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Hypophysärer Mangel an luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH)

Der hypophysäre Mangel an luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) ist ein Zustand, der durch eine verminderte oder fehlende Sekretion der Gonadotropine durch die gonadotropen Zellen der Adenohypophyse gekennzeichnet ist, mit der Folge, dass eine normale gonadale Steroidogenese und Gametogenese nicht aufrechterhalten werden kann. Da LH und FSH den unverzichtbaren hypophysären Output der hypothalamisch hypophysär gonadalen Achse darstellen, führt ihr Mangel zu einem Bild des hypogonadotropen Hypogonadismus, bei dem die reproduktive Beeinträchtigung, wenn der Defekt länger besteht oder in kritischen Entwicklungsphasen auftritt, von systemischen Folgen für Knochen, Körperzusammensetzung, Stoffwechsel und psychosexuelles Wohlbefinden begleitet wird.

Die klinische Besonderheit dieser “zentralen” Form des Hypogonadismus besteht darin, dass der Defekt nicht in der Gonade liegt, sondern in der Drüse, die das hypothalamische Signal in eine peripher wirksame hormonelle Sekretion übersetzen muss. Daraus ergibt sich eine ausgeprägte ätiologische Heterogenität, die strukturelle kompressive, infiltrative oder vaskuläre Ursachen der Sellaregion, iatrogene Formen und angeborene Bilder einer gestörten Hypophysenentwicklung umfasst. Praktisch bedeutet die Erkennung eines hypophysären Mangels an LH und FSH, das Problem korrekt im Kontext der gesamten Hypophysenfunktion einzuordnen, potenziell reversible Formen von permanenten Formen zu unterscheiden und eine Therapie festzulegen, die die Wiederherstellung der Wirkungen der Sexualsteroide ausdrücklich vom eigenständigen Ziel der Wiederherstellung der Fertilität trennt.

Epidemiologie und Risikofaktoren

Die Häufigkeit des hypophysären Mangels an LH und FSH hängt eng von der Epidemiologie des Hypopituitarismus und von den Ursachen ab, die die gonadotrope Funktion selektiv oder überwiegend beeinträchtigen. Im Erwachsenenalter ist ein relevanter Anteil des hypogonadotropen Hypogonadismus mit Erkrankungen der sellären und parasellären Region verbunden, wobei nicht sezernierende Hypophysenneoplasien, Makroadenome mit Masseneffekt, Kraniopharyngeome und Läsionen, die die Perfusion oder Integrität des Hypophysenparenchyms beeinträchtigen, von besonderer Bedeutung sind. In diesen Zusammenhängen ist die gonadotrope Beeinträchtigung häufig eine der ersten Manifestationen, da die reproduktive Achse sehr empfindlich auf eine Verringerung des hypothalamischen Antriebs und auf eine Störung der Funktion gonadotroper Zellen reagiert.

Bei Frauen kann ein LH- und FSH-Mangel durch das Auftreten von Menstruationsstörungen, Anovulation und Infertilität relativ früh klinisch sichtbar werden, während die Präsentation bei Männern subtiler sein und sich mit Libidoabnahme, verminderter erektiler Funktion, Asthenie und Veränderungen der Körperzusammensetzung über längere Zeit hinziehen kann, bevor ein zentraler Hypogonadismus erkannt wird. Dieser Unterschied in der klinischen “Sichtbarkeit” trägt zu einer scheinbaren Variabilität der Erkennung und epidemiologischen Schätzungen bei, auch bei gleicher zugrunde liegender sellärer Erkrankung.

Hinsichtlich der Risikofaktoren betrifft eine erste entscheidende Unterscheidung die Zustände, die einen direkten hypophysären Schaden verursachen, im Gegensatz zu jenen, die die hypothalamisch hypophysäre Regulation sekundär verändern. Der eigentliche “hypophysäre” Mangel ist mit prädisponierenden Faktoren wie dem Vorliegen sellärer Makroläsionen, transsphenoidaler Chirurgie, kranialer oder sellärer Radiotherapie, Hypophysenapoplexie, peripartalen Blutungen oder Ischämien sowie chronischen infiltrativen oder entzündlichen Prozessen verbunden. In diesen Szenarien steigt das Risiko eines hypogonadotropen Hypogonadismus weiter, wenn Zeichen einer Beeinträchtigung anderer Achsen koexistieren, etwa eine zentrale Hypothyreose oder eine zentrale Nebenniereninsuffizienz, die auf einen ausgedehnteren Hypophysenschaden hindeuten.

Eine epidemiologisch relevante Kategorie ist die der Defizite nach Behandlung. Die Chirurgie von Hypophysentumoren und die Radiotherapie sind zwar wesentliche Instrumente in der Behandlung sellärer Erkrankungen, können jedoch neue hormonelle Defizite verursachen oder vorbestehende Defizite verschlechtern. Die gonadotrope Funktion kann sich bei einem Teil der Patienten nach chirurgischer Dekompression nicht funktioneller Adenome erholen, sie kann sich aber auch dauerhaft verschlechtern, weshalb eine dynamische Nachsorge erforderlich ist, die nicht auf die unmittelbare postoperative Phase beschränkt bleibt.

Im Kindes- und Jugendalter wird die Epidemiologie von angeborenen Formen und vom Spektrum multipler Defizite der vorderen Hypophyse dominiert, die mit Störungen der Hypophysenentwicklung zusammenhängen. Mutationen von Transkriptionsfaktoren und Genen, die an der Organogenese der Hypophyse beteiligt sind, können ein Bild eines kombinierten Defizits verursachen, bei dem die gonadotrope Insuffizienz typischerweise zum erwarteten Zeitpunkt der pubertären Aktivierung hervortritt. In diesen Fällen ist der natürliche Verlauf häufig durch Progressivität und interindividuelle Variabilität gekennzeichnet, mit der Möglichkeit, dass sich die gonadotrope Funktion im Laufe der Zeit verschlechtert, auch wenn die initialen Defizite andere Achsen betreffen.

