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Nebenschilddrüsen bei älteren Menschen

Erkrankungen der Nebenschilddrüsen stellen bei älteren Menschen eine klinisch besonders komplexe Herausforderung dar, weil das Altern gleichzeitig den biologischen Hintergrund verändert, auf dem die Kalzium-Parathormon (PTH)-Vitamin-D-Achse wirkt, und den klinischen Kontext beeinflusst, in dem parathyreoidale Störungen erkannt und behandelt werden. Mit zunehmendem Alter steigen die Prävalenz der chronischen Nierenkrankheit, die Häufigkeit eines Vitamin-D-Mangels, die Einnahme von Arzneimitteln mit Einfluss auf die Kalziumkonzentration, die Knochenfragilität und die kardiovaskuläre Vulnerabilität. Unter diesen Bedingungen kann dieselbe biochemische Veränderung eine andere Bedeutung haben als bei jüngeren Erwachsenen, und die Grenze zwischen einer kompensatorischen Anpassung und einer klinisch relevanten Erkrankung wird weniger eindeutig.

In der Praxis wird das Thema von drei Krankheitsbildern bestimmt: dem primären Hyperparathyreoidismus, dessen Häufigkeit gerade in höheren Altersgruppen zunimmt, dem sekundären Hyperparathyreoidismus bei chronischer Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease, CKD), Malabsorption oder Vitamin-D-Mangel sowie dem erworbenen Hypoparathyreoidismus, der meist postoperativ auftritt und dessen Behandlung bei älteren Menschen eine besonders sorgfältige Abwägung zwischen Symptomkontrolle und renaler Sicherheit erfordert. Auch das klinische Erscheinungsbild ist im höheren Lebensalter häufig weniger typisch: neurokognitive Symptome, Asthenie, Haltungsinstabilität, Sarkopenie und Gebrechlichkeit können sich mit Störungen des Mineralstoffwechsels überschneiden, sodass Anamnese, körperlicher Untersuchungsbefund und Laborwerte gemeinsam interpretiert werden müssen.

Epidemiologie und Vortestwahrscheinlichkeit im höheren Lebensalter

Der primäre Hyperparathyreoidismus gehört zu den für das höhere Lebensalter charakteristischen endokrinen Erkrankungen. Die höchste Inzidenz findet sich bei postmenopausalen Frauen, und häufig besteht nur eine milde oder oligosymptomatische Form, die durch eine leichte Hyperkalzämie bei Routineuntersuchungen zufällig entdeckt wird. Bei älteren Menschen ist die Vortestwahrscheinlichkeit eines primären Hyperparathyreoidismus im Vergleich zu vielen anderen Ursachen der Hyperkalzämie erhöht. Dies bestimmt bereits den ersten diagnostischen Schritt: Bestätigung der erhöhten Kalziumkonzentration, Albuminkorrektur oder Bestimmung des ionisierten Kalziums und Messung des PTH als wichtigste differenzialdiagnostische Kenngröße. Das höhere Lebensalter erhöht jedoch zugleich die Wahrscheinlichkeit anderer Diagnosen, insbesondere einer tumorbedingten oder arzneimittelinduzierten Hyperkalzämie, weshalb die Abklärung systematisch erfolgen muss.

Parallel dazu ist der sekundäre Hyperparathyreoidismus bei älteren Menschen sehr häufig, weil selbst eine mäßig ausgeprägte chronische Nierenkrankheit die Calcitriolproduktion vermindert und den Phosphathaushalt verändert, wodurch die Nebenschilddrüsen chronisch stimuliert werden. Hinzu kommt ein Vitamin-D-Mangel, der durch geringere Sonnenexposition, verminderte kutane Synthese, unzureichende Ernährung und Begleiterkrankungen begünstigt wird. Ein erhöhter PTH-Wert bedeutet bei älteren Menschen daher nicht automatisch einen primären Hyperparathyreoidismus. Die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Form ist ein entscheidender diagnostischer Schritt mit grundlegend unterschiedlichen therapeutischen Konsequenzen.

