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Durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierte Thyreoiditiden

Durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierte Thyreoiditiden bilden eine heterogene Gruppe von Erkrankungen, bei denen eine pharmakologische Exposition eine Entzündung der Schilddrüse verursacht und dadurch zu einer vorübergehenden oder anhaltenden Veränderung der Drüsenfunktion führt. In der klinischen Praxis ist der häufigste Mechanismus eine destruktive Thyreoiditis mit Schädigung der Follikel und Freisetzung bereits gebildeter Schilddrüsenhormone in den Blutkreislauf. Daraus entsteht eine initiale Phase der Thyreotoxikose, die infolge der Erschöpfung der Hormonspeicher und einer verminderten Sekretionskapazität in eine Hypothyreose übergehen kann. In anderen Situationen kann das Arzneimittel als Auslöser oder Verstärker einer thyreoidalen Autoimmunität wirken und Krankheitsbilder hervorrufen, die sich mit einer chronischen Autoimmunthyreoiditis oder, seltener, mit einer immunvermittelten Hyperthyreose überschneiden.

Dieses Krankheitsgebiet hat durch die zunehmende Verbreitung moderner onkologischer Therapien erheblich an Bedeutung gewonnen. Insbesondere Immuncheckpoint-Inhibitoren gehören zu den häufigsten Ursachen einer iatrogenen Schilddrüsenfunktionsstörung in der Onkologie. Mögliche Erscheinungsformen sind eine destruktive Thyreotoxikose, eine primäre Hypothyreose und biphasische Verläufe. Die korrekte Identifizierung des zugrunde liegenden Mechanismus ist entscheidend, da sie die Differenzialdiagnose und die Behandlung bestimmt und den unangemessenen Einsatz von Thyreostatika verhindert, wenn die Thyreotoxikose durch die Freisetzung gespeicherter Hormone verursacht wird.

Epidemiologie und Risikofaktoren

Die Epidemiologie arzneimittelinduzierter Thyreoiditiden steht in engem Zusammenhang mit den Verschreibungsmustern und der zunehmenden Anwendung biologischer und onkologischer Therapien. Im Gegensatz zu den „klassischen“ Thyreoiditiden handelt es sich nicht um eine einzelne nosologische Entität, sondern um eine Gruppe unerwünschter Ereignisse, deren Häufigkeit je nach Arzneimittel, Expositionsdauer, behandelter Population und Sensitivität der Überwachung variiert. Bei vielen Patienten, insbesondere in der Onkologie, wird die Schilddrüsenfunktionsstörung durch serielle Kontrollen des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) und des freien Thyroxins (FT4) bereits in einer subklinischen Phase erkannt. Dadurch erscheint die Inzidenz höher als in Situationen, in denen Untersuchungen ausschließlich bei symptomatischer Indikation erfolgen.

Immuncheckpoint-Inhibitoren zählen zu den wichtigsten gegenwärtigen epidemiologischen Faktoren. Schilddrüsenfunktionsstörungen unter Inhibitoren des Programmed Cell Death Protein 1 (Anti-PD-1) und des Programmed Death Ligand 1 (Anti-PD-L1) werden mit relevanter Häufigkeit beobachtet und umfassen häufig eine Episode destruktiver Thyreoiditis mit nachfolgender Hypothyreose. Kombinationen mit Inhibitoren des Cytotoxic T-Lymphocyte-Associated Protein 4 (Anti-CTLA-4) können die Gesamtwahrscheinlichkeit endokriner Nebenwirkungen erhöhen. Die klinische Bedeutung wird dadurch verstärkt, dass sich die Symptome mit tumorbedingter Fatigue, systemischen Nebenwirkungen oder einer Progression der Grunderkrankung überschneiden können, weshalb eine proaktive Überwachung unerlässlich ist.

Eine weitere große Kategorie bilden nicht immunologisch wirkende onkologische Therapien mit Auswirkungen auf die Schilddrüse, insbesondere Tyrosinkinase-Inhibitoren und bestimmte zielgerichtete Therapien. Bei diesen Patienten wird häufig eine Hypothyreose beobachtet, mitunter nach einer vorausgehenden thyreotoxischen Phase oder in Verbindung mit Veränderungen des Schilddrüsenparenchyms. Zu den zugrunde liegenden Mechanismen zählen vaskuläre Veränderungen, Follikelschädigung, Störungen des Transports und Metabolismus der Hormone sowie eine Modulation der Autoimmunität. Die Häufigkeit unterscheidet sich erheblich zwischen den einzelnen Wirkstoffen und klinischen Situationen. Besonders relevant ist die Funktionsstörung, wenn eine langfristige Fortsetzung der Therapie zur Tumorkontrolle erforderlich ist.

Außerhalb der Onkologie stellen einige Arzneimittel historisch und klinisch wichtige Ursachen dar. Lithium ist vor allem mit Hypothyreose und Struma assoziiert und kann eine Autoimmunität begünstigen oder die Hormonsekretion beeinträchtigen. Amiodaron kann aufgrund seiner hohen Iodbelastung sowie seiner direkten Wirkungen auf das Schilddrüsenparenchym und den peripheren Hormonstoffwechsel eine destruktive Thyreotoxikose, eine gesteigerte Hormonsynthese in einer prädisponierten Schilddrüse oder eine iodinduzierte Hypothyreose verursachen. Auch Interferone und andere immunmodulierende Therapien können autoimmune Schilddrüsenprozesse mit unterschiedlichen Phänotypen auslösen.