Schließlich erfordern einige klinische Kontexte besondere Aufmerksamkeit, weil sie die Wahrscheinlichkeit einer verspäteten Diagnose erhöhen. Dazu gehören langsam beginnende Formen im Zusammenhang mit sellären Mikroläsionen, Bilder einer Hyperprolaktinämie durch “Stalk-Effekt”, die den zentralen Hypogonadismus maskieren, und Präsentationen, bei denen die Symptome unspezifischen Ursachen wie Stress, Depression oder Alterung zugeschrieben werden. In all diesen Fällen ist die systematische Bewertung von Risikofaktoren und sellärem Kontext entscheidend, um einen hypogonadotropen Hypogonadismus korrekt als Ausdruck eines hypophysären Mangels an LH und FSH zu interpretieren.

Ätiologie, Pathogenese und Pathophysiologie

Der hypophysäre Mangel an LH und FSH entsteht durch eine quantitative oder qualitative Störung der Funktion der gonadotropen Zellen der Adenohypophyse oder durch eine funktionelle Unterbrechung der hypothalamisch hypophysären Verbindung, die verhindert, dass das Signal des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) in eine angemessene Gonadotropinsekretion umgesetzt wird. Die Ätiologie umfasst angeborene, erworbene und iatrogene Formen, mit pathogenetischen Mechanismen, die vom Zellverlust über die Desorganisation der Sekretion bis hin zur Verminderung der verbleibenden sekretorischen Reserve reichen.

Unter den erworbenen Ursachen stellt der Masseneffekt nicht funktioneller Hypophysenadenome und anderer sellärer Läsionen ein pathophysiologisches Paradigma dar: Die Kompression des normalen Hypophysenparenchyms und die Verzerrung der vaskulären Architektur können die Perfusion und Funktionalität der gonadotropen Zellen vermindern. Der Schaden kann graduell und zunächst selektiv sein, da verschiedene Zelltypen eine unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Kompression und Ischämie zeigen, kann sich im Laufe der Zeit jedoch zu einem ausgedehnteren Hypopituitarismus entwickeln. Ein häufig verflochtener Mechanismus ist die Beeinträchtigung des Hypophysenstiels mit vermindertem portalem Transport hypothalamischer Faktoren, wodurch die gonadotrope Stimulation gestört und gleichzeitig durch Verlust der dopaminergen Hemmung eine Hyperprolaktinämie verursacht werden kann, was die Suppression der reproduktiven Achse verstärkt.

Zu den vaskulären Ursachen gehören die Hypophysenapoplexie und peripartale Ischämien. In diesen Zuständen ist das zentrale Ereignis ein akuter Insult, der Nekrose oder Blutung mit Verlust funktionierenden Hypophysengewebes verursacht. Die gonadotrope Insuffizienz kann Teil eines vollständigen oder partiellen Bildes sein und koexistiert häufig mit Defiziten des adrenokortikotropen Hormons (ACTH) und des thyreoideastimulierenden Hormons (TSH), mit unmittelbaren Implikationen für die klinische Sicherheit und die Priorität der Behandlung.

Infiltrative und entzündliche Formen wie Sarkoidose, Histiozytose, Hypophysitis und andere granulomatöse oder autoimmune Erkrankungen verursachen Defizite durch Mechanismen der Gewebeinfiltration, Fibrose und Störung der lokalen Homöostase. In diesen Szenarien kann der Schaden unregelmäßig und fluktuierend sein, mit Phasen entzündlicher Aktivität und narbiger Progression, wodurch die Pathophysiologie der Gonadotropinsekretion im Zeitverlauf besonders variabel wird.

Iatrogene Ursachen umfassen vor allem Chirurgie und Radiotherapie. Chirurgie kann pathologisches Gewebe entfernen, aber auch gesundes Gewebe beeinträchtigen, während Radiotherapie dazu neigt, im Laufe der Zeit eine progressive hormonelle Verschlechterung zu verursachen, mit dem Auftreten neuer Defizite auch noch Jahre später. Die postradiogene Pathophysiologie spiegelt mikrovaskulären Schaden, Fibrose und allmählichen Verlust sekretorischer Kapazität wider und erfordert eine langfristige Nachsorge, die nicht auf die unmittelbare Phase nach der Behandlung beschränkt ist.

Bei angeborenen Formen kann der LH- und FSH-Mangel aus Störungen der Hypophysenentwicklung resultieren, die mit Mutationen von Genen zusammenhängen, welche an Organogenese und Differenzierung der verschiedenen Zelllinien beteiligt sind. In diesem Fall besteht der Mechanismus häufig in einer verminderten funktionellen Masse gonadotroper Zellen oder in ihrer sekretorischen Inkompetenz, und die klinische Präsentation tritt typischerweise zum Zeitpunkt der Pubertät hervor, wenn der Organismus eine koordinierte Steigerung der Gonadotropinproduktion benötigt. Ein charakteristisches Element vieler genetischer Formen des Hypopituitarismus ist die mögliche Progressivität, mit dem Auftreten neuer Defizite im Laufe der Zeit, auch wenn der klinische Beginn zunächst nur eine Achse betrifft.

Pathophysiologisch führt die Verminderung von LH und FSH zu einer unzureichenden gonadalen Stimulation. Beim Mann bewirkt dies eine verminderte Testosteronproduktion und eine gestörte Spermatogenese, da LH die Funktion der Leydig-Zellen unterstützt und FSH auf die Sertoli-Zellen wirkt, mit Auswirkungen auf die Reifung der Samenkanälchen, die Produktion von Inhibin B und die Unterstützung der Gametogenese. Bei der Frau führen FSH-Mangel und das Fehlen eines adäquaten LH-Signals zu einem Stillstand des Follikelwachstums, niedrigen Estradiolspiegeln, Ausbleiben der Ovulation und inadäquater Luteinisierung, mit nachfolgender Infertilität und Amenorrhö.

