Die Schenkel-Reentry-ventrikuläre Tachykardie ist eine Form des Makro-Reentry, bei der das His-Purkinje-System einen unverzichtbaren Bestandteil des Reentry-Kreises bildet. In der klassischen Konfiguration läuft der Impuls über einen Schenkel anterograd zum Ventrikel und kehrt über den anderen Schenkel retrograd zurück. Das Ergebnis ist meist eine schnelle monomorphe Tachykardie mit Schenkelblockmorphologie. Die Erkennung ist besonders wichtig, weil die gezielte Unterbrechung eines Schenkels des Reentry-Kreises die Arrhythmie beseitigen kann.
Die Erkrankung ist häufig mit einer Störung des Reizleitungssystems und struktureller Herzerkrankung, insbesondere dilatativer oder valvulärer, verbunden, kann aber auch bei erhaltener Ventrikelfunktion auftreten. Die Häufigkeit in Fallserien hängt stark von der untersuchten Population und davon ab, wie systematisch während der elektrophysiologischen Untersuchung nach dem Mechanismus gesucht wird. Ein EKG, das wie ein gewöhnlicher Schenkelblock aussieht, kann zu einer Fehleinordnung als supraventrikuläre Tachykardie mit Aberranz führen. Die Ähnlichkeit mit dem QRS im Sinusrhythmus schließt einen ventrikulären Mechanismus nicht aus.
Eine Ablation kann den Reentry-Kreis unterbrechen, zugleich aber die verbleibende anterograde Leitung beeinträchtigen und beseitigt mögliche zusätzliche myokardiale Substrate nicht. Der diagnostisch-therapeutische Weg erfordert daher drei miteinander verknüpfte Bewertungen: Nachweis des Reentry, Wahl des zu behandelnden Schenkels und Planung des Schutzes nach dem Eingriff. Risiko eines AV-Blocks, mögliche Stimulationsbedürftigkeit und ICD-Indikation müssen zusammen mit Ventrikelfunktion und Grunderkrankung berücksichtigt werden.
Rechter und linker Tawara-Schenkel sind proximal über das His-System und distal über Purkinje-Netzwerk und Ventrikelmyokard miteinander verbunden. Unter normalen Bedingungen begrenzen schnelle Leitung und Refraktärzeit die Möglichkeit eines anhaltenden Reentry-Kreises. Eine ausreichend ausgeprägte His-Purkinje-Leitungsverzögerung erlaubt dagegen, dass eine Komponente vor der Rückkehr des Impulses erneut erregbar wird. Die Arrhythmie erfordert eine Kombination aus Leitungszeiten, Refraktärzeiten und unidirektionalem Block, nicht lediglich einen breiten QRS.
In der häufigsten Konfiguration leitet der rechte Schenkel anterograd und der linke retrograd. Die initial rechtsventrikuläre Aktivierung erzeugt eine Linksschenkelblockmorphologie. In der umgekehrten Konfiguration leitet der linke Schenkel anterograd und der rechte dient als Rückweg, wodurch eine Rechtsschenkelblockmorphologie entsteht. Beide Konfigurationen können beim selben Patienten vorkommen. Die Bezeichnungen im oder gegen den Uhrzeigersinn hängen von der schematischen Darstellung ab und liefern allein keine zusätzlichen klinischen Informationen über die Richtung in den beiden Schenkeln hinaus.
Die traditionelle Nomenklatur unterscheidet eine Typ-A-Form mit Linksschenkelblockmorphologie und eine Typ-C-Form mit Rechtsschenkelblockmorphologie. Beim interfaszikulären Typ B dienen dagegen die linken Faszikel als anterograder und retrograder Weg. Diese Unterscheidung ist wesentlich, weil der rechte Schenkel am interfaszikulären Reentry-Kreis unbeteiligt sein kann. Eine Ablation des rechten Schenkels, die beim klassischen Schenkel-Reentry wirksam ist, ist daher keine universelle Therapie für alle Tachykardien mit Beteiligung des Reizleitungssystems.
Der Reentry-Kreis kann durch persistierende anatomische Veränderungen oder durch eine funktionelle Leitungsverzögerung erleichtert werden, die erst bei bestimmten Stimulationsintervallen auftritt. Ein normales His-Ventrikel-Intervall im Sinusrhythmus schließt den Reentry deshalb nicht aus. Während der Induktion kann eine kritische Verzögerung entstehen, die eine zirkuläre Ausbreitung ermöglicht. Ein einzelner im Labor induzierter Reentry-Schlag entspricht jedoch nicht einer klinischen anhaltenden Tachykardie: Aufrechterhaltung und Übereinstimmung mit den Patientenereignissen müssen dokumentiert werden.