Zu den individuellen Risikofaktoren gehört insbesondere der Nachweis von Schilddrüsenautoantikörpern vor Behandlungsbeginn, der bei verschiedenen Arzneimittelklassen und vor allem unter Immuncheckpoint-Inhibitoren die Wahrscheinlichkeit einer Schilddrüsenfunktionsstörung erhöht. Auch das Alter, das weibliche Geschlecht sowie eine persönliche oder familiäre Vorgeschichte einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung können eine Rolle spielen. Die klinisch nützlichste Risikostratifizierung beruht jedoch weiterhin auf dem Autoantikörperstatus und der Bestimmung der Schilddrüsenfunktion vor Therapiebeginn.

Ein epidemiologisch relevantes Merkmal ist die mögliche Persistenz der Hypothyreose nach einer Phase destruktiver Thyreoiditis. Der Anteil der Patienten, die langfristig Levothyroxin benötigen, hängt von der Art des Arzneimittels, dem Ausmaß der Schädigung und der vorbestehenden funktionellen Schilddrüsenreserve ab. Die Betreuung darf sich daher nicht auf das akute Ereignis beschränken, sondern muss eine strukturierte Nachsorge einschließen, insbesondere bei onkologischen Patienten, die ihre Therapie fortsetzen oder eine lange Überlebenszeit aufweisen.

Ätiologie, Pathogenese und Pathophysiologie

Durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierte Thyreoiditiden lassen sich anhand zweier grundlegender pathogenetischer Wege einordnen, die häufig in unterschiedlichem Ausmaß gleichzeitig bestehen: eine direkte oder vermittelte destruktive Schädigung und die Auslösung oder Reaktivierung einer thyreoidalen Autoimmunität. Im ersten Fall besteht das primäre Ereignis in einer Schädigung der Follikel mit Zerstörung des Kolloids und Freisetzung des bereits gespeicherten Thyroxins (T4) und Trijodthyronins (T3). Im zweiten Fall verändert die pharmakologische Exposition die Immuntoleranz oder regulatorische Mechanismen und begünstigt dadurch die Bildung von Autoantikörpern sowie eine lymphozytäre Infiltration mit Merkmalen einer chronischen Autoimmunthyreoiditis.

Immuncheckpoint-Inhibitoren stellen das deutlichste Modell einer immunvermittelten Pathogenese dar. Die Blockade von Programmed Cell Death Protein 1 (PD-1), Programmed Death Ligand 1 (PD-L1) oder Cytotoxic T-Lymphocyte-Associated Protein 4 (CTLA-4) reduziert die physiologischen Hemmmechanismen der Lymphozytenaktivierung. Dadurch wird eine stärkere Immunantwort gegen Tumorantigene, zugleich jedoch auch gegen körpereigene Antigene ermöglicht. Die Schilddrüse kann zum Ziel eines entzündlichen Prozesses mit lymphozytärer Infiltration und Zytotoxizität werden, wodurch eine destruktive Thyreoiditis entsteht. Bei vielen Patienten folgt das Ereignis einer typischen pathophysiologischen Abfolge: vorübergehende freisetzungsbedingte Thyreotoxikose mit supprimiertem TSH, gefolgt von einer Hypothyreose infolge erschöpfter Hormonspeicher und verminderter Sekretionskapazität.

Biochemisch weist die destruktive Thyreotoxikose charakteristische Merkmale auf. Der Hormonanstieg beruht auf einer passiven Freisetzung und nicht auf einer gesteigerten Synthese. Daher ist die thyreoidale Iodaufnahme meist vermindert, während Thyreostatika unwirksam sind. Die Dauer der thyreotoxischen Phase ist in der Regel begrenzt, da die intrathyreoidalen Hormonspeicher verbraucht werden. Der Übergang in eine Hypothyreose hängt vom Ausmaß der Schädigung und von der Regenerationsfähigkeit des verbleibenden Gewebes ab. Bei ausgeprägter Autoimmunität oder bereits zuvor eingeschränkter Schilddrüsenreserve wird die Hypothyreose häufiger dauerhaft.

Tyrosinkinase-Inhibitoren und bestimmte zielgerichtete Therapien können über mehrere Mechanismen zu einer Schilddrüsenfunktionsstörung führen. Einige beeinträchtigen die Vaskularisierung der Schilddrüse und die Endothelfunktion und begünstigen dadurch eine subklinische Ischämie und Follikelschädigung. Andere verändern die Expression von Transportproteinen und Dejodasen oder beeinflussen den peripheren Hormonumsatz. In weiteren Fällen wird die Schilddrüse anfälliger für entzündliche und autoimmune Prozesse. Das häufigste klinische Ergebnis ist eine Hypothyreose, die sich schrittweise entwickeln und während einer längerfristigen onkologischen Behandlung eine Hormonsubstitution zur Stabilisierung des Stoffwechsels erforderlich machen kann.