Der chronische Mangel an Sexualsteroiden hat systemische Wirkungen, die ein integraler Bestandteil der klinischen Pathophysiologie sind. Die reduzierte Östrogen- oder Androgenexposition beeinträchtigt die Erhaltung der Knochenmasse, verändert die Körperzusammensetzung zugunsten einer Zunahme der Fettmasse und einer Abnahme der fettfreien Masse und verändert metabolische Parameter mit Tendenz zur Verschlechterung der Insulinsensitivität und des Lipidprofils. Zudem interagiert die reproduktive Achse mit neuroendokrinen Schaltkreisen des Verhaltens und des Wohlbefindens, sodass ein länger bestehender gonadotroper Mangel mit verminderter Vitalität, Stimmungsveränderungen und Störungen der Sexualfunktion einhergehen kann. Zusammenfassend ist der hypophysäre Mangel an LH und FSH nicht nur eine Fertilitätsstörung, sondern ein Zustand, der die Physiologie der reproduktiven Anpassung und ihrer systemischen Effekte global verändert.

Klinische Manifestationen

Die klinische Präsentation des hypophysären Mangels an LH und FSH hängt entscheidend vom Alter bei Beginn und von der Geschwindigkeit ab, mit der sich das Defizit entwickelt, ebenso wie vom Vorliegen assoziierter hypophysärer Defizite und von der zugrunde liegenden Ursache. Die Bewertung muss der Logik der realen klinischen Untersuchung folgen, ausgehend von einer gezielten Anamnese und anschließend übergehend zu objektiven Befunden, die den klinischen Verdacht mit dem erwarteten endokrinen Profil in Einklang bringen.

In der Anamnese ist bei Kindern und Jugendlichen das Leitelement die Pubertätsverzögerung oder das vollständige Ausbleiben pubertärer Zeichen. Bei Jungen ist das Ausbleiben der Zunahme des Hodenvolumens häufig das früheste und spezifischste Zeichen, weil es direkt das Fehlen einer gonadotropen Stimulation widerspiegelt; eine geringe Virilisierung, eine reduzierte Zunahme der Muskelmasse und das Ausbleiben der androgenabhängigen Körperbehaarung können koexistieren. Bei Mädchen sprechen das Ausbleiben der Thelarche oder die fehlende Progression der Brustentwicklung, die primäre Amenorrhö und das Fehlen von Zeichen pubertärer Reifung für einen zentralen Defekt, insbesondere wenn keine Hinweise auf eine primäre Ovarialinsuffizienz bestehen. In dieser Lebensphase muss die Anamnese Informationen zu Längenwachstum, Kopfschmerz, Sehstörungen und Symptomen anderer hypophysärer Defizite einschließen, da ein isolierter gonadotroper Mangel weniger häufig ist als komplexere Bilder.

Beim Erwachsenen umfasst die Anamnese bei Männern häufig eine verminderte Libido, erektile Dysfunktion, Abnahme der Häufigkeit morgendlicher Erektionen, Asthenie, verminderte körperliche Leistungsfähigkeit und mögliche Infertilität. Bei langsamem Beginn können die Symptome Stress oder Alterung zugeschrieben werden, während bei rascherem Beginn, etwa nach Apoplexie oder sellärer Chirurgie, das Auftreten des Hypogonadismus deutlicher sein und mit anderen Zeichen eines Hypopituitarismus einhergehen kann. Bei Frauen wird die Krankengeschichte häufig von Oligomenorrhö oder sekundärer Amenorrhö, Anovulation, Infertilität und Symptomen des Hypoöstrogenismus wie vaginaler Trockenheit und Dyspareunie dominiert; vasomotorische Symptome und Schlafstörungen können auftreten, insbesondere wenn der Östrogenabfall relativ rasch erfolgt.

Die körperliche Untersuchung muss Zeichen des Steroidmangels und systemische Folgen erfassen. Bei Männern können eine Verminderung sekundärer Geschlechtsmerkmale, reduzierte Muskelmasse, Zunahme des Fettgewebes, vermindertes Bartwachstum und bei langer Dauer eine Verminderung des Hodenvolumens vorliegen. Bei Frauen können Zeichen des Hypoöstrogenismus mit verminderter Schleimhauttrophik und reduzierter Brustspannung beobachtet werden. Bei beiden Geschlechtern ist die Beurteilung des Knochen- und Muskelstatus ein klinisch sehr wichtiges Element, da chronischer zentraler Hypogonadismus das Risiko für Osteopenie und Osteoporose erhöht und zur funktionellen Fragilität beiträgt.

Ein eigenes klinisches Kapitel betrifft Zeichen einer sellären Raumforderung und Symptome anderer hypophysärer Defizite. Kopfschmerz, Gesichtsfeldeinschränkung, Diplopie oder Zeichen einer Kompression des Chiasma opticum müssen an eine expansive Läsion denken lassen. Symptome wie Hypotonie, ausgeprägte Asthenie, Hyponatriämie, Kälteintoleranz, unerklärte Gewichtszunahme oder Polyurie und Polydipsie sprechen dafür, dass der gonadotrope Mangel nicht isoliert ist. Die klinische Einordnung muss daher den LH- und FSH-Mangel immer als möglichen Teil eines breiteren Hypopituitarismus betrachten, insbesondere wenn der Beginn im Erwachsenenalter liegt und die Anamnese selläre Risikofaktoren enthält.

Schließlich ist die psychosexuelle und reproduktive Dimension ein integraler Bestandteil der Klinik. Der gonadotrope Mangel kann die wahrgenommene sexuelle Identität, die Qualität von Beziehungen, die Fertilität und die Familienplanung beeinträchtigen. Bei jungen Menschen mit Pubertätsverzögerung kann die psychologische Auswirkung besonders relevant sein, während bei Erwachsenen die Lebensqualität vor allem unter sexueller Dysfunktion und Verlust des allgemeinen Wohlbefindens leiden kann. Die Integration dieser Aspekte in die klinische Bewertung ist wesentlich, um einen realistischen diagnostischen und therapeutischen Weg zu gestalten, der auf die Ziele des Patienten ausgerichtet ist.