Der Hypoparathyreoidismus ist im höheren Lebensalter als primäre Erkrankung seltener, gewinnt jedoch durch die zunehmende Zahl von Eingriffen am Hals und durch vorausgegangene Thyreoidektomien oder Parathyreoidektomien an Bedeutung. Ältere Menschen sind außerdem anfälliger für Komplikationen der konventionellen Substitution mit Kalzium und aktivem Vitamin D, insbesondere für Hyperkalziurie, Nephrokalzinose und eine Abnahme der Nierenfunktion. Die Therapieziele müssen deshalb stärker an der Sicherheit als an einer vollständigen Normalisierung der Laborwerte ausgerichtet werden.

Pathophysiologie bei älteren Menschen

Die Pathophysiologie der Nebenschilddrüsenerkrankungen muss bei älteren Menschen als ein System betrachtet werden, in dem die funktionelle Reserve der drei Zielkompartimente Knochen, Niere und Darm vermindert oder stärker schwankend ist. Der Knochen älterer Menschen ist häufig durch einen Verlust an Knochenmasse, eine Verschlechterung der Mikroarchitektur und in bestimmten Situationen durch einen gesteigerten Umbau gekennzeichnet. Dadurch kann bereits eine relativ geringe Veränderung des PTH-Signals die Frakturanfälligkeit erhöhen. Beim primären Hyperparathyreoidismus fördert die chronische Exposition gegenüber unangemessen hohen PTH-Konzentrationen einen verstärkten Knochenumbau mit Abnahme der Knochendichte, insbesondere im kortikalen Knochen. Dies trägt zum Frakturrisiko und zum Verlust der Muskelkraft bei, was sich im höheren Lebensalter in Stürzen und funktionellen Einschränkungen äußern kann.

Die Niere ist der zweite entscheidende Faktor. Mit zunehmendem Alter nimmt die glomeruläre Filtration häufig ab, während Begleiterkrankungen, die den tubulären Umgang mit Kalzium und Phosphat verändern, häufiger werden. Beim primären Hyperparathyreoidismus begünstigt die Kombination aus Hyperkalzämie und Hyperkalziurie Nephrolithiasis und Nephrokalzinose. Auch wenn keine klinisch erkennbare Steinbildung vorliegt, kann eine chronische Hyperkalzämie zur Abnahme der Nierenfunktion beitragen, die bei älteren Menschen bereits durch andere Faktoren gefährdet ist. Beim sekundären Hyperparathyreoidismus ist dagegen die Niere selbst der Auslöser des PTH-Anstiegs. Die verminderte Calcitriolproduktion, die Phosphatretention und Störungen des mineralisierten Knochenstoffwechsels erzeugen einen Rückkopplungskreis, der fortschreiten kann.

Vitamin D ist schließlich ein zentraler Regulator. Ein Mangel an 25-Hydroxyvitamin D steigert die PTH-Sekretion als kompensatorische Reaktion und kann die Knochenfragilität verstärken. Bei älteren Menschen muss der Ausgleich des Vitamin-D-Mangels jedoch in die ätiologische Diagnostik eingebettet werden. Beim primären Hyperparathyreoidismus ist eine Substitution häufig angemessen, erfordert aber Vorsicht und eine Kontrolle der Kalziumkonzentration. Bei einer nicht PTH-vermittelten Hyperkalzämie kann sie dagegen ohne Bedeutung oder sogar irreführend sein. Klinisch entscheidend ist, dass ältere Menschen eine größere Variabilität der physiologischen Sollwerte und der Organreaktionen aufweisen. Laborwerte müssen daher stärker im klinischen Zusammenhang und weniger schematisch interpretiert werden.

Klinische Erscheinungsbilder bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen zeigen sich Nebenschilddrüsenerkrankungen nur selten in der klassischen Lehrbuchform. Ein primärer Hyperparathyreoidismus kann sich durch unspezifische Beschwerden wie Asthenie, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, Stimmungsveränderungen, Konzentrationsstörungen und zunehmende Gebrechlichkeit äußern. Diese Merkmale sind zwar nicht pathognomonisch, können aber bei ausgewählten Patientengruppen nach einer definitiven Behandlung zurückgehen und sind für die gemeinsame Therapieentscheidung relevant, insbesondere wenn die biochemischen Veränderungen nur leicht ausgeprägt sind, die funktionellen Auswirkungen jedoch erheblich sind.