Lithium wirkt über einen anderen pathophysiologischen Mechanismus, indem es die Synthese und vor allem die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen beeinträchtigt und deren intrathyreoidale Akkumulation begünstigt. Zusätzlich kann es bei prädisponierten Personen die Anfälligkeit für eine Autoimmunthyreoiditis erhöhen. Klinisch stehen Hypothyreose und Struma im Vordergrund. Dies ist praktisch relevant, da sich hypothyreote Symptome mit affektiven Beschwerden und psychiatrischen Nebenwirkungen überschneiden und dadurch schwieriger erkannt werden können.

Amiodaron ist ein Beispiel für das mögliche gleichzeitige Vorliegen einer destruktiven Pathogenese und iodvermittelter Veränderungen. Die hohe Iodbelastung und die strukturelle Ähnlichkeit mit Schilddrüsenhormonen können zusammen mit zytotoxischen Wirkungen auf das Parenchym und einer Beeinflussung der peripheren Umwandlung eine destruktive Thyreotoxikose, eine gesteigerte Hormonsynthese in einer prädisponierten Schilddrüse oder eine Hypothyreose verursachen. Die pathophysiologische Unterscheidung ist daher entscheidend, da die Wahl der Therapie vom Mechanismus abhängt und unmittelbare Auswirkungen auf das kardiovaskuläre Risiko des Patienten hat.

Insgesamt ergibt sich aus der Pathophysiologie dieser Krankheitsbilder ein allgemeines klinisches Prinzip: Eine iatrogene Schilddrüsenfunktionsstörung darf nicht allein anhand diagnostischer Bezeichnungen behandelt werden, sondern muss mechanismusbezogen beurteilt werden. Derselbe biochemische Befund einer Thyreotoxikose kann bei einem destruktiven Mechanismus eine Betablockade und Beobachtung, bei einer Überproduktion dagegen eine thyreostatische Therapie erfordern. Dieser Ansatz vermindert unnötige Maßnahmen, verhindert eine iatrogene Verschlechterung und ermöglicht insbesondere in der Onkologie die Integration der endokrinologischen Behandlung in die Fortführung der auslösenden Therapie.

Klinische Manifestationen

Die klinischen Manifestationen der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden hängen von der Art der Schilddrüsenfunktionsstörung, der Geschwindigkeit ihres Auftretens und dem klinischen Kontext des Patienten ab. In vielen Fällen, insbesondere in der Onkologie, wird die Funktionsstörung im Rahmen geplanter Kontrollen bereits erkannt, bevor manifeste Symptome auftreten. Sind Beschwerden vorhanden, können sie jedoch die Lebensqualität, die Verträglichkeit der Behandlung und die kardiovaskuläre Stabilität erheblich beeinträchtigen.

Während der Phase der Thyreotoxikose infolge einer destruktiven Thyreoiditis können Palpitationen, Tachykardie, Tremor, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Wärmeintoleranz und Gewichtsverlust auftreten. Bei onkologischen Patienten können diese Symptome fälschlich als Angstzustand, körperliche Dekonditionierung, Anämie, Infektion oder systemische Behandlungswirkung interpretiert werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch eine mäßig ausgeprägte Thyreotoxikose die kardiovaskuläre Vulnerabilität erhöhen und die Belastbarkeit in einem Ausmaß vermindern kann, das nicht der biochemischen Veränderung entspricht.

Bei der körperlichen Untersuchung ist die Schilddrüse bei durch Immuncheckpoint-Inhibitoren verursachten Thyreoiditiden meist schmerzlos und nicht deutlich vergrößert, während Zeichen einer adrenergen Überaktivität vorhanden sein können. Eine Orbitopathie spricht eher für einen Morbus Basedow als für eine destruktive Thyreoiditis. Das Fehlen okulärer Zeichen reicht jedoch nicht aus, um den Mechanismus zu bestimmen. Bei einigen Patienten, insbesondere bei überwiegender Hypothyreose, kann der körperliche Untersuchungsbefund unauffällig sein, sodass die Diagnose auf Laborbefunden und dem therapeutischen Kontext beruht.

Die Phase der Hypothyreose ist häufig länger anhaltend und klinisch relevanter. Typische Symptome sind Asthenie, Schläfrigkeit, psychomotorische Verlangsamung, Kälteintoleranz, trockene Haut, Obstipation, Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten bei der Gewichtsabnahme. Bei onkologischen Patienten überschneiden sich diese Beschwerden häufig mit einer krankheits- oder therapiebedingten Fatigue. Die Korrektur der Hypothyreose kann jedoch den Performance-Status und das Wohlbefinden deutlich verbessern. Auch unter Lithium können hypothyreote Beschwerden als Verschlechterung der Stimmung oder als verminderte Energie infolge der psychiatrischen Grunderkrankung interpretiert werden, weshalb eine hohe klinische Aufmerksamkeit erforderlich ist.

In einigen Situationen steht nicht die isolierte Schilddrüsenfunktionsstörung, sondern das gleichzeitige Auftreten weiterer iatrogener Endokrinopathien im Vordergrund. Unter Immuncheckpoint-Inhibitoren können gleichzeitig eine Hypophysitis, Nebenniereninsuffizienz oder ein immunvermittelter Diabetes auftreten. Hypotonie, Übelkeit, Hyponatriämie oder Hypoglykämie erfordern die Abklärung eines Glukokortikoidmangels, da dessen klinische Dringlichkeit und Gefährlichkeit höher sind. Dies ist entscheidend, um nicht sämtliche Beschwerden fälschlich der Schilddrüse zuzuschreiben und eine potenziell gefährliche endokrine Nebenwirkung zu übersehen.

