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Ventrikuläre Extrasystolen

Ventrikuläre Extrasystolen (VES) sind ektope Schläge, die im ventrikulären Myokard außerhalb der normalen Kontrolle des Sinusknotens entstehen. Sie treten durch die spontane Erzeugung von Impulsen in einem ektopeventrikulären Fokus auf, der die normale Herzdepolarisation vorzeitig auslöst und die Regelmäßigkeit des Sinusrhythmus unterbricht.


Ventrikuläre Extrasystolen können isoliert auftreten oder in repetitiven Mustern, wie der ventrikulären Bigeminie (Abwechseln eines Sinusschlags mit einer Extrasystole) oder der ventrikulären Trigeminie (eine Extrasystole auf zwei normale Schläge). In komplexeren Fällen können sie in Paaren (zwei aufeinanderfolgende Extrasystolen) oder Triplets (drei aufeinanderfolgende Extrasystolen) auftreten. Überschreiten sie drei aufeinanderfolgende Extrasystolen, spricht man von einer nicht anhaltenden ventrikulären Tachykardie (NSVT).


Elektrokardiographisch zeichnen sich ventrikuläre Extrasystolen durch ein breites QRS (≥120 ms) mit atypischer Morphologie aus, ohne vorangehende P-Welle vor dem vorzeitigen ventrikulären Komplex. Die QRS-Morphologie hängt vom Ursprungsort der Extrasystole ab: ein QRS mit Linksschenkelblockmorphologie deutet auf einen Fokus im rechten Ventrikel hin, ein QRS mit Rechtsschenkelblockmorphologie auf einen Ursprung im linken Ventrikel.


VES können benigne und asymptomatisch sein oder aber auf ein zugrundeliegendes Herzsubstrat wie ischämische Herzerkrankung, Kardiomyopathien oder Myokarditis hinweisen. Bei Patienten mit strukturell gesundem Herzen sind isolierte VES meist ohne pathologische Bedeutung, wohingegen sie bei Herzkranken ein Marker für elektrische Instabilität sein und das Risiko für schwerere ventrikuläre Arrhythmien erhöhen können.


Ventrikuläre Extrasystolen gehören zu den häufigsten Arrhythmien in der Allgemeinbevölkerung. Holter-Studien zeigen, dass bis zu 60 % gesunder Erwachsener gelegentlich VES innerhalb von 24 Stunden aufweisen, mit steigender Prävalenz im Alter.


Bei Personen mit gesundem Herzen sind sie in der Regel benign, insbesondere wenn sie isoliert und monomorph auftreten. Bei Patienten mit strukturellen Herzerkrankungen hingegen kann das Vorliegen häufiger, polymorpher oder mit ventrikulärer Dysfunktion assoziierter VES ein schlechtes prognostisches Zeichen sein.


VES treten gehäuft in bestimmten Patientengruppen auf, darunter:


VES können auch bei erhöhter sympathischer Aktivierung auftreten, z. B. während Stressphasen, nach Einnahme stimulierender Substanzen oder bei adrenerger Überlastung wie Herzinfarkt oder akuter Herzinsuffizienz.

Ätiologie, Pathogenese und Physiopathologie

Ventrikuläre Extrasystolen können durch Ursachen entstehen, die allen Extrasystolen gemeinsam sind, wie Myokardfibrose, Elektrolytstörungen, Myokarditis und Leitungsstörungen. Daneben gibt es spezifische Ursachen, die besonders zur Entstehung ventrikulärer ectoper Schläge prädisponieren.


Die wichtigsten spezifischen Ursachen ventrikulärer Extrasystolen umfassen:


Ventrikuläre Extrasystolen entstehen durch die anomale Erzeugung eines elektrischen Impulses im ventrikulären Myokard, der den normalen Sinusschlag vorzeitig auslöst. Dieses Phänomen kann durch drei Hauptmechanismen der Elektrophysiologie bedingt sein:


Diese Mechanismen können einzeln oder kombiniert wirken, was zu erhöhter elektrischer Instabilität und zur Entstehung isolierter oder repetitiver ventrikulärer Extrasystolen führt.