Wann die Erkrankung vermutet werden sollte

Der Verdacht auf einen hypophysären Mangel an LH und FSH entsteht durch das Erkennen einer Diskrepanz zwischen dem, was man in der Lebensphase des Patienten erwarten würde, und dem, was die reproduktive Achse tatsächlich ausdrückt. Praktisch lautet die klinische Frage, ob Pubertät, ovarielle Zyklizität, Sexualfunktion und Fertilität mit Alter, biologischem Kontext und Allgemeinzustand vereinbar sind, und ob der Hypogonadismus eher “zentral” als gonadal plausibel ist.

In der Adoleszenz muss der Verdacht entstehen, wenn initiale Pubertätszeichen nicht innerhalb der oberen Grenzen der Normalität für Geschlecht und Alter auftreten oder wenn eine begonnene Pubertät früh ohne Progression zum Stillstand kommt. Das Ausbleiben der Zunahme des Hodenvolumens beim Jungen und das Ausbleiben der Thelarche beim Mädchen sind klinische Signale, die, wenn sie mit nicht notwendigerweise beeinträchtigtem Längenwachstum und fehlender chronischer Systemerkrankung verbunden sind, eine Bewertung der hypothalamisch hypophysär gonadalen Achse erfordern. Der Verdacht wird weiter verstärkt, wenn Elemente koexistieren, die auf einen breiteren hypophysären Defekt hinweisen, wie neonatale Hypoglykämie in der Vorgeschichte, prolongierter Ikterus, Mikropenis oder Kryptorchismus oder klinische Zeichen anderer hypophysärer Defizite.

Beim Erwachsenen sollte ein hypophysärer Mangel an LH und FSH bei Symptomen eines Hypogonadismus mit verminderten Sexualsteroiden und nicht adäquat erhöhten Gonadotropinen erwogen werden. Der Verdacht ist besonders stark, wenn selläre Risikofaktoren vorliegen, etwa eine Vorgeschichte mit Hypophysenadenom, Chirurgie oder Radiotherapie, Schädel-Hirn-Trauma, Meningitis, infiltrativen Erkrankungen oder Massesymptomen wie Kopfschmerz und Sehstörungen. In diesem Kontext ist das Auftreten eines Hypogonadismus zusammen mit zentraler Hypothyreose oder zentraler Nebenniereninsuffizienz ein klinisches Signal, das deutlich in Richtung Hypopituitarismus weist.

Ein häufig entscheidendes Element ist die assoziierte Hyperprolaktinämie. Bei erhöhter Prolaktinkonzentration und Zeichen eines Hypogonadismus kann die Suppression der Achse teilweise durch die Wirkung von Prolaktin auf den GnRH-Antrieb vermittelt sein, doch die Hyperprolaktinämie selbst kann ein Hinweis auf eine Kompression des Hypophysenstiels sein. In diesen Fällen beruht der Verdacht auf einen hypophysären Mangel an LH und FSH nicht allein auf dem Prolaktin, sondern auf dem kohärenten Gesamtbild aus Anamnese, klinischen Zeichen und Möglichkeit einer zugrunde liegenden sellären Erkrankung.

Es ist wesentlich, den Verdacht auf hypophysären Mangel von funktionellen hypothalamischen Formen zu unterscheiden. Dazu muss der klinische Kontext integriert werden: bedeutender Gewichtsverlust, exzessive körperliche Aktivität, energetischer Stress oder Essstörungen sprechen für eine hypothalamische Suppression, während Zeichen einer sellären Raumforderung, das Vorliegen multipler Defizite und eine Vorgeschichte von Operationen oder Bestrahlung auf einen hypophysären Defekt hinweisen. Diese Unterscheidung ist nicht theoretisch, denn sie beeinflusst die diagnostischen Strategien und vor allem die therapeutische Wahl, wenn Fertilität das Ziel ist.

Zusammenfassend sollte ein hypophysärer Mangel an LH und FSH vermutet werden, wenn die reproduktive Funktion im Verhältnis zur Lebensphase und zum biologischen Kontext des Patienten unzureichend ist, insbesondere wenn selläre Risikofaktoren oder Elemente eines breiteren Hypopituitarismus koexistieren. Der Verdacht ist der Moment, in dem sich die Klinik in einen strukturierten diagnostischen Weg verwandelt, der auf die Ursache ausgerichtet ist.

Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose eines hypophysären Mangels an LH und FSH erfordert einen sequenziellen Weg, der einen hypogonadotropen Hypogonadismus nachweist, den wahrscheinlichsten Sitz innerhalb der hypothalamisch hypophysär gonadalen Achse definiert und die zugrunde liegende Ursache identifiziert, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Möglichkeit eines assoziierten Hypopituitarismus, der gefährlich sein kann, wenn er nicht erkannt wird, etwa eine zentrale Nebenniereninsuffizienz. Die diagnostische Logik darf sich nicht auf einen einzelnen Wert stützen, sondern muss Biochemie, Klinik und Bildgebung integrieren.

Die erste Ebene besteht in der basalen Bestimmung von Sexualsteroiden und Gonadotropinen. Beim Mann identifiziert die Kombination aus vermindertem Testosteron mit niedrigen oder unangemessen normalen LH- und FSH-Werten das Muster eines hypogonadotropen Hypogonadismus; bei der Frau spricht niedriges Estradiol in Verbindung mit nicht erhöhten Gonadotropinen bei Amenorrhö oder Anovulation für einen zentralen Defekt. In dieser Phase ist es sinnvoll, Marker der Gonadenfunktion und der Aktivität des Keimzellkompartiments hinzuzufügen, etwa Inhibin B beim Mann und in ausgewählten Kontexten Anti-Müller-Hormon (AMH) bei der Frau, nicht als entscheidende diagnostische Tests, sondern als Elemente, die helfen, den Phänotyp zu beschreiben und die verbleibende funktionelle Reserve abzuschätzen.