Die Knochenbeteiligung ist häufig klinisch am bedeutsamsten. Osteopenie oder Osteoporose, Fragilitätsfrakturen, Knochenschmerzen, Größenverlust und Kyphose können erste Hinweise auf einen chronischen PTH-Überschuss oder auf eine Mineral- und Knochenstoffwechselstörung bei chronischer Nierenkrankheit (Chronic Kidney Disease-Mineral and Bone Disorder, CKD-MBD) mit sekundärem Hyperparathyreoidismus sein. Bei älteren Menschen können postmenopausale Osteoporose, Sarkopenie und Vitamin-D-Mangel gleichzeitig vorliegen, sodass die Veränderungen leicht ausschließlich dem Alter zugeschrieben werden. Bei einem Teil der Patienten besteht jedoch eine behandelbare endokrine Komponente, die den weiteren Verlauf des Frakturrisikos wesentlich beeinflusst.

Nierensteine können fehlen oder klinisch stumm bleiben, insbesondere wenn keine Koliken angegeben werden oder Analgetika aus anderen Gründen eingenommen werden. In dieser Situation kann die gezielte bildgebende Suche nach Nephrolithiasis oder Nephrokalzinose, sofern sie indiziert ist, die Behandlungsstrategie verändern. Eine Nierenbeteiligung ist ein wichtiger Schweregradmarker und eine starke Indikation für eine definitive Behandlung des primären Hyperparathyreoidismus.

Ein Hypoparathyreoidismus kann bei älteren Menschen klinisch instabiler verlaufen. Parästhesien, Krämpfe, Tremor, Haltungsinstabilität und Verwirrtheit können fälschlich einer Neuropathie, Arzneimittelwirkungen oder einem kognitiven Abbau zugeschrieben werden. Bei Hypokalzämie sind QT-Verlängerung und Arrhythmien besonders bedeutsam, wenn bereits eine Herzerkrankung oder Polypharmazie besteht. In diesem Zusammenhang wird die Stabilität des ionisierten Kalziums zu einem vorrangigen Sicherheitsziel und nicht nur zu einem absoluten Laborziel.

Wann bei älteren Menschen eine Nebenschilddrüsenerkrankung vermutet werden sollte

Der klinische Verdacht entsteht häufig durch einen auffälligen Laborbefund. Eine bestätigte Hyperkalzämie muss auch bei nur leichter Ausprägung, insbesondere wenn sie persistiert, immer in PTH-vermittelte und nicht PTH-vermittelte Ursachen unterteilt werden. Diese Unterscheidung ist bei älteren Menschen besonders wichtig, weil der primäre Hyperparathyreoidismus häufig, aber nicht die einzige Ursache ist. Gewichtsverlust, Anämie, diffuse Knochenschmerzen oder eine rasche klinische Verschlechterung können auf eine andere Ätiologie hinweisen. Entscheidend ist die Bestimmung und angemessene Interpretation des PTH: Ein erhöhter oder bei Hyperkalzämie unangemessen normaler PTH-Wert spricht deutlich für einen primären Hyperparathyreoidismus oder seltener für eine arzneimittelassoziierte Form, beispielsweise unter Lithium. Ein supprimiertes PTH lenkt die Abklärung dagegen auf nicht parathyreoidale Ursachen.

Der Verdacht auf einen sekundären Hyperparathyreoidismus ergibt sich aus einem erhöhten PTH bei normaler oder erniedrigter Kalziumkonzentration, insbesondere wenn gleichzeitig eine eingeschränkte Nierenfunktion, Hyperphosphatämie oder ein Vitamin-D-Mangel vorliegen. Ein erhöhter PTH-Wert darf bei älteren Menschen nicht als bloße Alterserscheinung verharmlost werden. Die Reaktion kann zwar kompensatorisch angemessen sein, aber auch auf eine fortschreitende CKD-MBD oder einen nicht korrigierten Mineralstoffmangel hinweisen, der das Risiko für Frakturen, Gefäßverkalkungen und funktionellen Abbau erhöht.