In schweren Fällen kann eine Thyreotoxikose insbesondere bei Patienten mit Herzerkrankungen Arrhythmien oder eine hämodynamische Instabilität auslösen. Eine Hypothyreose kann dagegen zu Bradykardie, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und einer Verschlechterung des Lipidprofils beitragen. Die klinische Präsentation muss daher systemisch interpretiert werden, wobei Komorbiditäten, Begleitmedikation und individuelle Vulnerabilität berücksichtigt werden.

Ein weiteres charakteristisches klinisches Merkmal ist der zeitliche Verlauf. Viele iatrogene Thyreoiditiden, insbesondere unter Immuncheckpoint-Inhibitoren, zeigen einen biphasischen Verlauf mit einem Übergang von Thyreotoxikose zu Hypothyreose innerhalb von Wochen oder Monaten. Die Erkennung dieses Musters ermöglicht die Planung serieller Kontrollen und eine Anpassung der Therapie. Entscheidungen sollten nicht auf einer einzelnen Blutuntersuchung beruhen, die lediglich eine vorübergehende Phase des Prozesses abbilden kann.

Wann an die Erkrankung zu denken ist

An eine durch Arzneimittel oder Immuntherapie induzierte Thyreoiditis sollte immer gedacht werden, wenn bei einem Patienten unter einer bekannten schilddrüsenwirksamen Therapie eine Funktionsstörung auftritt, insbesondere bei einem plausiblen zeitlichen Zusammenhang und fehlenden überzeugenden Alternativerklärungen. In der Onkologie sollte der Verdacht bei Patienten unter Immuncheckpoint-Inhibitoren und unter zielgerichteten Therapien mit bekannter Schilddrüsentoxizität systematisch berücksichtigt werden, da die Funktionsstörung häufig, unterdiagnostiziert und auch bei diskreten Symptomen klinisch relevant sein kann.

Die Verdachtsschwelle sollte besonders niedrig sein, wenn kardiovaskuläre Zeichen wie anhaltende Tachykardie, Palpitationen, eine Verschlechterung einer Angina pectoris oder neu aufgetretene Arrhythmien vorliegen. Auch eine vorübergehende Thyreotoxikose kann bei vulnerablen Patienten unverhältnismäßig schwere Folgen haben. Bei onkologischen Patienten sollten Tremor, Schlaflosigkeit und körperlich geprägte Angstsymptome zu einer zeitnahen Bestimmung von TSH und FT4 führen, anstatt vorschnell als Stressreaktion oder unspezifische Nebenwirkung interpretiert zu werden.

Eine iatrogene Thyreoiditis sollte auch bei vorwiegend hypothyreoten Symptomen vermutet werden, insbesondere bei ausgeprägter Fatigue, Verlangsamung und Kälteintoleranz. Bei onkologischen Patienten ist Fatigue multifaktoriell und wird häufig als unvermeidlich angesehen. Eine behandelbare Hypothyreose stellt jedoch eine korrigierbare Ursache dar, deren Therapie das Wohlbefinden und die Verträglichkeit der onkologischen Behandlung deutlich verbessern kann. Entsprechend erfordern bei Patienten unter Lithium eine verminderte Energie, Gewichtszunahme und Schläfrigkeit eine Kontrolle der Schilddrüsenfunktion, da sich die Funktionsstörung schleichend und fortschreitend entwickeln kann.

Ein besonderer Verdachtskontext besteht, wenn eine Schilddrüsenfunktionsstörung gemeinsam mit Zeichen anderer immuntherapiebedingter Endokrinopathien auftritt. Anhaltende Übelkeit, Erbrechen, Hypotonie, Hyponatriämie oder Verwirrtheit dürfen nicht automatisch der Schilddrüse zugeschrieben werden, da sie Ausdruck einer Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysitis sein können. In diesen Situationen haben die Bestimmung des morgendlichen Cortisols und die Abklärung einer Hypophysitis klinische Priorität.

Der Verdacht wird zusätzlich durch Marker einer autoimmunen Prädisposition erhöht, etwa durch bereits vor Therapiebeginn nachweisbare Schilddrüsenautoantikörper oder eine persönliche Vorgeschichte einer Autoimmunthyreoiditis. Ein positiver Autoantikörperstatus stellt in vielen klinischen Strategien nicht zwingend eine Kontraindikation für die auslösende Therapie dar. Er kennzeichnet jedoch einen Patienten, der engmaschiger überwacht werden sollte und bei dem unspezifische Symptome frühzeitig auch unter dem Gesichtspunkt einer Schilddrüsenfunktionsstörung beurteilt werden müssen.