Eine Schenkelblockmorphologie im EKG bedeutet nicht zwingend, dass in diesem Schenkel keinerlei Leitung mehr stattfindet. Ausgeprägte Verlangsamung, Ausbreitungsrichtung und verdeckte Penetration können das Oberflächenmuster erzeugen, während noch eine für den Reentry-Kreis nutzbare Leitung besteht, insbesondere retrograd. Dies erklärt, warum ein scheinbar blockierter Schenkel weiterhin an der Tachykardie beteiligt sein kann. Die Interpretation muss sich auf intrakardiale Aufzeichnungen und nicht nur auf die Bezeichnung der basalen Leitungsstörung stützen.
Der proximale Anteil des Reizleitungssystems und das Septummyokard tragen zur Architektur des Reentry-Kreises bei, während Vorhöfe und AV-Knoten für die Aufrechterhaltung des klassischen Reentry üblicherweise nicht erforderlich sind. Eine vorhandene ventrikuloatriale Leitung kann den Eindruck einer 1:1-Beziehung erwecken, ohne den Vorhof zu einem unverzichtbaren Bestandteil zu machen. Daraus ergibt sich eine klare therapeutische Konsequenz: Eine Ablation des AV-Knotens heilt den Schenkel-Reentry nicht, weil der unterhalb des Knotens liegende Reentry-Kreis dadurch nicht zwingend unterbrochen wird.
Die dilatative Kardiomyopathie ist ein wichtiger Kontext, weil Dilatation und Veränderungen des Reizleitungssystems die für den Reentry-Kreis nötigen Verzögerungen schaffen können. Die Erkrankung kann ischämisch oder nichtischämisch sein, doch der Mechanismus entspricht nicht einem gewöhnlichen Reentry innerhalb einer Ventrikelnarbe. Beide Substrate können koexistieren. Nach Beseitigung des Schenkel-Reentry können daher andere myokardiale Tachykardien weiterhin induzierbar sein oder später auftreten.
Klappenerkrankungen und Klappeneingriffe verdienen besondere Aufmerksamkeit. Eine Tachykardie mit Schenkelblockmorphologie, die in den Wochen nach einem Eingriff auftritt, kann durch Veränderungen der Reizleitung begünstigt werden. Die Ventrikelfunktion kann relativ gut erhalten sein, sodass die Identifikation eines behandelbaren Reentry-Kreises große Bedeutung gewinnt. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Eingriff beweist den Mechanismus nicht, sollte die elektrophysiologische Untersuchung aber auch dann in diese Richtung lenken, wenn zunächst eine Narbentachykardie vermutet wird.
Schenkel-Reentry wird auch bei angeborenen Herzerkrankungen, arrhythmogenen Erkrankungen, neuromuskulären Leiden wie myotoner Dystrophie und genetisch bedingten elektrischen oder Reizleitungserkrankungen beschrieben. Pathogene Varianten in SCN5A oder LMNA können bei einzelnen Patienten mit unerklärten Leitungsstörungen relevant sein, sollten aber nicht undifferenziert bei jeder Episode gesucht werden. Phänotyp, Alter, Familienanamnese und weitere Manifestationen steuern genetische Beratung und Interpretation der Ergebnisse.
Die Tachykardie ist häufig schnell, mit Frequenzen im Bereich von 200 bis 300 Schlägen pro Minute, und kann Synkope, Kollaps oder Kreislaufstillstand verursachen. Es gibt jedoch auch langsamere und besser tolerierte Episoden, insbesondere abhängig von Leitung und Therapie. Die klinische Präsentation hängt zusätzlich von Funktion und hämodynamischer Reserve ab. Die Toleranz einer einzelnen Episode vermindert nicht die Notwendigkeit, einen Reentry-Kreis zu erkennen, der rasche Rezidive tragen kann.