An einen Hypoparathyreoidismus muss frühzeitig gedacht werden, wenn eine Hypokalzämie zusammen mit Hyperphosphatämie und einem erniedrigten oder unangemessen normalen PTH vorliegt, insbesondere nach Schilddrüsen-, Nebenschilddrüsen- oder anderen Halsoperationen. Die Schwelle zur diagnostischen Abklärung sollte bei älteren Menschen niedrig sein, da die Symptome gering ausgeprägt sein können, während kardiale und neurologische Folgen stärker ins Gewicht fallen.

    Typische Situationen, in denen bei älteren Menschen eine strukturierte parathyreoidale Abklärung erforderlich ist

  • Persistierende Hyperkalzämie mit nicht supprimiertem PTH, auch bei leichter Ausprägung und fehlenden Symptomen.
  • Osteoporose oder Fragilitätsfrakturen bei erhöhtem PTH und Vitamin-D-Mangel oder CKD.
  • Abnahme der Nierenfunktion, Nephrolithiasis oder Nephrokalzinose bei Veränderungen von Kalzium und Phosphat.
  • Postoperative Hypokalzämie mit erniedrigtem PTH und neuromuskulären Symptomen oder QT-Verlängerung.

Diese Situationen stellen noch keine Diagnose dar, verringern jedoch das Risiko des häufigsten Fehlers im höheren Lebensalter: eine tatsächlich behandelbare endokrine Komponente allein dem Alter und den Begleiterkrankungen zuzuschreiben oder eine empirische Therapie einzuleiten, ohne Kalzium, Phosphat, Magnesium, Vitamin D und Nierenfunktion vollständig zu beurteilen.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose von Nebenschilddrüsenerkrankungen bei älteren Menschen ist in erster Linie biochemisch. Bei Hyperkalzämie muss der Befund durch eine erneute Messung bestätigt und das albuminkorrigierte Gesamtkalzium oder das ionisierte Kalzium beurteilt werden. Der nächste Schritt ist die Bestimmung des PTH. Ist das PTH erhöht oder unangemessen normal, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen primären Hyperparathyreoidismus. Die weitere Abklärung umfasst 25-Hydroxyvitamin D, Kreatinin mit Schätzung der glomerulären Filtrationsrate, Phosphat und die Beurteilung der Kalziumausscheidung im Urin. Zur Differenzialdiagnose gehört die familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie, bei der die renale Kalziumausscheidung typischerweise niedrig ist und sich das therapeutische Vorgehen grundlegend unterscheidet.

Die Beurteilung von Endorganschäden ist ein wesentlicher Bestandteil der funktionellen Schweregradeinschätzung. Auf skelettaler Ebene sind die Knochendichtemessung und die Suche nach Wirbelfrakturen, einschließlich klinisch stummer Frakturen, bei älteren Menschen besonders wichtig, weil ihr Nachweis die Risikobewertung und die Therapieindikation verändert. Auf renaler Ebene sind die Suche nach Nephrolithiasis oder Nephrokalzinose und die Bestimmung der Nierenfunktion unerlässlich. Ältere Menschen sind anfälliger für eine Verschlechterung der Nierenfunktion, und eine renale Beeinträchtigung gehört zu den Kriterien, die beim primären Hyperparathyreoidismus für eine definitive Behandlung sprechen.

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus muss der ursächliche Zusammenhang nachgewiesen werden: CKD mit Veränderungen des Mineralstoffwechsels, Vitamin-D-Mangel, Malabsorption oder die Einnahme von Arzneimitteln, die den Kalzium- und Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen. Die Interpretation des PTH darf in dieser Situation nicht darauf ausgerichtet sein, einen einzelnen Wert zu normalisieren. Entscheidend sind der zeitliche Verlauf und die Übereinstimmung mit Kalzium und Phosphat entsprechend den internationalen Empfehlungen zur CKD-MBD, da die biologische und therapeutische Variabilität im höheren Lebensalter erheblich ist.