Der zweite Schritt besteht darin, zwischen einem hypothalamischen Defekt und einem hypophysären Defekt zu unterscheiden. Dynamische Tests mit GnRH oder Analoga können bei einigen hypothalamischen Formen eine erhaltene Gonadotropinantwort zeigen, ihre klinische Nützlichkeit ist jedoch durch die Variabilität der Protokolle, die Überlappung der Antworten und die Tatsache begrenzt, dass die meisten Managemententscheidungen ohnehin von der Identifikation der sellären Ursache und der Bewertung der anderen Achsen abhängen. In der Praxis beruht die Differenzierung vor allem auf dem klinischen Kontext, dem Vorliegen multipler Defizite und der sellären Bildgebung. Ein stark auf eine beeinträchtigte Hypophyse hinweisender Befund ist die Koexistenz von Defiziten anderer hypophysärer Hormone oder das Vorliegen einer sellären Läsion, die das Hypophysenparenchym betrifft.

Die Bewertung der gesamten Hypophysenfunktion ist unverzichtbar. Je nach Kontext und klinischer Priorität müssen Cortisol und ACTH mit gegebenenfalls dynamischen Tests bei entsprechender Indikation, Schilddrüsenhormone mit zentral interpretierter TSH-Bewertung, insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1 (IGF-1) als Marker der Wachstumshormonachse (GH-Achse) und Prolaktin bestimmt werden. Dieser Schritt ist nicht nebensächlich, weil ein gonadotroper Mangel zwar das offensichtlichste Element sein kann, aber nicht das dringendste aus Sicht der klinischen Sicherheit. Die korrekte Diagnose umfasst daher die Definition des Gesamtprofils des Hypopituitarismus und nicht nur der gonadalen Achse.

Die Referenzbildgebung ist die Magnetresonanztomographie der hypothalamisch hypophysären Region mit Untersuchung der Sella und des Chiasma opticum. Ziel ist die Identifikation von Adenomen, Kraniopharyngeomen, Hypophysitis, Infiltrationen, ischämischen Residuen, Empty-Sella-Syndrom und Stielveränderungen. Auch bei nicht schlüssiger Bildgebung kann ein hypophysärer Mangel bei Zuständen nach Behandlung oder bei mikrostrukturellen Formen vorliegen, doch eine dokumentierte Bildgebung bleibt zentral für die anatomische Einordnung und für therapeutische Entscheidungen.

    Nach den Empfehlungen der Endocrine Society zum Hypopituitarismus des Erwachsenen ist zur Einordnung eines gonadotropen Mangels bei Verdacht auf Hypopituitarismus Folgendes erforderlich

  • biochemische Bestätigung des zentralen Hypogonadismus mit verminderten Sexualsteroiden und niedrigen oder unangemessenen Gonadotropinen
  • systematische Bewertung der anderen hypophysären Achsen zur Identifikation assoziierter Defizite, mit Priorität für die kortikotrope Funktion, wenn sie klinisch relevant ist
  • Durchführung einer sellären Bildgebung, vorzugsweise Magnetresonanztomographie, zur Definition der anatomischen Ursache und eines möglichen Masseneffekts
  • Erkennung und koordinierte Behandlung möglicher multipler Defizite, wobei isolierte Interpretationen einzelner Laborwerte vermieden werden

Nachdem das Bild eines hypogonadotropen Hypogonadismus definiert und der selläre Sitz oder der hypophysäre Kontext dokumentiert wurde, wird die Diagnose durch die ätiologische Identifikation vervollständigt. Bei einem Hypophysentumor ist es notwendig, funktionelle von nicht funktionellen Adenomen zu unterscheiden, zu verstehen, ob Prolaktin eine Rolle spielt, und die Beziehung zu Sehstörungen festzulegen. Bei entzündlichen oder infiltrativen Bildern ist die Integration mit systemischen Untersuchungen und, wenn angemessen, erweiterten immunologischen und radiologischen Bewertungen grundlegend. Bei angeborenen oder früh einsetzenden Formen mit multiplem Hypopituitarismus oder Malformationen können genetische Untersuchung und neuroradiologische Bewertung des Hypophysen Hypothalamus Komplexes die Diagnose besser definieren und die familiäre Beratung ausrichten.

Die Differenzialdiagnose umfasst zunächst den primären gonadalen Hypogonadismus, der durch erhöhte Gonadotropine gekennzeichnet ist, aber auch Zustände, die Testosteron oder Estradiol vorübergehend verändern, die Verwendung von Arzneimitteln, die die Achse unterdrücken, und funktionelle hypothalamische Formen. Im letzteren Fall sprechen das Fehlen einer sellären Läsion und das Vorliegen klarer metabolischer oder verhaltensbezogener auslösender Faktoren für einen hypothalamischen Defekt, während die Koexistenz anderer Defizite und eine pathologische Bildgebung einen hypophysären Mangel wahrscheinlicher machen. Das endgültige Ziel des diagnostischen Ablaufs besteht nicht nur darin, den zentralen Hypogonadismus zu “etikettieren”, sondern ihn in eine pathophysiologische Karte einzufügen, die es erlaubt, Therapie, Nachsorge und reproduktive Ziele mit klinischer Kohärenz festzulegen.

Klassifikation, klinische Formen und Schweregrad

Die Klassifikation des hypophysären Mangels an LH und FSH ist vor allem deshalb nützlich, weil sie den klinischen Phänotyp mit dem natürlichen Verlauf und der therapeutischen Strategie verbindet. Eine erste Unterscheidung besteht zwischen isoliertem Defizit und Defizit, das mit anderen hypophysären Mängeln assoziiert ist. Das isolierte Defizit ist im Rahmen erworbener sellärer Erkrankungen relativ weniger häufig, kann aber bei bestimmten Bedingungen oder in den Anfangsphasen eines kompressiven Prozesses auftreten. Dagegen spricht das Vorliegen einer zentralen Hypothyreose, einer zentralen Nebenniereninsuffizienz oder eines GH-Mangels für einen ausgedehnteren Schaden und erfordert ein integriertes Management.