Zusammenfassend sollte eine arzneimittelinduzierte Thyreoiditis bei einer zeitlich mit einer relevanten pharmakologischen Exposition verbundenen Schilddrüsenfunktionsstörung vermutet werden. Besondere Aufmerksamkeit erfordern onkologische Patienten unter Immuntherapie, Patienten unter Lithium und Personen, die Arzneimittel mit bekannter Wirkung auf die Schilddrüse erhalten. Entscheidend sind die Erkennung des zeitlichen Musters und die Einordnung der Symptome in den therapeutischen Kontext, um diagnostische Verzögerungen und eine Verschlechterung der Therapieverträglichkeit oder des klinischen Risikos zu vermeiden.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden beruht auf einem sequenziellen Vorgehen, das die Arzneimittelanamnese, die Schilddrüsenlaborwerte und Untersuchungen zur Unterscheidung zwischen einer freisetzungsbedingten Thyreotoxikose und einer hormonellen Überproduktion umfasst. Zur Basisdiagnostik gehören TSH und FT4 sowie freies Trijodthyronin (FT3), wenn eine Thyreotoxikose vorliegt oder klinisch vermutet wird. Die Untersuchungen müssen im Verlauf wiederholt werden, da viele Krankheitsbilder dynamisch sind und der Übergang von der Thyreotoxikose zur Hypothyreose innerhalb weniger Wochen erfolgen kann.

Ein zentraler diagnostischer Schritt, insbesondere unter Immuntherapie, ist die Unterscheidung zwischen einer destruktiven Thyreoiditis und einem Morbus Basedow, da sich daraus unterschiedliche therapeutische Konsequenzen ergeben. Die Bestimmung von TSH-Rezeptor-Antikörpern ist hierbei besonders aussagekräftig. Ein positiver Befund spricht für einen Morbus Basedow, während ein negativer Befund bei passendem klinischem Kontext und biphasischem Verlauf eine destruktive Thyreoiditis unterstützt. Antikörper gegen Thyreoperoxidase (Anti-TPO) und Thyreoglobulin tragen zur Charakterisierung eines autoimmunen Hintergrunds bei, erlauben allein jedoch keine Unterscheidung zwischen einer Überproduktion und einer passiven Hormonfreisetzung.

Wenn der Mechanismus genauer bestimmt werden muss, kann die Messung der thyreoidalen Iodaufnahme oder eine geeignete Schilddrüsenszintigrafie, sofern durchführbar, entscheidend sein. Bei destruktiven Thyreoiditiden ist die Aufnahme typischerweise vermindert, was mit dem Fehlen einer gesteigerten Synthese und einer reduzierten Organifikation übereinstimmt. Alternativ kann eine Doppler-Sonografie indirekte Hinweise liefern. Ein mit Thyreoiditis vereinbares Muster ohne ausgeprägte Hypervaskularisation macht eine destruktive Thyreotoxikose wahrscheinlicher, während ein deutlich gesteigerter Blutfluss für einen Morbus Basedow sprechen kann. Die Sonografie ermöglicht außerdem die Beurteilung des strukturellen Substrats, den Nachweis von Struma und Knoten sowie bei Zeichen einer chronischen Thyreoiditis die Abschätzung des Risikos einer anhaltenden Hypothyreose.

Unverzichtbar ist eine genaue Rekonstruktion der pharmakologischen Exposition. Erfasst werden müssen potenziell auslösende Arzneimittel, die Expositionsdauer, der Zeitpunkt des Auftretens von Symptomen oder Laborveränderungen sowie Begleitmedikamente, die den Metabolismus oder die Proteinbindung der Hormone beeinflussen. In der Onkologie muss die Diagnose in das jeweilige Therapieprotokoll und die empfohlenen Überwachungspläne eingebunden werden. Die Fortsetzung der antitumoralen Therapie hängt häufig stärker von der angemessenen Behandlung endokriner Nebenwirkungen als von deren bloßer Feststellung ab.

Bei Patienten unter Immuntherapie sollte die Diagnostik eine gezielte Abklärung weiterer assoziierter Endokrinopathien einschließen. Bei Hypotonie, anhaltender Übelkeit, Hyponatriämie oder Hypoglykämie haben die Bestimmung des morgendlichen Cortisols und die Untersuchung der Hypophysenfunktion Priorität, um eine Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysitis auszuschließen. Dieser Schritt ist entscheidend, da die Behandlung einer Hypothyreose mit Levothyroxin bei unerkanntem Glukokortikoidmangel die klinische Stabilität verschlechtern kann, indem sie den Cortisolbedarf und die Vulnerabilität gegenüber Stress erhöht.

Zu den Differenzialdiagnosen gehören die schmerzhafte subakute Thyreoiditis, eine Thyreotoxicosis factitia, ein Iodüberschuss und zuvor nicht erkannte Schilddrüsenfunktionsstörungen. Eine strukturierte Diagnostik ermöglicht eine dem Mechanismus entsprechende Therapie und eine angemessene Verlaufskontrolle des funktionellen Übergangs, insbesondere wenn eine Entwicklung zu einer persistierenden Hypothyreose wahrscheinlich ist.