Bei Trägern eines Defibrillators kann die Arrhythmie durch antitachykarde Stimulation oder Schock beendet werden, bevor ein vollständiges EKG aufgezeichnet wird. Gespeicherte Elektrogramme sind daher wertvoll, um das spontane Ereignis mit induzierten Tachykardien zu vergleichen. Ein Bericht über eine angemessene Therapie identifiziert jedoch nicht den Mechanismus: Frequenz, Sequenz und verfügbare Signale müssen analysiert werden. Die Dokumentation mehrerer Morphologien verhindert, dass sämtliche Geräteinterventionen einem einzigen Reentry-Kreis zugeschrieben werden.
Im Basis-EKG finden sich häufig verlängertes PR-Intervall, breiter QRS oder andere Zeichen einer Reizleitungsstörung, doch ihr Fehlen schließt das Bild nicht aus. Symptome einer Bradyarrhythmie können mit tachykarden Symptomen koexistieren und die Behandlungsplanung beeinflussen. Eine Synkopenanamnese kann auf eine der beiden Komponenten oder auf beide zurückgehen. Deshalb endet der Weg nicht mit der Terminierung der Tachykardie, sondern muss eine Beurteilung der verbleibenden Leitung und ihrer möglichen Progression einschließen.
Der QRS der Tachykardie zeigt häufig einen typischen Schenkelblock, mit relativ schnellen initialen Kräften, weil die Aktivierung das Reizleitungssystem nutzt. Dadurch können manche Kriterien zur Unterscheidung ventrikulärer und supraventrikulärer Tachykardien weniger deutlich sein. Eine AV-Dissoziation ist hilfreich, wenn vorhanden, kann aber durch retrograde Leitung verdeckt werden. Eine nahezu identische Konfiguration wie im Sinusrhythmus schließt Schenkel-Reentry nicht aus und kann gerade ein Merkmal des Mechanismus sein.
Die Diagnose wird durch Ableitungen vom His-Bündel und den Schenkeln nachgewiesen, bei Bedarf idealerweise mit Rekonstruktion der Sequenz auf beiden Seiten des Septums. Bei klassischen Formen gehen die Potenziale des Reizleitungssystems dem QRS in einer Reihenfolge voraus, die zum anterograd leitenden Schenkel passt. Das HV-Intervall während der Tachykardie ist häufig gleich lang oder länger als im Basalrhythmus. Diese Beziehung unterstützt den Mechanismus, reicht aber allein nicht aus, weil das His-Bündel auch bei anderen Tachykardien aktiviert werden kann.
Ein wichtiges Kriterium sind Schwankungen der Zykluslänge. Ändert sich die Tachykardiezykluslänge, können Veränderungen der His-His-Intervalle oder der Intervalle zwischen Schenkelpotenzialen den entsprechenden Ventrikel-Ventrikel-Veränderungen vorausgehen. Dies zeigt, dass das Reizleitungssystem das Timing steuert und nicht lediglich retrograd vom Myokard aktiviert wird. Bei myokardialem Reentry gehen dagegen ventrikuläre Veränderungen eher denen des His-Systems voraus. Die Sequenz muss an zuverlässigen Signalen geprüft und darf nicht aus einer Einzelmessung abgeleitet werden.
Die Induktion erfordert häufig eine kritische Leitungsverzögerung und kann durch Stimulationssequenzen erleichtert werden, die einen unidirektionalen Block erzeugen. Ventrikuläre und in manchen Fällen atriale Stimulation ermöglichen die Untersuchung dieser Eigenschaften. Der Nachweis eines Reentry-Schlags oder einer induzierten Tachykardie muss mit der klinischen Morphologie verknüpft werden. Ein negatives Protokoll schließt den Mechanismus bei starker klinischer Dokumentation nicht automatisch aus, verlangt jedoch die Anerkennung dieser diagnostischen Grenze vor einer irreversiblen Läsion.
Entrainment vom rechten Ventrikelapex kann Fusion und ein Postpacing-Intervall nahe der Tachykardiezykluslänge zeigen, passend zur Beteiligung des Ventrikels am Reentry-Kreis. Ein kurzes Rückkehrintervall ist ein Hinweis, aber kein eigenständiger Beweis, weil auch ein myokardialer Reentry nahe der Stimulationsstelle dieses Muster erzeugen kann. Sequenz der Potenziale, Reaktion auf Extrastimuli und Verhalten der Oszillationen werden integriert. Die Diagnose muss ausreichend sicher sein, bevor ein Schenkel geopfert wird, der für die normale Leitung essenziell sein könnte.
