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Tachykardien sind Herzrhythmusstörungen, die durch eine Erhöhung der Herzfrequenz auf über 100 Schläge pro Minute (bpm) gekennzeichnet sind und dadurch die hämodynamische Effizienz beeinträchtigen. Sie können bei gesunden Personen als Reaktion auf physiologische Reize wie körperliche Aktivität oder Stress auftreten oder Ausdruck kardialer bzw. systemischer Erkrankungen sein.
Klassifikation
Tachykardien werden nach Ursprungsort und pathogenetischem Mechanismus klassifiziert.
URSPRUNGORT
Supraventrikuläre Tachykardien (SVT): entstehen in den Vorhöfen oder im atrioventrikulären Übergang und umfassen Sinustachykardie, Vorhoftachykardie, Vorhofflattern, Vorhofflimmern sowie AV-Knoten-Reentry- oder akzessorische Reentry-Tachykardien.
Ventrikuläre Tachykardien (VT): entstehen unterhalb des His-Bündels und können monomorph oder polymorph sein. Sie umfassen anhaltende ventrikuläre Tachykardie, nicht-anhaltende ventrikuläre Tachykardie und Kammerflimmern.
PATHOPHYSIOLOGISCHER MECHANISMUS
Automatische Tachykardien: verursacht durch eine spontane Steigerung der Aktivität eines ektopen Fokus, unabhängig von den normalen Kontrollmechanismen.
Reentry-Tachykardien: Folge einer anomalen Kreislaufbewegung des Impulses in einem elektrischen Schaltkreis, verantwortlich für die Mehrheit der paroxysmalen Tachyarrhythmien.
Getriggerte Tachykardien: entstehen durch frühe oder späte Nachpotentiale, meist sekundär zu Ionenkanalstörungen oder Medikamentenintoxikationen.
Ursachen und Prädisponierende Faktoren
Tachykardien können ohne strukturelle Herzerkrankung auftreten oder Hinweis auf eine zugrundeliegende Myokardschädigung sein. Zu den wichtigsten Auslösern zählen:
Medikamente und Substanzen: Sympathomimetika, Antiarrhythmika, Digitalisintoxikation, Alkohol- oder Drogenmissbrauch.
Klinische Manifestationen
Das klinische Bild der Tachykardien ist äußerst variabel und hängt von Art der Arrhythmie, deren Dauer sowie dem Vorliegen einer zugrundeliegenden Herzerkrankung ab. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
Palpitationen: subjektive Wahrnehmung eines schnellen oder unregelmäßigen Herzschlags.
Dyspnoe und Schwindel: Folge einer verminderten systemischen Perfusion.
Brustschmerzen: Bei Patienten mit zugrundeliegender Ischämie können Tachykardien eine Angina auslösen.
Synkope: bei kritischer Reduktion des Herzzeitvolumens.
Herzstillstand: bei anhaltender ventrikulärer Tachykardie oder Kammerflimmern.
Diagnostik
Die Diagnose einer Tachykardie basiert zunächst auf der klinischen Beurteilung des Patienten unter Berücksichtigung von Anamnese, berichteten Symptomen und prädisponierenden Faktoren. Der Verdacht entsteht bei Palpitationen, Synkopen, Dyspnoe oder Brustschmerzen. Bei Patienten mit bekannter Herzerkrankung können Tachykardien sich als klinische Verschlechterung oder akute Dekompensation manifestieren.
Die erste Untersuchung ist das Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG), das zwischen supraventrikulären und ventrikulären Tachykardien unterscheidet und spezifische Merkmale wie QRS-Morphologie, Rhythmusregelmäßigkeit und P-Wellen identifiziert.
Wenn das Baseline-EKG die Tachykardie nicht dokumentiert oder die Episoden paroxysmal sind, erfolgt eine Holter-Überwachung, um Arrhythmien während der Alltagsaktivitäten aufzuzeichnen. Diese Untersuchung ist nützlich, um die Symptomatik mit arrhythmischen Episoden zu korrelieren und deren Häufigkeit zu bewerten.
Tritt die Tachykardie überwiegend unter Belastung auf, kann der Belastungstest angezeigt sein, um die Arrhythmie zu provozieren, die hämodynamische Antwort zu evaluieren und Hinweise auf eine Myokardischämie zu finden.
In ausgewählten Fällen, wenn die Diagnose unklar ist oder ein ablativer Therapieansatz erwogen wird, wird eine elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt. Diese invasive Methode ermöglicht das Mapping arrhythmischer Schaltkreise, die Analyse der Mechanismen der Tachykardieentstehung und die Bestimmung des besten therapeutischen Vorgehens.
Therapie
Die Behandlung der Tachykardien richtet sich nach dem Arrhythmietyp und dem Vorliegen einer hämodynamischen Instabilität.
Vagale Manöver: angezeigt bei AV-Knoten-Reentry-Tachykardien, um den arrhythmischen Kreislauf zu unterbrechen.
Antiarrhythmika: Betablocker, Kalziumantagonisten sowie Klasse-I- und III-Antiarrhythmika, je nach zugrundeliegendem Mechanismus.
Elektrische Kardioversion: bei hämodynamisch instabilen Patienten oder gefährlichen ventrikulären Tachyarrhythmien.
Transkatheter-Ablation: bevorzugtes Verfahren bei anhaltenden oder symptomatischen Tachykardien durch Elimination des arrhythmischen Fokus.
Implantierbarer Defibrillator (ICD): zur Prävention des plötzlichen Herztods bei Patienten mit hohem Risiko für maligne ventrikuläre Tachyarrhythmien.
Fazit
Tachykardien umfassen ein breites Spektrum an Herzrhythmusstörungen, die von gutartigen bis hin zu potenziell lebensbedrohlichen Zuständen reichen können. Eine korrekte Klassifikation, eine genaue diagnostische Einordnung und eine gezielte Therapie sind entscheidend, um die Prognose und die Lebensqualität der betroffenen Patienten zu verbessern.
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