Klassifikation, klinische Formen und Schweregrad

Die Klassifikation der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden ist für Diagnose, Behandlung und Verlaufskontrolle hilfreich. Eine grundlegende Unterscheidung besteht zwischen Funktionsstörungen mit überwiegend destruktivem Mechanismus und solchen mit überwiegend autoimmunem Mechanismus und hormoneller Überproduktion. Im ersten Fall beruht die Thyreotoxikose auf einer Hormonfreisetzung, ist meist vorübergehend und geht häufig in eine Hypothyreose über. Im zweiten Fall wird die Überfunktion durch eine immunvermittelte Stimulation aufrechterhalten und erfordert spezifische therapeutische Strategien, darunter Thyreostatika und eine Beurteilung der Therapiedauer und des Rezidivrisikos.

Eine zweite Klassifikationsebene betrifft das zeitliche Muster. Unterschieden werden monophasische thyreotoxische Formen, monophasische hypothyreote Formen und biphasische Verläufe. Biphasische Formen sind für viele destruktive Thyreoiditiden unter Immuncheckpoint-Inhibitoren typisch, mit einem initialen thyreotoxischen Gipfel und anschließendem Übergang in eine Hypothyreose. Isolierte hypothyreote Formen sind bei Arzneimitteln häufig, die die Schilddrüsenphysiologie schrittweise verändern, etwa bei bestimmten zielgerichteten Therapien und bei Lithium. Isolierte thyreotoxische Formen erfordern eine sorgfältige Abgrenzung gegenüber Morbus Basedow und Iodüberschuss.

Der Schweregrad kann anhand klinischer und biochemischer Parameter eingestuft werden. In der thyreotoxischen Phase wird er vor allem durch die kardiovaskulären und neurologischen Auswirkungen und weniger durch das Ausmaß der Hormonerhöhung bestimmt, da vulnerable Patienten auch bei mäßigen Laborveränderungen Komplikationen entwickeln können. In der hypothyreoten Phase hängt der Schweregrad von der Verminderung des FT4 und der funktionellen Beeinträchtigung ab. Besondere Aufmerksamkeit gilt onkologischen Patienten, bei denen eine Hypothyreose den Performance-Status und die Therapieverträglichkeit verschlechtern kann.

Eine weitere praktische Einteilung richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit der Reversibilität. Einige destruktive Thyreoiditiden heilen mit Wiederherstellung einer Euthyreose aus, während andere insbesondere bei vorbestehender Autoimmunität oder ausgeprägter Schädigung in eine dauerhafte Hypothyreose übergehen. Unter Immuntherapie ist die Hypothyreose nach Thyreoiditis häufig persistent und erfordert eine langfristige Substitution. Bei Patienten unter Lithium ist die Reversibilität unterschiedlich und hängt von der Expositionsdauer, dem Autoimmunstatus und der Entscheidung über die Fortsetzung des auslösenden Arzneimittels ab.

Schließlich muss die Klassifikation das gleichzeitige Vorliegen anderer iatrogener Endokrinopathien berücksichtigen, insbesondere in der Onkologie. Ein Patient mit einer durch Immuncheckpoint-Inhibitoren ausgelösten Schilddrüsenfunktionsstörung kann zusätzlich eine Hypophysitis oder Nebenniereninsuffizienz entwickeln. Diese verändern die klinische Präsentation und erfordern eine klare diagnostische und therapeutische Priorisierung. Eine iatrogene Thyreoiditis ist daher nicht nur eine Erkrankung der Schilddrüse, sondern kann auf eine breitere Immunaktivierung mit Beteiligung mehrerer endokriner Drüsen hinweisen.

Behandlung

Die Behandlung der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden muss mechanismusabhängig erfolgen. Es ist zwischen einer freisetzungsbedingten Thyreotoxikose, einer immunvermittelten Hormonüberproduktion und einer Hypothyreose zu unterscheiden. Bei einer destruktiven Thyreotoxikose sind Thyreostatika nicht angezeigt, da sie die Hormonfreisetzung nicht vermindern und die Pathophysiologie der Follikelschädigung nicht beeinflussen. Das therapeutische Ziel besteht in der Kontrolle der Symptome und der Vermeidung von Komplikationen, insbesondere kardiovaskulärer Komplikationen, während der vorübergehenden Phase.

In der thyreotoxischen Phase sind Betablocker die wichtigste therapeutische Maßnahme, um Tachykardie, Tremor und adrenerge Symptome zu reduzieren. Die Wahl des Präparats und der Dosierung richtet sich nach kardiovaskulären Begleiterkrankungen und der Symptomschwere. Bei milder Thyreotoxikose und klinisch stabilem Zustand kann eine engmaschige Überwachung ohne medikamentöse Therapie ausreichen, insbesondere wenn ein rascher Übergang in eine Euthyreose oder Hypothyreose erwartet wird. In ausgewählten Fällen mit ausgeprägterer Entzündung und relevanten Beschwerden kann der Einsatz von Glukokortikoiden erwogen werden. Diese Entscheidung muss jedoch insbesondere bei onkologischen Patienten sorgfältig in den therapeutischen Kontext eingeordnet werden, unter Berücksichtigung möglicher Wechselwirkungen mit der auslösenden Therapie und weiterer Endokrinopathien.

