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PERIKARD UND PERIKARDITIS
(serös, fibrinös, eitrig, suppurativ, käsig und hämorrhagisch)

Das Perikard ist eine seröse Membran, die das Herz umgibt, mechanischen Schutz bietet, die Reibung während der Herzbewegung reduziert und zur Aufrechterhaltung des intrathorakalen Drucks beiträgt. Es besteht aus zwei Blättern:

Zwischen diesen beiden Schichten befindet sich ein virtueller Raum, die Perikardhöhle, die eine geringe Menge seröser Flüssigkeit (ca. 10–50 mL) enthält, welche als Schmiermittel dient und von den Perikardkapillaren produziert sowie von den Lymphgefäßen resorbiert wird.


Physiopathologie der Perikarditis

Die Perikarditis ist ein entzündlicher Prozess des Perikards, der mit einer Reihe struktureller und funktioneller Veränderungen der Perikardmembran einhergeht. Die Entzündung führt zu:


Perikarditis und Perikarderguss

Nicht immer geht eine Perikarditis mit einem signifikanten Erguss einher: Kleine Flüssigkeitsmengen können auch bei gesunden Personen oder bei Patienten mit systemischen Erkrankungen (Herzinsuffizienz, nephrotisches Syndrom) vorhanden sein.

Ist ein Erguss vorhanden, kann er in Menge und Zusammensetzung variieren und das klinische Bild beeinflussen:


Klassifikation der Perikarditiden

Perikarditiden werden anhand der Eigenschaften des Exsudats klassifiziert:

Diese Klassifikation hat wichtige klinische Implikationen, da die verschiedenen Formen unterschiedliche Ätiologien, Verläufe und Prognosen aufweisen können.


Klinik und Symptomatik

Die klinischen Manifestationen der Perikarditis können je nach Schweregrad der Entzündung und Menge der angesammelten Perikardflüssigkeit variieren. Zu den häufigsten Symptomen zählen:


Diagnose der Perikarditis

Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus klinischen, laborchemischen und apparativen Befunden:


Behandlung der Perikarditis

Die Behandlung variiert je nach Ursache und Schweregrad der Perikarditis:


Prognose und Verlauf

Die Prognose der Perikarditis hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab:

Eine angemessene echokardiographische Nachkontrolle ist essenziell, um die Rückbildung der Entzündung zu überwachen und Komplikationen vorzubeugen.

Seröse Perikarditis

Die seröse Perikarditis ist die mildeste und häufig selbstlimitierende Form der Perikardentzündung. Sie ist gekennzeichnet durch ein klares Exsudat oder leicht trübe Flüssigkeit, reich an Proteinen, Monozyten und Lymphozyten, jedoch fibrinfrei. Dies ist entscheidend, da so keine Verklebungen zwischen den Perikardblättern entstehen.

Der Entzündungsprozess wird durch die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen (IL-1, IL-6, TNF-α) vermittelt, die die Kapillarpermeabilität erhöhen und den Übertritt von Flüssigkeit in die Perikardhöhle begünstigen. In Abwesenheit von Fibrin ist die Rückbildung jedoch meist spontan und ohne fibrotische Folgen.

Spezifische Ursachen

Die wichtigsten Ursachen der serösen Perikarditis sind:

Verlauf und Prognose

Die seröse Perikarditis hat eine günstige Prognose und bildet sich in den meisten Fällen spontan zurück.

Bei einigen Patienten kann sie jedoch in folgende Formen übergehen:

Die Behandlung ist in der Regel symptomatisch mit NSAR und Colchicin. In komplexeren Fällen kann der Einsatz von Kortikosteroiden erforderlich sein.

Serofibrinöse Perikarditis

Die serofibrinöse Perikarditis ist eine Zwischenform zwischen der serösen und der fibrinösen Perikarditis. Sie zeichnet sich durch ein trübes Exsudat aus, das reich an Entzündungsproteinen und Fibrinfäden ist, die sich auf den Perikardoberflächen ablagern können.