Die Beendigung der Tachykardie in Verbindung mit einem Block in einem kritischen Schenkel und die fehlende Reinduzierbarkeit nach einer wirksamen Läsion bestätigen den Reentry-Kreis, wenn sie im Gesamtkontext interpretiert werden. Allein die Terminierung bei Katheterkontakt reicht nicht, da mechanisches Trauma vorübergehend sein kann. Die Aufzeichnungen müssen einen echten Block des Leitungswegs von anderen Terminierungsursachen unterscheiden. Das prozedurale Ergebnis vervollständigt den Nachweis, ersetzt aber keine gut begründete Ausgangshypothese.
Eine supraventrikuläre Tachykardie mit Aberranz kann einen QRS erzeugen, der dem Schenkel-Reentry nahezu identisch ist. Die Beziehung zum Vorhof und die Reaktion auf elektrophysiologische Manöver zeigen, welche Strukturen für den Reentry-Kreis erforderlich sind. Eine 1:1-AV-Beziehung beweist keine Vorhofabhängigkeit, während eine sicher dokumentierte Dissoziation viele supraventrikuläre Hypothesen ausschließt. Auch ein junktionaler Ursprung muss anhand von Sequenz und Stimulationsreaktion abgegrenzt werden, ohne sich allein auf die zeitliche Lage von His und QRS zu stützen.
Beim myokardialen Reentry kann das Reizleitungssystem während der Tachykardie passiv aktiviert werden. Ein His-Potenzial in jedem Zyklus genügt daher nicht als Beweis, dass es den Rhythmus steuert. Die Beziehung der Oszillationen, die Schenkelsequenz und Reset-Manöver klären diesen Unterschied. Beide Tachykardien können beim selben Patienten koexistieren, insbesondere bei Narbenkardiomyopathie. Die Diagnose einer heilbaren Schenkelform macht die Suche nach anderen klinisch relevanten Mechanismen nicht überflüssig.
Der interfaszikuläre Reentry kann eine Rechtsschenkelblockmorphologie mit Achsenabweichung und eine andere His-Aktivierung als der klassische Reentry zeigen. Der Reentry-Kreis kann vollständig distal der Hauptaufzweigung des linken Schenkels liegen; dann sind weder der rechte Schenkel noch der proximale linke Schenkel zwingend kritisch. Die Läsion muss den beteiligten Faszikel erfassen. Eine Verwechslung der Mechanismen kann eine neue Leitungsstörung erzeugen, ohne die Arrhythmie zu beseitigen.
Die idiopathische verapamilsensitive faszikuläre ventrikuläre Tachykardie nutzt langsame Komponenten des Purkinje-Netzwerks und unterscheidet sich vom klassischen Makro-Reentry in den Hauptschenkeln. Auch atriofaszikulär vermittelte Tachykardien können eine Linksschenkelblockmorphologie zeigen und erfordern die Prüfung der Rolle von Vorhof und akzessorischer Verbindung. Die Medikamentenreaktion kann orientieren, ersetzt aber nicht den Nachweis des Reentry-Kreises. Zielstruktur ist die für die Aufrechterhaltung unverzichtbare Komponente und nicht die äußere QRS-Morphologie.
Die Echokardiografie definiert Funktion, Dimensionen und Klappenerkrankung, während die kardiale MRT Narben oder eine im Ultraschall nicht erkennbare Kardiomyopathie identifizieren kann. Eine koronare Abklärung richtet sich nach dem klinischen Kontext. Bei operierten Patienten sind Operationsdokumentation und Chronologie der Leitungsveränderungen besonders hilfreich. Eine erhaltene Funktion schließt eine Erkrankung des His-Purkinje-Systems nicht aus und macht eine schnelle Reentry-Tachykardie nicht automatisch harmlos.
Die Beurteilung der basalen Reizleitung umfasst PR, QRS, intrakardiale Intervalle und Verhalten bei relevanter Stimulation. Es muss geprüft werden, ob der nach der Ablation verbleibende Schenkel die anterograde Leitung tragen kann. Medikamente, Elektrolyte und systemische Erkrankungen können diese Fähigkeit verändern und sind vor einer definitiven Entscheidung zu berücksichtigen. Bei Hinweisen auf erbliche oder neuromuskuläre Erkrankung beeinflusst die ätiologische Einordnung auch Familienüberwachung und Progressionsrisiko.