Eine zweite Klassifikationsachse unterscheidet angeborene und erworbene Formen. Die angeborenen Formen umfassen sowohl Bilder einer gestörten Hypophysenentwicklung mit multiplen Defiziten als auch umschriebenere Formen, bei denen die gonadotrope Komponente klinisch besonders ausgeprägt ist. Bei diesen Formen muss der Schweregrad in Bezug auf den Zeitpunkt interpretiert werden, an dem der Organismus einen adäquaten gonadotropen Output benötigt, vor allem während der Pubertät, und in Bezug auf die Möglichkeit, dass sich die Funktion im Laufe der Zeit verschlechtert.

Erworbene Formen umfassen tumorale, vaskuläre, entzündliche, infiltrative und iatrogene Erkrankungen. In dieser Kategorie hängt der Schweregrad häufig mit der Größe der Läsion, dem Grad der Kompression und der Dauer des Schadens zusammen. Ein langsam entstandenes Defizit kann partielle Anpassungen ermöglichen und sich mit unscharfen Symptomen präsentieren, während ein akutes Ereignis einen plötzlichen Abfall der Gonadenfunktion und ein deutlicheres klinisches Bild verursachen kann.

Nützlich ist auch die Unterscheidung zwischen partiellem und vollständigem Defizit. Beim partiellen Defizit kann eine Restsekretion von Gonadotropinen fortbestehen, die bisweilen ausreicht, um bestimmte Aspekte der Gonadenfunktion aufrechtzuerhalten, mit unvollständiger Pubertät oder unregelmäßigen Zyklen bei der Frau und verminderter, aber nicht immer aufgehobener Fertilität beim Mann. Beim vollständigen Defizit verhindert das Fehlen gonadotroper Stimulation die Gametogenese und Steroidogenese deutlich, mit Bildern persistierender Amenorrhö, Azoospermie oder vermindertem Hodenvolumen bei früh einsetzenden Fällen. Die Unterscheidung ist klinisch relevant, weil sie die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf Fertilitätstherapien und die Wahl der Protokolle beeinflusst.

Ein weiteres Kriterium, besonders bei Formen nach Behandlung oder bei Tumoren, ist die Möglichkeit der Erholung der gonadotropen Funktion. Nach chirurgischer Dekompression nicht funktioneller Adenome kann ein Teil der Patienten eine partielle Erholung der gonadalen Achse zeigen, während andere neue Defizite entwickeln können. Diese Variabilität macht die Klassifikation intrinsisch dynamisch und rechtfertigt eine strukturierte Nachsorge im Zeitverlauf, in der der Schweregrad nicht “ein für alle Mal” festgelegt wird, sondern anhand der klinischen Antwort, der Biochemie und des neuroradiologischen Kontexts neu bewertet wird.

Schließlich muss der Schweregrad immer im Licht der klinischen Ziele neu interpretiert werden. Ein gonadotroper Mangel kann “klinisch mild” sein, wenn der Patient keine relevanten Symptome hat und keine Fertilität wünscht, kann aber “klinisch entscheidend” werden, wenn das Ziel die Induktion einer physiologischen Pubertät, das Erreichen von Fertilität oder die Prävention knöcherner und metabolischer Komplikationen bei einem jungen Menschen ist. Deshalb muss die Klassifikation als Entscheidungsinstrument und nicht als einfache deskriptive Etikette genutzt werden.

Behandlung

Die Behandlung des hypophysären Mangels an LH und FSH muss zwei Ziele klar trennen, die häufig verwechselt werden: die Wiederherstellung der Wirkungen der Sexualsteroide und die Wiederherstellung der Fertilität. Eine Substitutionstherapie mit Testosteron oder Östrogenen und Gestagenen kann Symptome normalisieren und systemische Komplikationen verhindern, induziert jedoch keine Gametogenese und ersetzt nicht die gonadotrope Stimulation, die zur Produktion von Spermatozoen oder zur Ovulation erforderlich ist. Die therapeutische Wahl muss daher nach Alter, Geschlecht, Kinderwunsch, Komorbiditäten und Ursache des Defizits individualisiert werden.

Bei Jugendlichen mit pubertär einsetzendem Defizit hat die Therapie das Ziel, eine progressive sexuelle Entwicklung zu induzieren, die mit der Physiologie vereinbar ist. Bei Jungen wird Testosteron in stufenweise ansteigenden Dosen verwendet, um den pubertären Anstieg nachzuahmen und eine zu rasche Skelettreifung zu vermeiden. Bei Mädchen wird eine Östrogentherapie in ansteigenden Dosen eingeleitet, mit anschließender Einführung eines Gestagens, um bei entsprechender Indikation einen Endometriumschutz zu gewährleisten. Die stufenweise Vorgehensweise ist nicht nur für die metabolische und knöcherne Sicherheit wesentlich, sondern auch für die psychologische Anpassung und für eine harmonische Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale.

Bei Erwachsenen ohne Kinderwunsch besteht die Behandlung in einer Steroidsubstitution, die darauf abzielt, Symptome zu korrigieren, Knochen und Muskelmasse zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Beim Mann erfordert die Testosterontherapie die Wahl einer geeigneten Darreichungsform und ein angemessenes Monitoring, einschließlich klinischer Beurteilung, Hämatokrit und Prostatasicherheit gemäß den entsprechenden Empfehlungen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter mit zentralem Hypoöstrogenismus zielt die Östrogen Gestagen Therapie darauf ab, die Trophik wiederherzustellen und Knochen sowie kardiovaskuläres System zu schützen, unter Berücksichtigung des individuellen Risikoprofils. Nach der Menopause ist die Indikation selektiver und hängt von Symptomen und Zielen der Knochengesundheit ab, wobei die Entscheidungen kontextualisiert werden müssen.