Die Bedeutung der parathyreoidalen Bildgebung wird häufig missverstanden. Sonografie, Szintigrafie und andere Lokalisationsverfahren stellen die Diagnose eines primären Hyperparathyreoidismus nicht und dürfen die biochemische Bestätigung nicht ersetzen oder ihr vorausgehen. Ihre Aufgabe liegt in der präoperativen Lokalisation, wenn die Entscheidung zur Operation bereits getroffen wurde. Dieses Vorgehen vermeidet bei älteren Menschen unnötige Untersuchungen und konzentriert die diagnostischen Ressourcen auf die für die Behandlung entscheidenden Aspekte: Bestätigung einer PTH-vermittelten Erkrankung, Beurteilung von Endorganschäden sowie Abschätzung des Operationsrisikos und des zu erwartenden Nutzens.

Klinische Klassifikation

Eine bei älteren Menschen sinnvolle Klassifikation muss sich am Mechanismus und an der therapeutischen Entscheidung orientieren. Der primäre Hyperparathyreoidismus ist durch eine Hyperkalzämie mit erhöhtem oder nicht supprimiertem PTH gekennzeichnet und entsteht durch eine autonome Sekretion einer oder mehrerer Nebenschilddrüsen. Er ist die für das höhere Lebensalter charakteristischste Form und verläuft häufig mild, kann jedoch Knochen, Niere und körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist eine Anpassungsreaktion auf eine relative Hypokalzämie oder auf Signale eines Vitamin-D-Mangels oder einer CKD-MBD. Die häufigsten Ursachen bei älteren Menschen sind die chronische Nierenkrankheit und ein Vitamin-D-Mangel, die oft gleichzeitig vorliegen. Der tertiäre Hyperparathyreoidismus bezeichnet die Entwicklung einer autonomen Sekretion nach lang anhaltender Stimulation, typischerweise bei fortgeschrittener CKD oder nach einer Nierentransplantation. Er kann zu einer Hyperkalzämie mit erhöhtem PTH führen und erfordert spezifische Behandlungsstrategien.

Der Hypoparathyreoidismus ist bei älteren Menschen überwiegend erworben und häufig postoperativ. Die praktische Einteilung richtet sich nach der zeitlichen Stabilität und dem Risiko renaler Komplikationen. Vorübergehende postoperative Formen bilden sich häufig zurück, während persistierende Formen eine langfristige Behandlung mit sicherheitsorientierten Zielwerten und engmaschiger Kontrolle von Kalzium, Phosphat und Kalziurie erfordern.

Behandlung bei älteren Menschen

Beim älteren Patienten mit primärem Hyperparathyreoidismus gilt, dass die Parathyreoidektomie die einzige kurative Therapie darstellt. Die Entscheidung muss jedoch die Indikation, den erwarteten Nutzen und das Operationsrisiko unter Berücksichtigung von Gebrechlichkeit und Begleiterkrankungen zusammenführen. Die aktuellen internationalen Leitlinien definieren Operationskriterien anhand der biochemischen Ausprägung, der Knochen- und Nierenbeteiligung, des Alters und der Patientenpräferenzen. Das höhere Lebensalter ist für sich genommen keine Kontraindikation. Zu berücksichtigen sind jedoch die kardiopulmonale Reserve, das Anästhesierisiko und der erwartete funktionelle Nutzen. Klinisch bedeutsam ist, dass in der Versorgungspraxis viele ältere Patienten trotz bestehender Operationsindikation nicht operiert werden, häufig aufgrund von Gebrechlichkeit und Multimorbidität, obwohl die Erkrankung grundsätzlich heilbar wäre.

Wenn eine Operation indiziert und durchführbar ist, besteht ihr Nutzen bei älteren Menschen nicht nur in der Normalisierung der Kalziumkonzentration. Sie kann das Fortschreiten von Endorganschäden verhindern und bei ausgewählten Patienten den funktionellen Verlauf verbessern. Studien weisen darauf hin, dass sich die körperliche Leistungsfähigkeit auch bei scheinbar asymptomatischen älteren Menschen verbessern kann. Dies ist besonders relevant, wenn Beschwerden durch Gebrechlichkeit überlagert oder dem Alter zugeschrieben werden. Entscheidend ist die Auswahl der Patienten mit dem günstigsten Nutzen-Risiko-Verhältnis sowie die Durchführung des Eingriffs in einem erfahrenen Zentrum, da die chirurgische Qualität einen wesentlichen Einfluss auf das Behandlungsergebnis hat.

