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Der beschleunigte idioventrikuläre Rhythmus (RIVA) ist eine Form der ventrikulären Tachykardie, die von einem ektopen Fokus in den Ventrikeln ausgeht. Dieser Fokus beginnt, Impulse schneller als der normale idioventrikuläre Rhythmus zu erzeugen, mit einer Frequenz, die 60 Schläge pro Minute (bpm) überschreiten kann und 100-120 bpm erreicht. Der RIVA ist typischerweise eine episodische Arrhythmie, die hauptsächlich in akuten Situationen wie während eines Myokardinfarkts oder bei anderen strukturellen Herzveränderungen auftritt, kann aber auch bei chronischen Zuständen bei einigen Patienten mit strukturellen Herzerkrankungen beobachtet werden.
Ätiologie und Pathogenese
Der RIVA wird durch eine Funktionsstörung des ventrikulären Leitungssystems verursacht, die zur Bildung eines ektopen Fokus in den Ventrikeln führt. Dieses Phänomen ist im Allgemeinen kompensatorisch und wird aktiviert, wenn der Sinusknoten den Rhythmus nicht aufrechterhalten kann und die ventrikuläre elektrische Leitung die Kontrolle übernimmt.
Die wichtigsten ätiologischen Ursachen des RIVA sind:
Akuter Myokardinfarkt: Die ischämische Schädigung und Nekrose des Herzmuskelgewebes verändern die elektrische Leitung des Herzens und können die Bildung ektoper Fokus in den Ventrikeln auslösen, die den RIVA verursachen.
Kardiomyopathien und Herzinsuffizienz: Strukturelle Herzerkrankungen wie die dilatative Kardiomyopathie oder Herzinsuffizienz können die Bildung ektoper Fokus in den Ventrikeln begünstigen, da die ventrikuläre Dysfunktion die normale elektrische Aktivität des Herzens stört und das Auftreten von Arrhythmien fördert.
Physiopathologische Mechanismen
Der RIVA entsteht durch eine elektrische Dysfunktion der Ventrikel, bei der die Ventrikel aufgrund eines ektopen Fokus einen beschleunigten Schlag erzeugen. Dieser physiopathologische Mechanismus ist oft ein Kompensationsmechanismus, wenn der Sinusknoten den Rhythmus nicht kontrollieren kann. Elektrolytstörungen, wie veränderte Konzentrationen von Kalium oder Magnesium, können die Repolarisation der Myokardzellen beeinflussen und die Bildung solcher ektoper Fokus begünstigen. Außerdem ist ein breites QRS, das während der RIVA-Episode auftritt, ein charakteristisches Zeichen, da der Schlag nicht dem normalen Leitungspfad durch den atrioventrikulären Knoten und das His-Bündel folgt.
Infolge dieser Vorgänge beschleunigt sich die ventrikuläre Frequenz über das normale Maß hinaus, was zu einem unregelmäßigen Rhythmus führt, der bei hämodynamischer Instabilität gefährlich sein kann. Das Vorhandensein eines breiten QRS-Komplexes ist hilfreich, um den RIVA von anderen Arrhythmien wie der anhaltenden ventrikulären Tachykardie zu unterscheiden, die ähnliche Merkmale, aber eine andere Entstehung hat.
Risikofaktoren
Das Risiko, einen beschleunigten idioventrikulären Rhythmus (RIVA) zu entwickeln, ist bei Patienten mit Zuständen erhöht, die zu kardialen Funktionsstörungen oder Störungen der elektrischen Leitung prädisponieren. Diese Faktoren sind keine direkten Ursachen, sondern Bedingungen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich ein RIVA entwickelt. Die wichtigsten Risikofaktoren umfassen:
Weibliches Geschlecht: Frauen, insbesondere nach der Menopause, haben eine erhöhte Prädisposition für Elektrolytstörungen, die den RIVA fördern können.
Hohes Alter: Mit zunehmendem Alter wird das Herz anfälliger für Erkrankungen wie Kardiomyopathien und Herzinsuffizienz, die einen RIVA begünstigen können.
Verwendung von QT-verlängernden Medikamenten: Medikamente wie bestimmte Antidepressiva, Antiarrhythmika und Antibiotika können die Repolarisation des Herzens verändern und den RIVA begünstigen.
Rauchen und Alkoholmissbrauch: Alkoholmissbrauch und Rauchen schädigen das Herz und fördern elektrische Leitungsstörungen, wodurch die Anfälligkeit für RIVA erhöht wird.
Familiäre Herzkrankheiten: Eine genetische Prädisposition oder eine Familienanamnese plötzlicher Herztod kann das Risiko für die Entwicklung von RIVA erhöhen.
Klinische Manifestationen
Der beschleunigte idioventrikuläre Rhythmus (RIVA) kann sich mit einer breiten Palette von Symptomen und klinischen Zeichen präsentieren, die von der Dauer und Schwere der Arrhythmie abhängen. Obwohl er in einigen Fällen asymptomatisch sein kann, verursacht RIVA meist Symptome, die mit einer verminderten hämodynamischen Perfusion zusammenhängen, die durch den beschleunigten ventrikulären Schlag verursacht wird, der eine adäquate Füllung des Herzens verhindert.