Wenn die Thyreotoxikose durch einen Morbus Basedow oder eine immunvermittelte Hormonüberproduktion verursacht wird, erfolgt die Behandlung nach den üblichen Strategien der Hyperthyreosetherapie mit Thyreostatika und gegebenenfalls weiteren Optionen. Dieses Krankheitsbild muss durch TSH-Rezeptor-Antikörper und funktionelle Untersuchungen bestätigt werden, da eine falsche Behandlung unwirksam sein und das Risiko von Komplikationen in der folgenden Phase erhöhen kann. Ein häufiger Fehler bei iatrogenen Funktionsstörungen besteht darin, eine destruktive Thyreotoxikose mit Thyreostatika zu behandeln, wodurch eine wirksame symptomatische Kontrolle verzögert und die Behandlung der häufig nachfolgenden Hypothyreose erschwert wird.

In der hypothyreoten Phase besteht die wesentliche therapeutische Entscheidung in der Einleitung einer Behandlung mit Levothyroxin. Sie ist angezeigt, wenn die Hypothyreose klinisch relevant ist, das FT4 vermindert ist oder die Symptome den Patienten wesentlich beeinträchtigen. Bei onkologischen Patienten kann die Korrektur der Hypothyreose den Performance-Status und die Therapietreue verbessern. Die Dosierung muss unter Berücksichtigung des Alters, kardiovaskulärer Komorbiditäten und der Schwere des Hormonmangels individuell angepasst werden. Bei vulnerablen Patienten sollte die Dosis schrittweise gesteigert werden.

Der Umgang mit dem auslösenden Arzneimittel muss in eine Risiko-Nutzen-Abwägung eingebunden werden. Bei onkologischer Immuntherapie kann eine Schilddrüsenfunktionsstörung häufig behandelt werden, ohne die antitumorale Therapie abzusetzen, sofern der Patient klinisch stabil ist und die endokrine Nebenwirkung kontrolliert wird. Auch bei zielgerichteten Therapien besteht das Ziel darin, die Behandlung fortzuführen und die Schilddrüsenfunktionsstörung durch eine angemessene Hormonsubstitution auszugleichen. Bei Lithium hängt die Entscheidung über eine Fortsetzung von der psychiatrischen Indikation, der Schwere der Schilddrüsenfunktionsstörung und dem Ansprechen auf die Substitution ab und sollte interdisziplinär getroffen werden.

Ein wesentliches praktisches Prinzip betrifft die therapeutische Priorität bei mehreren gleichzeitig bestehenden Endokrinopathien. Bei Verdacht auf Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysitis muss eine ausreichende Glukokortikoidsubstitution gewährleistet sein, bevor Levothyroxin begonnen oder gesteigert wird, um eine klinische Dekompensation zu vermeiden. Dieser Schritt ist insbesondere unter Immuncheckpoint-Inhibitoren relevant, da das gleichzeitige Auftreten mehrerer endokriner Nebenwirkungen klinisch möglich und potenziell gefährlich ist.

Nachsorge und Überwachung

Die Nachsorge der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden ist entscheidend, da sich die Schilddrüsenfunktion rasch verändern kann und ein erheblicher Anteil der Patienten eine persistierende Hypothyreose entwickelt. Die Überwachung sollte auf TSH und FT4 beruhen, wobei die Kontrollfrequenz an die jeweilige klinische Phase angepasst wird. Während der thyreotoxischen Phase ermöglichen engmaschige Kontrollen die Erkennung des Übergangs in eine Hypothyreose und eine rechtzeitige Anpassung der symptomatischen Behandlung. In der hypothyreoten Phase dienen die Kontrollen der Einleitung und Dosisanpassung von Levothyroxin sowie der Stabilisierung des Stoffwechsels.

Bei Patienten unter Immuntherapie muss die Nachsorge in die onkologischen Behandlungsabläufe integriert und mit dem Team abgestimmt werden, das immunvermittelte Nebenwirkungen betreut. Eine Schilddrüsenfunktionsstörung kann früh oder erst später auftreten und auch nach Beendigung der Immuntherapie fortbestehen. Serielle Kontrollen verhindern, dass unspezifische Symptome fälschlich einer Tumorprogression oder einer nicht endokrinen Toxizität zugeschrieben werden, und ermöglichen eine sicherere Fortsetzung der onkologischen Behandlung.

Bei Behandlung mit Levothyroxin müssen sowohl Zeichen einer Untertherapie als auch einer Übertherapie berücksichtigt werden. Bei onkologischen Patienten und Personen mit Herzerkrankungen kann eine iatrogene Überdosierung schlecht vertragen werden. Die Dosisanpassung sollte daher vorsichtig und anhand von TSH und FT4 erfolgen. Die mögliche Variabilität der Schilddrüsenfunktion während einer aktiven Therapie erfordert häufigere Kontrollen als bei einer stabilen, nicht iatrogenen Hypothyreose.

Ein besonderer Aspekt ist die Beurteilung der Reversibilität einer Hypothyreose nach destruktiver Thyreoiditis. Bei einigen Patienten kann sich die Schilddrüsenfunktion erholen, bei anderen wird die Hypothyreose dauerhaft. Wenn es klinisch angemessen ist, sollte ein Versuch zur Dosisreduktion oder zum Absetzen von Levothyroxin nach klar definierten Kriterien und unter engmaschiger Kontrolle erfolgen. In Situationen mit hoher Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Funktionsstörung, wie bei vielen mit Immuncheckpoint-Inhibitoren assoziierten Thyreoiditiden, konzentriert sich die Nachsorge eher auf die Stabilisierung der Substitution als auf deren Beendigung.

