Das Crow-Fukase-Syndrom ist keine vom POEMS-Syndrom getrennte Erkrankung. Es handelt sich um eine historische, vor allem in der japanischen Literatur verbreitete Bezeichnung für dasselbe multisystemische paraneoplastische Syndrom, das mit einer monoklonalen Plasmazellerkrankung assoziiert ist. Auch die Bezeichnungen Takatsuki-Syndrom und PEP-Syndrom wurden früher verwendet.
Die Definition eines spezifischen „atypischen Crow-Fukase-Syndroms“ als unvollständige Variante ist nicht standardisiert. Unvollständige oder frühe Manifestationen des POEMS-Syndroms sind möglich, müssen jedoch anhand der anerkannten Diagnosekriterien beurteilt werden und erfordern die Suche nach Alternativdiagnosen.
Die Erkrankung beruht auf einem monoklonalen Plasmazellklon, der fast immer eine Lambda-Restriktion aufweist. Die monoklonale Komponente kann nur gering ausgeprägt sein und ist nicht immer durch Elektrophorese allein erkennbar. Ein erhöhter VEGF-Spiegel spielt eine zentrale Rolle bei der Steigerung der Gefäßpermeabilität sowie bei Ödemen, Ergüssen und mikrovaskulären Veränderungen. Weitere Zytokine tragen zu Neuropathie, Endokrinopathien sowie hämatologischen und kutanen Manifestationen bei.
Die dominierende Manifestation ist eine progressive sensomotorische Polyneuropathie, überwiegend demyelinisierend und häufig zunächst distal und symmetrisch. Begleitend können Organomegalie, Endokrinopathien, Hyperpigmentierung, glomeruloide Hämangiome, Hypertrichose, periphere Ödeme, Aszites, Pleuraergüsse, Papillenödem, Thrombozytose oder Polyzythämie sowie osteosklerotische Knochenläsionen auftreten. Das klinische Bild ist variabel, und nicht alle Buchstaben des Akronyms müssen gleichzeitig erfüllt sein.
Die Abklärung umfasst die neurologische Untersuchung, Elektromyographie, den Nachweis der monoklonalen Komponente mittels Serum- und Urinimmunfixation, freie Leichtketten, die VEGF-Bestimmung, Skelettbildgebung mittels CT oder PET-CT, Knochenmarkbiopsie sowie die Beurteilung endokriner, kardiopulmonaler und ophthalmologischer Manifestationen. Bei unvollständigen Krankheitsbildern müssen insbesondere CIDP, AL-Amyloidose, IgM-assoziierte Neuropathie, multiples Myelom, Castleman-Krankheit und andere Ursachen einer systemischen Neuropathie ausgeschlossen werden.
Die Diagnose des POEMS-Syndroms erfordert:
Ein partielles Krankheitsbild darf erst nach fachärztlicher Beurteilung als Verdachtsfall oder unvollständige Form von POEMS bezeichnet werden. Der Begriff Crow-Fukase kennzeichnet für sich genommen keine atypische Form.
Die Behandlung richtet sich nach der Ausdehnung des Plasmazellklons. Eine einzelne osteosklerotische Läsion oder wenige osteosklerotische Läsionen ohne diffuse Knochenmarkbeteiligung können mit Strahlentherapie behandelt werden. Eine systemische Erkrankung erfordert eine gegen den Klon gerichtete Therapie, häufig mit Lenalidomid und Dexamethason oder anderen geeigneten Regimen. Eine autologe Stammzelltransplantation ist bei geeigneten Patienten eine Option. Zusätzlich sind supportive Maßnahmen gegen Neuropathie, Endokrinopathien, Ödeme und kardiopulmonale Komplikationen erforderlich.
Bevacizumab wird in der klinischen Behandlung des POEMS-Syndroms nicht empfohlen, da eine Senkung des VEGF-Spiegels keinen verlässlichen Nutzen gezeigt hat und klinische Verschlechterungen sowie Todesfälle berichtet wurden.
Zu den Komplikationen zählen schwere neurologische Behinderung, neuropathische Schmerzen, Stürze, respiratorische Insuffizienz, pulmonale Hypertonie, Ergüsse, Anasarka, Thrombosen, endokrine Funktionsstörungen und Infektionen im Zusammenhang mit dem beeinträchtigten Allgemeinzustand oder der Therapie. Die Prognose wird vor allem durch die kardiopulmonale Beteiligung, die Schnelligkeit der Diagnosestellung und das Ansprechen auf die Behandlung des Plasmazellklons bestimmt.
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