Wenn eine Operation nicht indiziert oder nicht durchführbar ist, richtet sich die medikamentöse Behandlung auf die beiden wichtigsten Bereiche: Hyperkalzämie und Knochenfragilität. Kalzimimetika wie Cinacalcet können die Kalziumkonzentration bei vielen Formen des primären Hyperparathyreoidismus senken und stellen eine Möglichkeit für nicht operable Patienten oder während der Wartezeit bis zum Eingriff dar. Verträglichkeit und Wirkung müssen kontrolliert werden. Bei vorrangiger Knochenfragilität können antiresorptive Wirkstoffe wie Bisphosphonate oder Denosumab erwogen werden. Dabei sind Nierenfunktion, Hypokalzämierisiko und die integrierte Behandlung des Mineralstoffwechsels zu berücksichtigen. Bei älteren Menschen besteht das Ziel häufig eher in der Senkung des Frakturrisikos als in der vollständigen Normalisierung des PTH. Die Behandlung der Hyperkalzämie und die Behandlung der Knochenbeteiligung müssen daher getrennt, aber aufeinander abgestimmt geplant werden.

Der Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels ist auch beim primären Hyperparathyreoidismus häufig angemessen, erfordert bei älteren Menschen jedoch Vorsicht und eine Kontrolle der Kalziumkonzentration, da die Substitution die Kalziurie und den gesamten Mineralstoffhaushalt verändern kann. Zu den ernährungsmedizinischen und verhaltensbezogenen Maßnahmen gehören eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und, sofern klinisch möglich, die Überprüfung von Arzneimitteln, die die Kalziumkonzentration erhöhen oder die Interpretation erschweren können, beispielsweise Thiazide und Lithium.

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus infolge einer CKD-MBD ist die Strategie grundlegend anders und muss den internationalen Leitlinien folgen. Sie umfasst die Kontrolle des Phosphats, den Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels sowie den situationsgerechten Einsatz von Vitamin-D-Analoga und Kalzimimetika. Zu aggressive Korrekturen müssen vermieden werden, da sie das Risiko für Hyperkalzämie, Hyperphosphatämie oder Gefäßverkalkungen erhöhen können. Bei älteren Menschen mit CKD ist die therapeutische Variabilität groß, sodass die Behandlung individualisiert werden muss. Vorrangig ist die Verringerung klinisch relevanter Ereignisse wie Frakturen und das Fortschreiten vaskulärer Schäden und nicht das isolierte Erreichen einzelner Laborwerte.

Beim Hypoparathyreoidismus älterer Menschen bleibt die konventionelle Behandlung mit Kalzium und aktivem Vitamin D zentral, muss jedoch an sicherheitsorientierten Zielwerten ausgerichtet werden. Häufig ist es angemessener, die Kalziumkonzentration im unteren Normbereich oder knapp darunter zu halten, um Hyperkalziurie und renale Komplikationen zu vermeiden. Die Einnahme von Diuretika, die Nierenfunktion und der Hydratationszustand müssen besonders sorgfältig berücksichtigt werden, weil bereits geringe therapeutische Abweichungen schwerwiegende klinische Folgen haben können.

Nachsorge bei älteren Menschen

Die Nachsorge muss sich an den Faktoren orientieren, die die Prognose verändern. Bei konservativ behandeltem primärem Hyperparathyreoidismus umfasst sie die Kontrolle von Kalzium, Nierenfunktion und Vitamin D sowie eine regelmäßige Beurteilung des skelettalen Risikos. Dazu gehören bei klinischer Indikation eine Knochendichtemessung und die Suche nach Wirbelfrakturen. Die Häufigkeit der Kontrollen muss an die biochemische Stabilität und das individuelle Risiko angepasst werden. Ein gebrechlicher Patient mit schwankenden Kalziumwerten oder medikamentöser Behandlung benötigt engmaschigere Kontrollen als ein Patient mit stabiler Erkrankung.