Die akute Episode wird entsprechend Stabilität und Puls behandelt. Kardioversion oder Defibrillation werden bei Bedarf durchgeführt, ohne sie für eine vollständige elektrophysiologische Charakterisierung zu verzögern. Medikamente können in bestimmten Situationen beitragen, doch die chronische Kontrolle des Schenkel-Reentry allein mit Antiarrhythmika ist häufig unbefriedigend. Eine Veränderung der Leitung kann Frequenz und Induzierbarkeit beeinflussen, ohne den zugrunde liegenden Leitungsweg zu beseitigen. Ist der Mechanismus nachgewiesen, stellt die Ablation in der Regel die wirksamste spezifische Therapie dar.
Der rechte Schenkel ist wegen seiner Zugänglichkeit und der Möglichkeit, den Reentry-Kreis mit einer umschriebenen Läsion zu unterbrechen, häufig das bevorzugte Ziel. Die Aufzeichnung muss das Schenkelpotenzial identifizieren und vom His-Bündel unterscheiden, mit ausreichendem funktionellem Abstand zu proximalen Strukturen. Erwartet wird ein Block des behandelten Schenkels und der Verlust der Fähigkeit, den Reentry aufrechtzuerhalten. Bei ausgeprägten basalen Veränderungen kann die Änderung des Oberflächen-QRS weniger deutlich sein und intrakardiale Bestätigung erfordern.
Die Zielwahl muss die Leitung im kontralateralen Schenkel berücksichtigen. Hängt eine wirksame anterograde Aktivierung fast vollständig vom rechten Schenkel ab, kann dessen Ablation einen kompletten AV-Block verursachen. Bei ausgewählten Patienten kann eine Strategie am linken Schenkel oder einem distalen Anteil erwogen werden, um den Reentry-Kreis zu unterbrechen und den besseren Restleitungsweg zu erhalten. Diese Entscheidung erfordert eine präzise Mechanismusdefinition und darf nicht allein aus einem Linksschenkelblock im EKG abgeleitet werden.
Vor dem Eingriff muss die Möglichkeit einer temporären oder permanenten Stimulation eingeplant werden. Eine bereits fortgeschrittene Leitungsstörung kann nach Unterbrechung des letzten funktionell ausreichenden Weges manifest werden. Die Aufklärung muss dieses Risiko und den gegebenenfalls geeigneten Gerätetyp unter Berücksichtigung von Funktion und erwarteter Stimulationslast umfassen. Das Ziel der Tachykardiebeseitigung darf nicht von den Folgen der neuen ventrikulären Aktivierungssequenz getrennt werden.
Beim interfaszikulären Reentry ist der am Reentry-Kreis beteiligte Faszikel das Ziel. Eine Ablation des passiven rechten Schenkels heilt die Tachykardie nicht; auch eine proximale Läsion des linken Schenkels kann wirkungslos sein, wenn der Reentry-Kreis distal liegt. Eine Achsenänderung kann Folge einer faszikulären Läsion sein. Deshalb muss diese Variante vor Energieabgabe diagnostisch unterschieden werden, statt für alle Purkinje-beteiligten Tachykardien denselben Ablationsort zu verwenden.
Zu den Endpunkten gehören eine dauerhafte Unterbrechung der kritischen Leitung und Nichtinduzierbarkeit des Reentry unter einem geeigneten Protokoll. Ein vorübergehender mechanischer Block kann die Induzierbarkeit zeitweise vermindern und einen vollständigen Erfolg vortäuschen. Beobachtung und Signalprüfung helfen, dieses Phänomen von einer dauerhaften Läsion zu unterscheiden. Das Verschwinden der klinischen Tachykardie muss, wenn relevant, durch die Beurteilung anderer induzierbarer Arrhythmien ergänzt werden, weil der Erfolg am Schenkelkreislauf nicht automatisch alle vorhandenen Substrate erfasst.
Fallserien berichten über eine hohe akute Wirksamkeit und relativ seltene spezifische Rezidive nach stabiler Unterbrechung des Reentry-Kreises. Das charakteristischste Risiko ist eine zusätzliche Schädigung der Reizleitung, mit je nach Grunderkrankung und Strategie unterschiedlichem Schrittmacherbedarf. Hinzu kommen allgemeine Prozedurrisiken und bei linksseitigen Zugängen die Risiken des Zugangs zum linken Herzen. Prozentwerte aus kleinen Gruppen sind nicht einheitlich auf Patienten mit sehr unterschiedlicher Leitungsreserve übertragbar.