Die wichtigsten Symptome sind:
Palpitationen: Der Patient nimmt eine beschleunigte Herzfrequenz wahr, die als unregelmäßiger oder starker Schlag im Brust- oder Halsbereich empfunden werden kann. Palpitationen sind eines der häufigsten Anzeichen von RIVA und können von Angst oder Unwohlsein begleitet sein.
Schwindel und Benommenheit: Wenn die ventrikuläre Frequenz ansteigt, kann das Herzzeitvolumen abnehmen, was zu einer verminderten zerebralen Perfusion führt. Dies verursacht ein Gefühl von Instabilität, Schwindel und Benommenheit, die insbesondere bei körperlicher Aktivität oder schnellen Bewegungen auftreten.
Synkope: In schwereren Fällen kann die beschleunigte ventrikuläre Frequenz die zerebrale Perfusion erheblich beeinträchtigen, was zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust führt. Synkopen treten häufiger bei Patienten mit kardialen Komorbiditäten oder persistierenden Arrhythmien auf.
Brustschmerzen: Obwohl seltener, können Brustschmerzen auftreten, insbesondere bei Patienten mit vorbestehender koronarer Herzkrankheit. Die Schmerzen sind meist weniger intensiv als bei Angina pectoris, können aber mit myokardialer Ischämie einhergehen, wenn die koronare Perfusion durch den beschleunigten Rhythmus beeinträchtigt ist.
Die Schwere der Symptome hängt von der Herzfrequenz und dem Vorhandensein kardialer Komorbiditäten ab. Bei Patienten mit vorbestehender Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathie kann der RIVA den klinischen Zustand verschlechtern und zu Zeichen hämodynamischer Instabilität führen.
Zu den klinischen Zeichen, die während einer RIVA-Episode festgestellt werden können, gehören:
Unregelmäßiger und schneller Puls: Während einer RIVA-Episode kann der Puls unregelmäßig und beschleunigt sein. Die beschleunigte ventrikuläre Frequenz kann die Palpation eines regulären Pulses erschweren, da die Schläge unkoordiniert sind.
Periphere Hypoperfusion: Ein vermindertes Herzzeitvolumen kann eine reduzierte Durchblutung der Extremitäten verursachen, was sich durch schwache und kalte periphere Pulse manifestieren kann. In einigen Fällen kann eine blasse Hautfarbe durch schlechte Zirkulation beobachtet werden.
Hypotonie: Bei Patienten mit hämodynamischer Instabilität kann die Arrhythmie den Blutdruck signifikant senken. Schwere Hypotonie kann Symptome wie Schwäche, Schwindel und Ohnmachtsgefühle verursachen.
Neurologische Veränderungen: Bei beeinträchtigter zerebraler Perfusion können Patienten neurologische Zeichen wie Verwirrtheit, Desorientierung oder sogar kurze Bewusstlosigkeit entwickeln. Diese Symptome sind typisch für eine transiente zerebrale Insuffizienz, die durch die verminderte Perfusion während der Arrhythmie verursacht wird.
Im Allgemeinen können die Symptome und Zeichen des RIVA stark variieren, abhängig von der Herzfrequenz und der Dauer der Episode. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder anderen strukturellen Herzerkrankungen kann die Arrhythmie zu einer Verschlimmerung der Symptomatik und zu Komplikationen wie peripherem Ödem oder kardiogenem Schock führen.
Diagnose
Die Diagnose des beschleunigten idioventrikulären Rhythmus (RIVA) basiert hauptsächlich auf einer sorgfältigen klinischen Untersuchung, unterstützt durch instrumentelle Untersuchungen. Das Elektrokardiogramm (EKG) ist die wichtigste diagnostische Methode, in einigen Fällen sind jedoch weitere Untersuchungen zur Bestätigung der Diagnose und zur Bestimmung der zugrunde liegenden Ursache erforderlich.
Elektrokardiogramm (EKG)
Während einer RIVA-Episode zeigt das EKG charakteristische Merkmale, darunter:
Beschleunigte ventrikuläre Frequenz: Eine Frequenz von 100-120 bpm ist ein charakteristisches Merkmal des RIVA, mit regelmäßigem RR-Intervall.
Breiter QRS-Komplex: Der QRS-Komplex erscheint verbreitert, mit einer Dauer von meist über 120 ms. Dies liegt daran, dass der ektope Fokus nicht dem normalen Leitungspfad folgt.
Variable QRS-Morphologie: Die Form der QRS-Komplexe kann während der Episode variieren, abhängig von der Position des ektopen Fokus in den Ventrikeln.
Fehlen der P-Welle: Die P-Welle ist meist nicht sichtbar, da der Rhythmus aus den Ventrikeln und nicht aus dem Sinusknoten stammt.
