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Sekundäre Myokarditiden sind entzündliche Prozesse des Myokards, die im Rahmen systemischer Erkrankungen auftreten. Sie entstehen nicht durch eine direkte Infektion des Herzgewebes, sondern durch autoimmunologische, paraneoplastische, toxische Mechanismen oder Arzneimittelreaktionen. In einigen Fällen kann die sekundäre Myokarditis in eine sekundäre Kardiomyopathie übergehen, die durch chronisches Remodeling und Funktionsstörung des Myokards gekennzeichnet ist.
Klassifikation der sekundären Myokarditiden
Autoimmun-Myokarditiden
Autoimmunerkrankungen können durch Autoantikörper und Immunaktivierung eine Myokardentzündung hervorrufen. Zu den wichtigsten zählen:
Systemischer Lupus erythematodes (SLE): diffuse Myokardentzündung, häufig mit Perikarditis assoziiert.
Rheumatoide Arthritis: mögliche granulomatöse Myokarditis mit kardialer Fibrose.
Sklerodermie: vaskulitische Veränderungen und progressive Myokardfibrose.
Polymyositis und Dermatomyositis: lymphozytäre Infiltrate mit fortschreitender ventrikulärer Dysfunktion.
Sjögren-Syndrom: mögliche kardiale Beteiligung mit Myokardentzündung.
Vaskulitiden (z. B. Granulomatose mit Polyangiitis, Takayasu-Krankheit): können Myokardischämie und Entzündung des Herzgewebes verursachen.
Paraneoplastische Myokarditiden
Neoplasien können Myokarditiden durch Autoimmunreaktionen oder paraneoplastische Entzündungen auslösen:
Lungenkarzinom: Autoimmunreaktion mit lymphozytärer Myokarditis.
Hämatologische Neoplasien (Lymphome, Leukämien): direkte Infiltration des Myokards oder Autoimmunreaktion.
Karzinoid-Syndrom: Freisetzung von Mediatoren mit Myokardfibrose.
Melanom: mögliche Myokarditis durch immunvermittelte Mechanismen.
Arzneimittel- und Impfstoffinduzierte Myokarditiden
Bestimmte Medikamente und Impfstoffe können immunvermittelte Reaktionen mit Myokardentzündung auslösen:
Checkpoint-Inhibitoren (onko-immuntherapeutisch): Autoimmun-Myokarditiden mit Risiko schwerer ventrikulärer Dysfunktion.
Anthrazykline (Chemotherapeutika): dosisabhängige Toxizität mit nekrotisierender Myokarditis.
mRNA-Impfstoffe (SARS-CoV-2): seltene Fälle postvakzinaler Myokarditis, meist selbstlimitierend.
Antipsychotika (z. B. Clozapin): dokumentiertes Risiko einer idiosynkratischen Myokarditis.
Sekundäre Myokarditiden bei systemischen Infektionskrankheiten
Einige systemische Infektionen betreffen das Herz nicht direkt, lösen aber eine myokardiale Entzündungsreaktion aus:
Sepsis: Freisetzung von Entzündungszytokinen mit Myokardfunktionsstörung.
HIV/AIDS: chronische lymphozytäre Myokarditis mit ventrikulärer Dysfunktion.
Kawasaki-Krankheit: kindliche Vaskulitis mit Risiko für Koronaraneurysmen.
Brucellose: granulomatöse Myokarditis mit Klappenbeteiligung.
Syphilis: Myokardentzündung mit Aortenaneurysmen.
Komplikationen der sekundären Myokarditiden
Sekundäre Myokarditiden können zu schwerwiegenden kardialen Komplikationen führen, darunter:
Akute Herzinsuffizienz: bei besonders aggressiven Verläufen mit schwerer Myokarddysfunktion.
Ventrikuläre Arrhythmien: erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod.
Kardiogener Schock: bei fulminanter Myokarditis.
Sekundäre Myokarditiden umfassen eine heterogene Gruppe von Erkrankungen im Zusammenhang mit systemischen Krankheiten. Die frühzeitige Erkennung der Grunderkrankung ist entscheidend für die Behandlung und Prävention kardiovaskulärer Komplikationen. Wenn die Entzündung fibrotische Veränderungen und eine chronische Funktionsstörung hinterlässt, kann sich das Krankheitsbild zu einer sekundären Kardiomyopathie entwickeln, die einen anderen therapeutischen Ansatz erfordert.
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