Der Ablationserfolg trennt zwei prognostische Aspekte: die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs des Schenkel-Reentry und das Gesamtrisiko der Herzerkrankung. Ersteres kann nach Unterbrechung des Reentry-Kreises drastisch sinken; letzteres kann wegen Dysfunktion, Narbe, anderer Tachykardien oder Herzinsuffizienzprogression hoch bleiben. Ein Patient mit normaler Funktion und isolierter Leitungsstörung hat einen anderen Verlauf als ein Patient mit fortgeschrittener Kardiomyopathie. Die Prognose muss sich auf das tatsächliche Gesamtbild und nicht allein auf den technischen Erfolg beziehen.
Die Indikation für einen implantierbaren Defibrillator wird anhand früherer Ereignisse, Funktion und verbleibender Substrate neu bewertet. Bei signifikanter struktureller Herzerkrankung hebt die Beseitigung eines behandelbaren Reentry-Kreises eine Schutzindikation nicht automatisch auf. Es gibt ausgewählte Patienten mit erhaltener Funktion und ohne andere Mechanismen, bei denen die Abwägung anders ausfallen kann, doch die Evidenz ist begrenzter. Die Entscheidung muss offenlegen, welche Risiken entfernt wurden und welche verbleiben, und Automatismen in beide Richtungen vermeiden.
Bei hohem Anteil an ventrikulärer Stimulation muss die Systemwahl Funktion, Dyssynchronie und Verschlechterungsrisiko berücksichtigen. In geeigneten Situationen können Resynchronisation oder physiologische Stimulationsstrategien angezeigt sein, wobei die Machbarkeit auch von Läsionsort und Erkrankung des Reizleitungssystems abhängt. Schrittmacher, Defibrillator und Resynchronisation verfolgen unterschiedliche Ziele. Das Gerät wird durch Integration dieser Ziele gewählt und nicht als unspezifische Folge der Ablation.
Die Nachsorge überwacht Progression der Leitungsstörung, Ventrikelfunktion, Symptome und Geräteaufzeichnungen. Ein verbleibender Schenkelblock kann hämodynamische Folgen haben, und die Grunderkrankung kann trotz erfolgreichem Eingriff fortschreiten. Neue Synkopen oder Präsynkopen erfordern die Unterscheidung zwischen Bradyarrhythmie, Rezidiv des Reentry-Kreises und myokardialer Tachykardie. Das bloße Fehlen der ursprünglichen Morphologie schließt eine andere arrhythmische Ursache nicht aus und macht die Elektrogrammanalyse nicht überflüssig.
Die Behandlung von Herzerkrankung und Herzinsuffizienz wird nach den jeweiligen Indikationen fortgeführt, mit Neubewertung von Verträglichkeit, Elektrolyten und Medikamenten, die die Reizleitung beeinflussen. Bei neuromuskulärer oder genetischer Erkrankung muss der Versorgungspfad die spezifische Progression und extrakardiale Manifestationen berücksichtigen. Die Familienuntersuchung richtet sich nach Diagnose und gegebenenfalls pathogener Variante; unsichere genetische Befunde dürfen nicht als eigenständiger Krankheitsnachweis bei Verwandten verwendet werden.
Die Verfahrensdokumentation sollte die diagnostische Sequenz, den behandelten Schenkel, die verbleibende Leitung und gegebenenfalls weitere identifizierte Arrhythmien festhalten. Diese Informationen sind wichtig, wenn der Patient in einem anderen Zentrum weiterbetreut wird oder eine Tachykardie mit neuer Morphologie auftritt. Ein Bericht, der nur „Ablation einer ventrikulären Tachykardie“ nennt, verliert wesentliche Elemente für die Interpretation des zukünftigen Risikos. Die Unterscheidung zwischen unterbrochenem Reentry-Kreis und persistierendem Substrat macht spätere Entscheidungen konsistenter.
Für den Patienten ist es hilfreich zu verstehen, dass eine schnelle Arrhythmie beseitigt werden kann, während die Reizleitung weiterhin Schutz benötigen kann. Die Lebensqualität kann sich durch weniger Synkopen und Schocks verbessern, während Kontrollen und Geräte an das Restrisiko angepasst werden. Das beste Ergebnis beruht auf einer elektrophysiologisch bewiesenen Diagnose, einem Ziel, das nach der Leitungsreserve gewählt wurde, und einer Nachsorge, die die gesamte Herzerkrankung weiterhin berücksichtigt.
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