Wenn Fertilität das Ziel ist, erfordert der hypophysäre Mangel in der Regel exogene Gonadotropine, da die pulsatile Gabe von GnRH, obwohl sie bei hypothalamischen Formen physiologisch ist, ineffektiv oder wenig effektiv ist, wenn die Hypophyse nicht antworten kann. Beim Mann beruht die Induktion der Spermatogenese auf humanem Choriongonadotropin (hCG) als funktionellem Ersatz für die LH-Wirkung auf die Leydig-Zellen, häufig kombiniert mit rekombinantem FSH oder Menotropinen zur Stimulation der Sertoli-Zellen und zur Unterstützung der Reifung der Samenkanälchen. Die Antwort ist langsam und erfordert Monate, weil die Spermatogenese biologisch nicht verkürzbare Zeiträume hat und weil bei präpubertär einsetzenden Defiziten die testikuläre Reifung vermindert sein kann, wodurch verlängerte und angepasste Stimulationsstrategien notwendig werden.

Bei Frauen mit gonadotropem Defizit beruht die Fertilitätstherapie auf kontrollierter ovarieller Stimulation mit FSH und bei ausgeprägtem LH-Mangel auf der Ergänzung mit rekombinantem LH oder auf der Verwendung von Präparaten mit LH-Aktivität. Ziel ist es, Follikelwachstum, angemessenen Estradiolanstieg, Oozytenreifung und Ovulation zu erreichen und eine Überstimulation zu vermeiden. Das Management erfordert eine sorgfältige sonographische und hormonelle Überwachung, da die ovarielle Sensitivität und die Dosisantwort stark variieren und das Risiko einer überschießenden Antwort oder ineffektiver Zyklen von Protokollen und Phänotyp abhängt.

Parallel dazu muss die Ursache behandelt werden, wenn dies möglich ist. Bei nicht funktionellen Makroadenomen kann die chirurgische Dekompression bei manchen Patienten die Hypophysenfunktion, einschließlich der gonadotropen Funktion, verbessern, kann aber auch neue Defizite verursachen, sodass die therapeutische Entscheidung neuroophthalmologische und endokrine Vorteile gegen das Risiko einer funktionellen Verschlechterung abwägen muss. Bei entzündlichen Bildern kann die Therapie der Grunderkrankung die Funktion stabilisieren oder verbessern. Bei Zuständen nach Radiotherapie ist der Ansatz häufig substitutiv und langfristig, mit Anpassungen entsprechend der klinischen Entwicklung.

Bei allen Patienten setzt die Optimierung der Behandlung voraus, dass die Substitution der anderen hypophysären Achsen korrekt und sicher ist. Ein Patient mit unzureichend behandelter zentraler Nebenniereninsuffizienz kann Eingriffe oder reproduktive Therapien schlechter tolerieren und ein erhöhtes klinisches Risiko haben. Deshalb muss die Behandlung des gonadotropen Defizits in eine umfassende Strategie des Hypopituitarismus-Managements eingebettet werden und darf nicht als isolierte Intervention verstanden werden.

Nachsorge und Monitoring

Die Nachsorge des hypophysären Mangels an LH und FSH muss strukturiert sein, weil sich die Hypophysenfunktion im Laufe der Zeit in Abhängigkeit vom Wachstum sellärer Läsionen, von Späteffekten der Radiotherapie, von der Entwicklung infiltrativer Erkrankungen oder von partieller Erholung nach chirurgischer Dekompression verändern kann. Das Monitoring beschränkt sich nicht auf die Beurteilung der symptomatischen Antwort, sondern umfasst die Sicherheit der Substitutionstherapie, die Überwachung systemischer Komplikationen und die periodische Neubewertung der gesamten Hypophysenfunktion.

Bei Patienten im Entwicklungsalter muss die Nachsorge die induzierte pubertäre Progression, das Längenwachstum und die Knochenreifung kontrollieren, mit Aufmerksamkeit für einen kohärenten und harmonischen Entwicklungsrhythmus. Die Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale muss regelmäßig bewertet werden, und wenn klinisch angezeigt, auch biochemische Parameter, die die Steroidexposition widerspiegeln. Ziel ist es, sowohl eine unzureichende Therapie zu vermeiden, die knöcherne und psychosoziale Risiken bestehen lässt, als auch eine übermäßige Therapie, die die Knochenreifung beschleunigen und das verbleibende Wachstumspotenzial reduzieren kann.

Bei Erwachsenen beruht die Nachsorge der Steroidtherapie auf der klinischen Bewertung der Symptome, Sicherheitsparametern und der Prävention von Komplikationen. Beim Mann unter Testosterontherapie umfasst das Monitoring Hämatokrit und Bewertung unerwünschter Ereignisse sowie eine klinische Kontrolle des Ansprechens. Bei der Frau unter Östrogen Gestagen Therapie ist die Überwachung auf Verträglichkeit, thromboembolisches Risiko bei Vorliegen prädisponierender Faktoren und Kontrolle der Symptome des Hypoöstrogenismus ausgerichtet, wobei die Entscheidungen im Zeitverlauf an Veränderungen des Risikoprofils und der Lebensphase angepasst werden müssen.

Eine zentrale Achse der Nachsorge ist die Knochengesundheit. Bei länger bestehendem zentralem Hypogonadismus muss die Bewertung der Knochenmineraldichte und des Frakturrisikos in das Monitoring integriert werden, insbesondere bei Patienten mit verspäteter Diagnose, langer Defizitdauer oder Koexistenz anderer Risikofaktoren. Die Prävention des Knochenverlusts hängt nicht nur von der Steroidtherapie ab, sondern auch vom Ernährungszustand, Vitamin D, angemessener körperlicher Aktivität und Kontrolle etwaiger weiterer begleitender endokriner Defizite.

