
Die Anamnese ist entscheidend, um den Verdacht auf eine Myokarditis zu erheben, da sie die Identifikation prädisponierender Faktoren und die Abgrenzung zu anderen kardialen oder systemischen Erkrankungen ermöglicht. Wichtig ist die Erhebung von Angaben zu kürzlich durchgemachten Infektionen, kardiovaskulären Vorerkrankungen, Toxinexposition und dem Vorliegen von Autoimmun- oder Systemerkrankungen.
Infektionsanamnese: Es sollte abgeklärt werden, ob in den Wochen vor Symptombeginn Infektionen bestanden, insbesondere viralen Ursprungs (z. B. Erkältung, Pharyngitis, Grippe oder Gastroenteritis), wobei Viren wie Coxsackievirus, Adenovirus und Parvovirus B19 wegen ihres myokardialen Tropismus eine Rolle spielen können. Bakterielle Infektionen (z. B. durch β-hämolysierende Streptokokken oder Borrelia burgdorferi bei Lyme-Borreliose) und, bei Reisen in Endemiegebiete, parasitäre Infektionen (wie Chagas-Krankheit durch Trypanosoma cruzi) sind ebenfalls relevant.
Kardiologische Anamnese: Es sollte geprüft werden, ob beim Patienten Vorerkrankungen des Herzens vorliegen, wie frühere Episoden von Brustschmerzen, Palpitationen, Arrhythmien, Zeichen der Herzinsuffizienz oder frühere Myokarditiden/Perikarditiden. Entwickelt ein Patient ohne kardiale Vorerkrankung verdächtige Symptome, besteht ein erhöhtes Risiko für eine akute Entzündung, wohingegen bei bekannter Kardiopathie eine Verschlechterung ausgeschlossen werden muss.
Toxikologische und medikamentöse Anamnese: Zu prüfen ist der Einsatz kardiotoxischer Medikamente (beispielsweise bestimmte Chemotherapeutika und Immunsuppressiva) sowie potenzielle Überempfindlichkeitsreaktionen auf Antibiotika oder NSAR, die eine eosinophile Myokarditis auslösen können. Alkohol- oder Drogenmissbrauch (z. B. Kokain und Amphetamine) sowie die Exposition gegenüber Schwermetallen oder toxischen Chemikalien stellen zusätzliche Risikofaktoren dar.
Autoimmun- oder Systemerkrankungen: Es sind Angaben zu Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes, Sklerodermie oder Churg-Strauss-Syndrom zu erheben, da diese immunvermittelte Myokarditiden verursachen können. Das Vorliegen systemischer Symptome (Hautausschlag, Arthralgien, Eosinophilie) kann auf spezifische Formen wie die eosinophile Myokarditis hinweisen.
Eine detaillierte Anamnese ermöglicht die Identifikation wesentlicher Verdachtsmomente und lenkt die weiterführende Diagnostik. So gelingt eine rasche Diagnosestellung bei Patienten mit akuten kardialen Symptomen und einer Vorgeschichte mit Infektionen, Toxinexposition oder Systemerkrankungen.
Die klinischen Manifestationen der Myokarditis sind äußerst heterogen und variieren in Abhängigkeit von der Intensität der Entzündung und dem Ausmaß des myokardialen Schadens.
Myokarditiden zeigen ein Beschwerdebild mit unspezifischen Symptomen, wie sie bei allen Infektionskrankheiten im Rahmen der systemischen Reaktion auftreten, wie Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Asthenie, Muskel- und Knochenschmerzen, sowie spezifischeren Symptomen bei myokardialer Beteiligung wie:
Eine Myokarditis ist zu vermuten, wenn nach einer Infektion oder Toxinexposition Symptome wie Brustschmerzen, Dyspnoe, Palpitationen und Fieber auftreten, kombiniert mit klinischen Befunden wie unverhältnismäßiger Tachykardie und Zeichen der Herzinsuffizienz.
Eine detaillierte Anamnese, ergänzt um diese klinischen Aspekte, lenkt die Verdachtsdiagnose und den Bedarf weiterführender Diagnostik.
Es gibt auch asymptomatische oder subklinische Myokarditiden, bei denen der Patient keine offensichtlichen Symptome zeigt. Diese Formen werden oft zufällig im Rahmen bildgebender Untersuchungen entdeckt und erfordern meist keine spezifische Therapie, sollten jedoch im Verlauf kontrolliert werden.