Ventrikuläre Extrasystolen beeinflussen die Herzfunktion abhängig von ihrer Frequenz, Morphologie und dem Vorliegen struktureller Herzerkrankungen. Bei Gesunden verursacht ihr gelegentliches Auftreten keine signifikanten hämodynamischen Veränderungen, wohingegen sie bei Patienten mit ventrikulärer Dysfunktion die kardiale Leistung verschlechtern können.


VES können isoliert oder in charakteristischen Mustern auftreten:


Werden VES sehr häufig oder polymorph, können sie auf ein pathologisches Substrat hinweisen und das Risiko schwerer ventrikulärer Arrhythmien wie anhaltender ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern erhöhen.

Risikofaktoren und Prävention

Ventrikuläre Extrasystolen teilen einige Risikofaktoren mit anderen Extrasystolentypen, wie Stress, Elektrolytstörungen, Konsum stimulierender Substanzen und endokrine Erkrankungen. Bestimmte prädisponierende Faktoren sind jedoch spezifischer für ventrikuläre Extrasystolen.


Die wichtigsten spezifischen Risikofaktoren für ventrikuläre Extrasystolen sind:


Allgemeine Präventionsmaßnahmen wie Stressmanagement, Elektrolytbalancierung und Reduktion stimulierender Substanzen gelten auch für ventrikuläre Extrasystolen. Spezifische präventive Strategien sind bei dieser Arrhythmieform besonders wirksam.


Spezifische Strategien zur Prävention ventrikulärer Extrasystolen umfassen:


Eine angemessene Prävention kann nicht nur die Häufigkeit ventrikulärer Extrasystolen reduzieren, sondern auch die Progression zu schwereren ventrikulären Arrhythmien wie anhaltender ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern verhindern.

Klinische Manifestationen

Ventrikuläre Extrasystolen können asymptomatisch sein oder vom Patienten als mehr oder weniger störende Symptome wahrgenommen werden. Ihre klinische Expression hängt von der Frequenz der Episoden, dem Vorliegen kardialer Grunderkrankungen und der individuellen Wahrnehmungsempfindlichkeit gegenüber Herzrhythmusstörungen ab.


Bei Gesunden verursachen gelegentliche ventrikuläre Extrasystolen meist keine relevanten Symptome. Treten sie jedoch häufiger oder in repetitiven Sequenzen auf, können sie folgende Beschwerden hervorrufen:


Klinisch können bei der Untersuchung charakteristische Befunde auftreten:


Bei Patienten mit struktureller Herzerkrankung erfordern ventrikuläre Extrasystolen eine sorgfältige Abklärung, da sie auf elektrische Instabilität mit Risiko für schwerwiegende ventrikuläre Arrhythmien hinweisen können.

Diagnose

Die Diagnose ventrikulärer Extrasystolen basiert auf einem stufenweisen Vorgehen mit Anamnese, körperlicher Untersuchung und apparativen Untersuchungen. Bestimmte Methoden sind besonders geeignet, um den Ursprung zu charakterisieren und das prognostische Risiko zu bewerten.


In der Anamnese ist die Beurteilung der Frequenz der Episoden, deren Zusammenhang mit auslösenden Faktoren (Stress, körperliche Belastung, Medikamente, Elektrolytstörungen) sowie das Vorliegen von prädisponierenden Erkrankungen wie ischämischer Herzkrankheit oder Myokarditis essenziell.


Bei der körperlichen Untersuchung können ventrikuläre Extrasystolen sich wie folgt äußern:

🔹 Ruhe-EKG

Das Ruhe-EKG ist die erste Untersuchung zur Bestätigung ventrikulärer Extrasystolen. Typische diagnostische Merkmale sind:

🔹 Langzeit-EKG (Holter)

Das 24-48 Stunden Holter-Monitoring wird empfohlen bei:

🔹 Belastungstest

Der Ergometrie-Test hilft bei der Unterscheidung zwischen benignen und potenziell gefährlichen ventrikulären Extrasystolen:

🔹 Echokardiographie

Die transthorakale Echokardiographie ist unerlässlich zur Beurteilung von Struktur und Funktion des Herzens bei häufigen ventrikulären Extrasystolen. Wichtige Befunde sind:

🔹 Kardiale Magnetresonanztomographie (MRT)

Die kardiale MRT kann bei Patienten mit sehr häufigen ventrikulären Extrasystolen angezeigt sein, um auszuschließen:

🔹 Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)

Die endokavitäre elektrophysiologische Untersuchung wird Patienten mit hochgradig symptomatischen und medikamentenresistenten ventrikulären Extrasystolen vorbehalten. Sie ermöglicht:

Durch dieses diagnostische Vorgehen können benigne ventrikuläre Extrasystolen von solchen unterschieden werden, die engmaschige Kontrolle oder therapeutische Intervention erfordern.

Therapie und Prognose

Die Behandlung ventrikulärer Extrasystolen richtet sich nach der Häufigkeit der Episoden, dem Vorliegen von Symptomen und der Assoziation mit Herzerkrankungen. Bei Patienten ohne kardiale Erkrankung sind isolierte VES meist benign und benötigen keine spezifische Therapie. Bei symptomatischen Patienten oder strukturellen Herzerkrankungen kann eine gezielte Behandlung notwendig sein.

Nicht medikamentöse Therapie

Allgemeine Strategien zur Behandlung ventrikulärer Extrasystolen umfassen Stressreduktion, Elektrolytstabilisierung und Vermeidung stimulierender Substanzen. Spezifische Maßnahmen sind:

Medikamentöse Therapie

Eine medikamentöse Behandlung ist bei Patienten mit ausgeprägten Symptomen oder sehr häufigen VES indiziert. Die wichtigsten Arzneimittelklassen sind:

Katheterablation

Bei hochgradig symptomatischen und medikamentenresistenten ventrikulären Extrasystolen kann eine Radiofrequenz-Ablation erfolgen. Indikationen sind:

Die Ablation eliminiert den ectopen Fokus mit hoher Erfolgsrate und geringem Rezidivrisiko.

Prognose

Die Prognose ventrikulärer Extrasystolen hängt von der Häufigkeit und dem Vorliegen kardialer Grunderkrankungen ab. Bei Gesunden sind sie meist benign und folgenlos. Bei Patienten mit:

Regelmäßiges Monitoring und gezielte Therapie können eine Progression zu schweren Arrhythmien verhindern.

Komplikationen

Ventrikuläre Extrasystolen sind meist benign und klinisch unproblematisch. In bestimmten Fällen können sie jedoch komplexe Arrhythmien fördern oder hämodynamische Störungen verursachen. Häufige Komplikationen aller Extrasystolen sind Palpitationen, Angst und hämodynamische Instabilität bei vulnerablen Patienten. Spezifische Komplikationen ventrikulärer Extrasystolen sind:

1. Progression zur ventrikulären Tachykardie

Bei arrhythmogenem Substrat können häufige VES Vorboten einer anhaltenden ventrikulären Tachykardie sein, einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung.

2. Verschlechterung der ventrikulären Funktion

Sehr häufige VES können die kontraktile Kapazität des Herzens bei Patienten mit ventrikulärer Dysfunktion reduzieren und die Herzinsuffizienz verschlechtern.

3. Beeinträchtigung der koronaren Perfusion

Häufige VES können die myokardiale Durchblutung beeinträchtigen und stumme Ischämien bei Koronarerkrankung verursachen.

4. Dispersion der Repolarisation und Risiko für Kammerflimmern

Bei angeborenen Repolarisationsstörungen wie Long-QT-Syndrom können VES Torsade de Pointes oder Kammerflimmern auslösen.

5. Belastungsintoleranz

Bei Patienten mit Grunderkrankung können sehr häufige VES die Belastungstoleranz senken und Symptome wie:

Regelmäßige Verlaufskontrollen sind essenziell, um die Entwicklung schwerer Arrhythmien bei Patienten mit häufigen ventrikulären Extrasystolen zu verhindern.


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