Bei Patienten unter Kalzimimetika muss die Nachsorge die Stabilität der Kalziumkonzentration und das Fehlen einer iatrogenen Hypokalzämie überprüfen. Gleichzeitig ist das Knochenrisiko zu beurteilen, weil die Korrektur der Hyperkalzämie nicht automatisch einen ausreichenden Knochenschutz bedeutet. Bei antiresorptiver Therapie müssen die Nierenfunktion und bei Denosumab insbesondere das Hypokalzämierisiko berücksichtigt werden, vor allem bei gleichzeitig bestehender CKD oder unzureichendem Vitamin-D-Status.

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus infolge einer CKD muss die Überwachung in die nephrologische Behandlung integriert werden und die zeitlichen Verläufe von PTH, Kalzium und Phosphat berücksichtigen. Reaktive Therapieänderungen aufgrund einer einzelnen Blutentnahme sollten vermieden werden. Bei älteren Menschen können mangelnde Therapietreue und die gastrointestinale Verträglichkeit von Phosphatbindern zu Instabilität führen. Die Nachsorge muss deshalb auch eine realistische Überprüfung des tatsächlich umgesetzten Behandlungsschemas einschließen.

Beim Hypoparathyreoidismus dient die Nachsorge vor allem der Sicherheit. Kontrolliert werden Kalzium, Phosphat, bei entsprechender Indikation die Kalziumausscheidung im Urin und die Nierenfunktion. Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Nephrokalzinose und eine Abnahme der glomerulären Filtrationsrate. Die Therapie muss daher fortlaufend angepasst werden, um Hyperkalziurie und Hyperkalzämie zu vermeiden und gleichzeitig eine ausreichende Symptomkontrolle sicherzustellen.

Prognose bei älteren Menschen

Die Prognose hängt von der Ursache und der Qualität der Behandlung ab. Viele ältere Menschen mit leichtem primärem Hyperparathyreoidismus können konservativ überwacht werden, sofern keine Schweregradkriterien vorliegen und eine zuverlässige Nachsorge gewährleistet ist. Ihre Organreserve ist jedoch geringer, sodass dieselbe chronische Exposition gegenüber Hyperkalzämie und erhöhtem PTH das Frakturrisiko, die Nierenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit stärker beeinflussen kann als bei jüngeren Erwachsenen. Die Prognose ist deshalb dynamisch und hängt von der Entwicklung der Gebrechlichkeit sowie vom Auftreten klinischer Warnereignisse wie Frakturen oder einer Verschlechterung der Nierenfunktion ab.

Wenn eine Parathyreoidektomie indiziert und durchführbar ist, kann sie die Prognose deutlich verbessern, weil sie den zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismus beseitigt. Bei älteren Menschen wird der Nutzen häufig eher anhand der Frakturprävention, der Stabilisierung der Nierenfunktion und der Verbesserung der funktionellen Leistungsfähigkeit als anhand zusätzlicher Lebensjahre beurteilt. Die Prognose sollte daher unter dem Gesichtspunkt der Lebensqualität und des Erhalts der Selbstständigkeit besprochen werden.

Beim sekundären Hyperparathyreoidismus infolge einer CKD wird die Prognose vor allem durch die Nierenerkrankung und das mit der CKD-MBD verbundene kardiovaskuläre und skelettale Risiko bestimmt. Eine angemessene Behandlung des Mineralstoffwechsels kann Komplikationen verringern. Das realistische Ziel bei älteren Menschen besteht jedoch darin, Fortschreiten und Instabilität zu begrenzen und Therapien zu vermeiden, die Hyperkalzämie oder Verkalkungen fördern. Beim Hypoparathyreoidismus hängt die Prognose davon ab, ein stabiles und sicheres Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, iatrogene renale Komplikationen zu verhindern und die Symptome mit einer Therapiebelastung zu kontrollieren, die mit Gebrechlichkeit und Therapietreue vereinbar ist.

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