Ein Basis-EKG ist in der Regel ausreichend, um den RIVA zu diagnostizieren, aber bei intermittierenden Arrhythmien oder Patienten mit atypischen Symptomen kann eine Langzeitüberwachung mittels Holter-Monitor hilfreich sein.
Differenzialdiagnose
Der RIVA muss von anderen ventrikulären Arrhythmien und Zuständen, die Synkopen vortäuschen können, unterschieden werden. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind:
Polymorphe ventrikuläre Tachykardie: Charakterisiert durch variable QRS-Morphologie, aber längere Dauer und unregelmäßigeren Arrhythmie-Verlauf.
Ventrikuläre Fibrillation: Desorganisierte und chaotische elektrische Aktivität ohne erkennbares QRS-Muster.
Autonome Systemstörungen: Neurologische oder vasovagale Zustände, die Synkopen verursachen können, wie epileptische Anfälle oder neurokardiogene Synkopen.
Therapie
Die Behandlung des RIVA hängt von der hämodynamischen Stabilität des Patienten und der zugrundeliegenden Ursache ab. Bei akutem und symptomatischem RIVA muss die Therapie rasch erfolgen, um die Arrhythmie zu beenden und schwerwiegende Komplikationen wie ventrikuläre Fibrillation zu verhindern.
Akuttherapie
Bei symptomatischen Patienten richtet sich die Behandlung nach Schweregrad der Symptome und hämodynamischer Stabilität:
Instabile Patienten (Hypotonie, Synkope, Herzstillstand): Elektrische Kardioversion ist die Ersttherapie. Bei schwerer Arrhythmie kann ein synchronisierter Schock mit 100-200 J notwendig sein.
Stabile Patienten: Bei stabilen Patienten ist die pharmakologische Behandlung vorzuziehen, unter Einsatz von Antiarrhythmika wie Lidocain oder Procainamid, die zur Wiederherstellung des Sinusrhythmus beitragen.
Langzeittherapie
Zur Vermeidung von RIVA-Rezidiven konzentriert sich die Langzeittherapie auf die Kontrolle der zugrundeliegenden Ursachen und die Stabilisierung des Herzens:
Kontrolle der Risikofaktoren: Eine adäquate Behandlung der prädisponierenden Erkrankungen wie Kardiomyopathien, Herzinsuffizienz und Elektrolytstörungen ist essentiell.
Antiarrhythmika: In einigen Fällen ist eine chronische Behandlung mit Antiarrhythmika wie Betablockern oder Amiodaron erforderlich, um zukünftige Episoden zu verhindern.
Implantierbare Geräte: Bei Patienten mit hohem Rezidivrisiko kann die Implantation eines automatischen implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD) indiziert sein, um schwere Arrhythmien wie ventrikuläre Fibrillation zu verhindern.
Prognose
Die Prognose des RIVA hängt hauptsächlich von der zugrundeliegenden Ursache und der Schnelligkeit der Behandlung ab. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder dilatativer Kardiomyopathie ist das Risiko für Rezidive höher und die Arrhythmie kann die Herzfunktion weiter verschlechtern. Wird der RIVA jedoch adäquat behandelt, ist die Prognose in der Regel günstig, besonders bei Patienten ohne bedeutende Komorbiditäten.
Bei Patienten mit angeborenem Long-QT-Syndrom oder vorbestehender koronarer Herzkrankheit ist das Risiko für Komplikationen wie ventrikuläre Fibrillation erhöht, weshalb eine regelmäßige Überwachung und angemessene Therapie unerlässlich sind, um tödliche Ereignisse zu verhindern.
Komplikationen
Der beschleunigte idioventrikuläre Rhythmus (RIVA) ist zwar meist eine gutartige Erkrankung, kann aber unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Die wichtigsten Komplikationen sind:
Ventrikuläre Fibrillation: Die gefürchtetste Komplikation, die ventrikuläre Fibrillation kann auftreten, wenn der RIVA lange anhält und das typische Torsaden-Muster verliert. Die elektrische Aktivität des Herzens wird chaotisch, was unbehandelt zu einem Herzstillstand führt.
Kardiogener Schock: Bei Patienten mit vorbestehender Herzinsuffizienz kann der RIVA die Pumpfunktion des Herzens weiter reduzieren, was zu schwerer Hypotonie und Multiorganversagen führt. Eine rasche Behandlung ist entscheidend, um irreversible Organschäden zu verhindern.
Lungenödem: Verminderte kardiale Perfusion und unzureichende Ventrikelauswurfleistung können zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge führen, mit Atemnot und möglichem Beatmungsbedarf.
Rezidivierende Arrhythmien: Bei chronischem RIVA oder unkontrollierten Elektrolytstörungen können wiederholte Arrhythmien eine progressive kardiale Instabilität verursachen, die eine dauerhafte Überwachung und Behandlung erfordert.
Regelmäßige Kontrolle und frühzeitige Intervention sind entscheidend, um das Risiko dieser Komplikationen zu minimieren, insbesondere bei Hochrisikopatienten wie solchen mit dilatativer Kardiomyopathie oder Herzinsuffizienz.
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