Die Nachsorge sollte außerdem eine gezielte Beurteilung möglicher weiterer Endokrinopathien umfassen, insbesondere unter Immuntherapie. Systemische Symptome oder Elektrolytstörungen sollten zur Abklärung einer Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysitis führen. Dieser Ansatz vermindert das Risiko schwerer klinischer Ereignisse und verbessert die Qualität der interdisziplinären Betreuung.

Bei Patienten unter einer langfristigen Therapie mit Arzneimitteln wie Lithium muss die Nachsorge kontinuierlich erfolgen und in den gesamten Behandlungsverlauf eingebunden werden. Die Schilddrüsenfunktionsstörung kann sich langsam entwickeln und über längere Zeit subklinisch bleiben. Regelmäßige Kontrollen von TSH und FT4 in Verbindung mit einer klinischen Beurteilung ermöglichen eine frühzeitige Diagnose und verhindern funktionelle Beeinträchtigungen, die ansonsten fälschlich der psychiatrischen Grunderkrankung zugeschrieben werden könnten.

Prognose und Komplikationen

Die Prognose der durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierten Thyreoiditiden ist im Allgemeinen günstig, wenn die Schilddrüsenfunktionsstörung frühzeitig erkannt und entsprechend dem pathophysiologischen Mechanismus behandelt wird. Sie hängt jedoch wesentlich vom klinischen Kontext ab, insbesondere in der Onkologie, wo das Ziel darin besteht, die antitumorale Therapie fortzuführen und die endokrine Nebenwirkung als behandelbare Erkrankung zu kontrollieren. Bei vielen Patienten, insbesondere unter Immuncheckpoint-Inhibitoren, bleibt die Hypothyreose nach der Thyreoiditis dauerhaft bestehen und erfordert eine langfristige Substitution und fortgesetzte Überwachung.

Die häufigste und klinisch relevanteste Komplikation ist die Entwicklung einer dauerhaften Hypothyreose. Dieses Ergebnis ist wahrscheinlicher bei ausgeprägter Follikelschädigung, vorbestehender Autoimmunität und schwerer hypothyreoter Phase. Eine unbehandelte Hypothyreose kann Fatigue, funktionelle Leistungsfähigkeit, Lipidprofil und Belastbarkeit verschlechtern, was insbesondere bei bereits vulnerablen Patienten erheblich sein kann. Die Prävention dieser Folgen beruht auf einer strukturierten Nachsorge und einer angemessenen Hormonsubstitution.

Während der thyreotoxischen Phase stehen kardiovaskuläre Komplikationen im Vordergrund. Tachyarrhythmien und hämodynamische Instabilität können insbesondere bei Patienten mit Herzerkrankungen, älteren Menschen und onkologischen Patienten mit Komorbiditäten auftreten. Obwohl eine destruktive Thyreotoxikose meist vorübergehend ist, kann sie für einen begrenzten Zeitraum klinisch ausgeprägt sein und eine rasche Behandlung mit Betablockern sowie eine Überwachung erfordern. Eine weitere mögliche Komplikation ist die verminderte Verträglichkeit der onkologischen Therapie und eine Zunahme dringlicher medizinischer Kontakte, wenn die Schilddrüsenfunktionsstörung nicht erkannt und korrigiert wird.

Eine konzeptionell wichtige Komplikation ist eine unangemessene Behandlung infolge einer Fehldiagnose. Die Behandlung einer destruktiven Thyreotoxikose mit Thyreostatika ist unwirksam und kann eine angemessene symptomatische Kontrolle verzögern. Umgekehrt kann ein nicht erkannter Morbus Basedow unter Immuntherapie zu einer anhaltenden Hyperthyreose und einem erhöhten Komplikationsrisiko führen. Die günstigste Prognose hängt daher eng mit einer präzisen ätiologischen Diagnose auf Grundlage der TSH-Rezeptor-Antikörper und, sofern angezeigt, funktioneller Untersuchungen zusammen.

Unter Immuncheckpoint-Inhibitoren stellt das mögliche gleichzeitige Auftreten weiterer Endokrinopathien, insbesondere einer Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysitis, eine klinisch besonders kritische Komplikation dar. Werden diese Erkrankungen nicht erkannt, kann es zu einer erheblichen klinischen Instabilität kommen. Der Verlauf hängt in diesen Fällen von der Fähigkeit des Behandlungsteams ab, systemische Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und eine vollständige endokrinologische Behandlung mit korrekter Priorisierung der Hormonsubstitutionen einzuleiten.

Insgesamt sind durch Arzneimittel und Immuntherapie induzierte Thyreoiditiden häufige und meist beherrschbare, jedoch nicht belanglose endokrine Nebenwirkungen. Die Prognose ist optimal, wenn die Versorgung strukturiert erfolgt: durch proaktive Überwachung in Hochrisikosituationen, mechanismusbezogene Diagnostik, gezielte Behandlung mit Betablockern und Levothyroxin bei entsprechender Indikation sowie eine interdisziplinäre Betreuung onkologischer Patienten, um die Fortsetzung der Therapie ohne Einschränkung der klinischen Sicherheit zu ermöglichen.

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