Bei Patienten mit Kinderwunsch ist die Nachsorge intensiver und hängt vom Protokoll ab. Beim Mann unter Induktion der Spermatogenese mit Gonadotropinen muss das Monitoring die Bewertung der testikulären Antwort, der Testosteronspiegel und serielle Spermiogramme nach geeigneten biologischen Zeitintervallen umfassen. Bei der Frau unter ovarieller Stimulation erfordert die Nachsorge Ultraschalluntersuchungen und Hormonbestimmungen, um die Therapie zu modulieren, Überstimulation zu verhindern und die Wahrscheinlichkeit von Ovulation und Schwangerschaft zu optimieren. Bei beiden Geschlechtern ist die Integration mit der Reproduktionsmedizin grundlegend, wenn die Antwort suboptimal ist oder wenn assistierte Reproduktionstechniken erforderlich werden.

Da das gonadotrope Defizit mit anderen hypophysären Mängeln koexistieren kann, muss die Nachsorge periodische Neubewertungen von Cortisol, zentraler Schilddrüsenfunktion und, wenn angemessen, GH-Achse und Prolaktin umfassen. Nach Chirurgie oder Radiotherapie kann sich die Hypophysenfunktion sowohl verbessern als auch verschlechtern, wodurch eine verlängerte Überwachung notwendig wird. Zudem muss die selläre Bildgebung entsprechend neuroradiologischen und klinischen Indikationen im Zusammenhang mit der Grunderkrankung wiederholt werden, um Stabilität oder Progression der Läsion zu kontrollieren und mögliche endokrine Veränderungen korrekt zu interpretieren.

Schließlich muss die Nachsorge die Dimension der Lebensqualität und des psychosexuellen Wohlbefindens einbeziehen. Die symptomatische Antwort stimmt nicht immer mit der biochemischen Normalisierung überein, und eine technisch korrekte Therapie kann persönliche oder reproduktive Ziele des Patienten nicht vollständig erfüllen. Die periodische Neubewertung von Zielen, Erwartungen und funktioneller Auswirkung erlaubt es, das Management im Zeitverlauf anzupassen und die Behandlung an Pathophysiologie und reale Bedürfnisse gebunden zu halten.

Prognose und Komplikationen

Die Prognose des hypophysären Mangels an LH und FSH ist hinsichtlich der Lebenserwartung im Allgemeinen günstig, wenn die selläre Ursache erkannt wird und ein assoziierter Hypopituitarismus angemessen behandelt wird, insbesondere hinsichtlich der vitalen Achsen. Das funktionelle Outcome hängt jedoch vom Alter bei Beginn, von der Dauer des unbehandelten Defizits, vom Vorliegen multipler Mängel und von der Möglichkeit einer Erholung der Hypophysenfunktion nach ätiologischer Behandlung ab. Ein Defizit, das vor oder während der Pubertät auftritt, kann unbehandelt tiefgreifendere Folgen für somatische und knöcherne Entwicklung verursachen als ein Defizit, das im Erwachsenenalter auftritt.

Eine zentrale Komplikation ist die Beeinträchtigung der Skelettgesundheit. Der chronische Mangel an Sexualsteroiden reduziert den Erwerb der maximalen Knochenmasse bei jungen Menschen und beschleunigt den Knochenverlust bei Erwachsenen, wodurch das Risiko für Osteopenie, Osteoporose und Frakturen steigt. Diese Komplikation ist besonders relevant bei Patienten mit verspäteter Diagnose und in Situationen, in denen die Substitutionstherapie unzureichend oder diskontinuierlich ist. Die Pathophysiologie stimmt mit der Rolle von Östrogenen und Androgenen bei der Aufrechterhaltung des Knochenumbaus, der Kontrolle der Osteoklastenaktivität und der Erhaltung der Mikroarchitektur überein.

Metabolisch trägt ein länger bestehender zentraler Hypogonadismus zu Veränderungen der Körperzusammensetzung mit Zunahme der Fettmasse und Abnahme der fettfreien Masse bei, mit möglicher Verschlechterung der Insulinsensitivität und des Lipidprofils. Diese Effekte können sich zu denen anderer hypophysärer Defizite und Substitutionstherapien addieren, wodurch eine globale Bewertung des kardiometabolischen Risikos und gezielte Lebensstilinterventionen erforderlich werden.

Reproduktive Komplikationen umfassen Infertilität und bei Frauen persistierende Anovulation. Die reproduktive Prognose ist bei geeigneten Therapien häufig gut, doch die Antwort hängt von Faktoren wie Dauer des Defizits, vorausgegangener gonadaler Reifung und Vorliegen von Komorbiditäten ab. Beim Mann mit präpubertär einsetzendem Defizit kann die Induktion der Spermatogenese längere Zeit erfordern und weniger vorhersehbar sein, während bei Frauen mit ausgeprägtem LH-Mangel eine spezifische Unterstützung mit LH-Aktivität notwendig sein kann, um eine wirksame Follikulogenese zu erreichen.

Ein weiterer Bereich von Komplikationen betrifft Lebensqualität und psychosexuelles Wohlbefinden. Verminderte Libido, sexuelle Dysfunktion, Stimmungsveränderungen und das Gefühl reduzierter Vitalität sind häufig und können auch unter Substitutionstherapie fortbestehen, wenn sie nicht integriert adressiert werden. Bei jungen Menschen kann die Pubertätsverzögerung erhebliche psychologische Auswirkungen haben, mit Effekten auf Selbstwertgefühl und soziale Teilhabe, weshalb eine Unterstützung wichtig ist, die die endokrine Therapie begleitet.

Die Prognose hängt auch von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei nicht funktionellen Hypophysentumoren kann sich die gonadotrope Funktion bei einem Teil der Patienten nach Chirurgie erholen, sie kann sich aber auch verschlechtern oder im Laufe der Zeit weiter abnehmen, insbesondere nach Radiotherapie. Bei peripartalen Ischämien kann die endokrine Prognose in einem persistierenden Mehrfachdefizit bestehen, während der Verlauf bei entzündlichen Formen variabel sein kann. Deshalb darf die Prognose nicht als statisches Urteil formuliert werden, sondern als Synthese der individuellen Pathophysiologie, des erwarteten Erholungsprofils sowie der Qualität von Nachsorge und Behandlung im Langzeitverlauf.

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