem Herzgeräusch immer eine Echokardiografie erforderlich?
Nicht in jeder Situation. Die Notwendigkeit hängt von den Eigenschaften des Herzgeräuschs und vom Kontext ab. Ein neues, verdächtiges oder mit Symptomen verbundenes Herzgeräusch erfordert eher eine echokardiografische Abklärung.
Welche mit einem Herzgeräusch verbundenen Symptome verdienen Aufmerksamkeit?
Atemnot, verminderte Belastbarkeit, Brustschmerzen, Schwindel oder Ohnmacht, anhaltende Palpitationen und Ödeme, insbesondere wenn sie neu auftreten oder sich verschlechtern.
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