Diese Form ist mit einer ausgeprägteren Entzündung verbunden, mit stärkerer Aktivierung von Mediatoren wie IL-1, IL-6 und TNF-α, die die Gefäßpermeabilität erhöhen und die Rekrutierung von Entzündungszellen fördern.


Charakteristische Merkmale


Hauptursachen

Die Ursachen der serofibrinösen Perikarditis überschneiden sich teilweise mit denen der serösen, treten aber bei intensiverer und längerer Entzündung auf. Zu den wichtigsten gehören:


Verlauf und Prognose

Die serofibrinöse Perikarditis kann sich entwickeln zu:


Die Therapie umfasst NSAR und Colchicin, ggf. Kortikosteroide bei sekundären Formen durch Autoimmunerkrankungen.

Fibrinöse Perikarditis

Die fibrinöse Perikarditis stellt ein fortgeschrittenes Stadium der serofibrinösen Perikarditis dar, gekennzeichnet durch ein nahezu ausschließlich fibrinöses Perikardexsudat mit geringem Flüssigkeitsanteil. Die reduzierte Schmierung zwischen den Perikardblättern führt zu dem typischen Perikardreiben, einem klinisch charakteristischen Zeichen dieser Erkrankung.


Charakteristische Merkmale


Hauptursachen

Die Ursachen der fibrinösen Perikarditis umfassen:


Verlauf und Prognose

Die fibrinöse Perikarditis kann sich entwickeln zu:

Die Therapie besteht in NSAR und Colchicin, ggf. Drainage bei begleitendem Erguss.

Eitrige oder suppurative Perikarditis

Die eitrige (suppurative) Perikarditis ist eine schwere Form der Perikardentzündung, verursacht durch bakterielle, seltener auch fungale oder parasitäre Infektionen. Sie ist gekennzeichnet durch ein dichtes, gelbliches und eiterreiches Exsudat mit hoher Neutrophilenzahl und einem hohen Risiko struktureller Komplikationen.


Charakteristische Merkmale


Hauptursachen

Bakterielle Infektionen erreichen das Perikard durch:

Die häufigsten Erreger sind:


Verlauf und Prognose

Die eitrige Perikarditis verläuft aggressiv und kann führen zu:


Behandlung

Im Gegensatz zu anderen Formen erfordert die eitrige Perikarditis:

Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um irreversible Komplikationen zu verhindern.

Käsige Perikarditis

Die käsige Perikarditis ist eine seltene Form der Perikardentzündung, typischerweise im Zusammenhang mit Tuberkulose und, seltener, mit chronischen Pilzinfektionen wie Histoplasmose. Sie ist gekennzeichnet durch ein granulomatöses, dichtes, weißlich-gelbes Exsudat mit käsiger Nekrose und lymphomonozytären Infiltraten.


Charakteristische Merkmale


Hauptursachen

Die käsige Perikarditis ist fast immer sekundär zu:


Verlauf und Prognose

Die käsige Perikarditis hat eine starke Tendenz zur Entwicklung einer konstriktiven Perikarditis aufgrund der fortschreitenden Ablagerung von fibrösem Gewebe und Verkalkungen.

Häufige Komplikationen sind:


Behandlung

Das Management der käsigen Perikarditis umfasst:

Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend, um irreversible Schäden zu vermeiden.

Hämorrhagische Perikarditis

Die hämorrhagische Perikarditis ist eine schwere Form der Perikardentzündung, die durch das Vorhandensein eines mit Blut vermischten Exsudats, Fibrin und ggf. Eiter gekennzeichnet ist. Diese Situation ist oft ein Zeichen für fortgeschrittene Systemerkrankungen oder neoplastische Prozesse mit Perikardinfiltration.


Charakteristische Merkmale


Hauptursachen

Die wichtigsten Ursachen der hämorrhagischen Perikarditis sind:


Verlauf und Prognose

Die wichtigsten Komplikationen der hämorrhagischen Perikarditis sind:


Behandlung

Die Behandlung der hämorrhagischen Perikarditis richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung und umfasst:

Die Prognose hängt stark von der Grunderkrankung und der Therapietreue ab.


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